Baden
«Verankerung des Museums in der Stadt soll stärker werden»

Das Historische Museum in Baden verzeichnet deutlich steigende Besucherzahlen. Leiterin Carol Nater Cartier freut sich.

Pirmin Kramer
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In einer Reihe mit den Abgeordneten des Badener Friedenskongresses 1714: Carol Nater Cartier sitzt am Verhandlungstisch im Historischen Museum. Chris Iseli

In einer Reihe mit den Abgeordneten des Badener Friedenskongresses 1714: Carol Nater Cartier sitzt am Verhandlungstisch im Historischen Museum. Chris Iseli

Chris Iseli

Beinahe einen Fünftel mehr Gäste als im Vorjahr zählte das Historische Museum Baden im Jahr 2014. «Mehr als erwartet, aber doch noch nicht so viele wie erhofft», sagt Museumsleiterin Carol Nater Cartier. «Unglaublich zufrieden stimmen mich die vielen positiven Feedbacks.» Die Besucher würden sehr lange im Museum verweilen und lobten die Ausstellung in höchsten Tönen.

«Frieden verhandeln» erinnert an die Zeit vor 300 Jahren, als Baden Zentrum der europäischen Friedensdiplomatie war. Die Ausstellung erzähle nicht die Geschichte von abstrakten Mächten, sondern stelle Frauen und Männer ins Zentrum, die am Frieden von Baden 1714 mitwirkten, lobten Gäste. Stolz macht die 37-jährige Museumsleiterin, dass auch die «NZZ» im Feuilleton über die Ausstellung berichtete: «Der Besucher begreift, wieso der Erbfolgekrieg losbrach, erhält eine Ahnung von dessen Schrecken, bekommt Einblick in die frühneuzeitliche Diplomatie, in der auch Frauen etwas zu sagen hatten, und kann sich ungefähr vorstellen, dass die Tagsatzungsstadt kopfstand, als sechzig hohe Delegationen aus ganz Europa ihr Quartier bezogen, verhandelten, feierten und sich in den Badeanlagen erholten», schrieb die Zeitung. Die Schau sei zuweilen zwar etwas gar didaktisch, doch das kleine Haus in Baden leiste Beachtliches.

«Unser Ziel ist es zu zeigen, dass Verhandlungen bereits damals ein aktiver Prozess waren, dass diese nicht erst losgingen, als sich die Vertreter in Baden an einen Tisch setzten», sagt Carol Nater Cartier. «Es gab bereits vorher diverse Briefwechsel, Treffen, Gespräche. Schon damals galt: Verhandeln ist ein Prozess.» Um sinnbildlich den Bogen zur Gegenwart zu spannen, hat das Historische Museum zusammen mit dem Standortmarketing beim Schlossbergplatz eine Brücke errichtet, an der jeder mitbauen und darauf festhalten durfte, wann er letztmals verhandelte. An der öffentlichen Finissage am 25. Januar werde Stadtammann Geri Müller die Belastung der Brücke testen und über sie gehen.

«Ich bin überzeugt, dass jeder hier in der Stadt vom Frieden von Baden gehört hat.» Noch hätten aber nicht alle Badener die Ausstellung besucht. «Ich wünsche mir noch mehr Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrem Museum, die Verankerung in der Stadtbevölkerung soll in Zukunft noch stärker werden», sagt Carol Nater Cartier. Das brauche aber seine Zeit und viele Gespräche und Bemühungen. Ausserhalb der Stadt wahrgenommen zu werden, sei noch schwieriger, hierfür müsse man «sehr laut schreien».

Die Ausstellung läuft noch bis 25. Januar. Morgen Mittwoch um 18.15 Uhr findet die Veranstaltung «Diplomatie im Gespräch» statt – mit hochkarätigen Gästen, kündigt Nater Cartier an: Es diskutieren unter anderen Walter Thurnherr, Generalsekretär von Bundesrätin Doris Leuthard, sowie Autor und Alt-Botschafter Paul Widmer die Frage, was eine gelungene Verhandlung ausmacht. Moderiert wird die Veranstaltung von einer professionellen Mediatorin. Die Veranstaltung weise einen «starken Gegenwartsbezug auf, sei gerade für die Badener Politik hochaktuell», sagt die Museumsleiterin. Bereits laufen die Vorbereitungen für die kommenden Projekte: Bald startet der Umbau des «Melonenschnitzes», wo Ende Jahr die Dauerausstellung unter dem Motto «Baden als Kommunikationsort» startet.

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