Baden
Vandalen zerstören einen Kindergrabstein

Anwohner machen sich Sorgen, denn von einem besonders schön gestalteten Kindergrabstein auf dem Badener Stadtfriedhof ist nichts mehr als der Sockel übrig. Nun ist klar: Dem Grabstein wurde der Kopf abgeschlagen.

Andreas Fahrländer
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Im Frühling sollte das Grabmal wieder auf dem alten Stadtfriedhof stehen.

Im Frühling sollte das Grabmal wieder auf dem alten Stadtfriedhof stehen.

AZ/Archiv

Auf dem alten Badener Stadtfriedhof verschwand im letzten Herbst das Grabmal eines Kindes. Der ehemalige Friedhof an der Bruggerstrasse ist heute eine grüne Oase im Martinsbergquartier, inklusive Kinderspielplatz. Seit der Eröffnung des Friedhofs Liebenfels 1949 gibt es hier keine neuen Grabfelder mehr. Rund 20 Grabstätten sind aber erhalten, entweder weil es noch intakte Familiengräber sind oder wegen ihres hohen denkmalpflegerischen Werts. Eines dieser Denkmäler war ein besonders schön gestalteter Kindergrabstein.

War es Diebstahl?

Besorgte Anwohner der Parkanlage meldeten sich bei der «Schweiz am Wochenende», dass von dieser Figur nichts mehr als der Sockel übrig sei. In einem Brief schreiben sie: «Das Verschwinden wirft Fragen auf: Was ist passiert, warum wurde sie weggetragen, entwendet, wer kann sich damit erfreuen?» Die Nächte seien dunkel im Friedhofpark. Der leere Sockel warte auf die Rückkehr seines kleinen Partners. «Hat da jemand vergessen, dass das kleine Grabmal die Geschichte eines Menschen in sich trägt – einem Kind zugedacht war?», heisst es in dem Brief weiter.

Auf Nachfrage sagen die Anwohner, es tue ihnen weh, jeden Tag auf den leeren Sockel zu schauen. Dem Werkhof, der den alten Friedhof pflege, könne man sicher keinen Vorwurf machen. Der Park sei stets perfekt gepflegt. Aber es würden hier am Wochenende manchmal Feste gefeiert, die vermuten liessen, dass die Statue zerstört wurde.

Thomas Stirnemann, Leiter des städtischen Werkhofs, bestätigt die Vermutung: «Dem Kindergrabstein wurde der Kopf abgeschlagen.» Aber er gibt auch Entwarnung. Die Figur wurde nicht gestohlen, sondern von seinen Mitarbeitern entfernt und restauriert. Im Frühling, sobald das Wetter besser wird, werde die Figur wieder aufgestellt. Nachdem, was passiert ist, habe er einige Bedenken, sie wieder an ihrem alten Platz auf den Sockel zu stellen. Aber das Risiko müsse man wohl eingehen.

Ein Badener Bildhauer schuf die Figur

Bei der Restaurierung habe man auch etwas mehr über die Skulptur erfahren, sagt Stirnemann. Der Badener Bildhauer Adolf Fugazza schuf den Stein 1936, der die Inschrift «Unserem lieben Andresli» trägt. Das Kind müsse damals kurz nach der Geburt verstorben sein.

Thomas Stirnemann sagt, man habe die Angehörigen des verstorbenen Kindes ermitteln können und informiert. Er sei guten Mutes, dass die Kinderfigur nun wieder mit Würde behandelt werde. «Und bis im Frühjahr steht der Grabstein wohlbehütet bei uns im Trockenen.»

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