Baden-Balladen

Usbräche

Das Bezirksgefängnis Baden: Am frühen Morgen des 19. Juli 2016 sind die Spuren des Ausbruchs noch zu sehen: Die rumänischen Häftlinge seilten sich ab.

Das Bezirksgefängnis Baden: Am frühen Morgen des 19. Juli 2016 sind die Spuren des Ausbruchs noch zu sehen: Die rumänischen Häftlinge seilten sich ab.

Die neue Kolumne von Spoken-Word-Poet Simon Libsig (38) ist eine Gefängnisballade.

Bade, du bedütisch mer nüt meh, ich muess wäg,
mer müend eus tränne,
drum chnüpf ich jetzt
mis Duvet und mis Bettzüg zäme,
und nimm’s mit uf de Wäg,
übers Dachgschoss, und verbi a durtrännte Gitterstäb,
und hänk das Züg d’Fassade derab,
es längt! Ich seil mech ab us däre fade Stadt...

Es stoht i vellne vo mine Büecher,
zum frei si, brucht’s amigs nöd meh als es paar Lintüecher,
und en guete Doppelchnopf.
Weme’s gnueg fescht wott im Chopf,
und au s’Herz mitmacht,
dänn schafft mers usem Kerker znacht.
Usem Dunkle is Helle,
mech dunkt’s, das hämmer no alli welle.
Alli simmer irgendwie akettet,
und s’isch oft nur d’Hoffnig uf Befreiig,
wo eus dur de Tag rettet.

De eint getraut sech öppis nöd z’säge, us Angscht vor Spott,
de ander führt nöd das Läbe, won er eigentlich wott.
Sie belügt sech sälber, und lätschet znacht im Bett,
die ander verlürt sech us de Auge, will sie’s allne rächt mache wett.

Er hät de Kontakt zu sim Sohn abbroche,
sie het sech nackt no meh Lohn versproche,
de eint het kei Kollege, will er nurno wienen Pickte schafft,
de ander het nur Kollege, will er mit’ne Droge spickt und pafft,
sie wär immer gärn Mami worde, das hät sie scho jung gseit,
und er macht sech chrankhaft Sorge wäge sinere Gsundheit...

Ich wette, dass de Mänsch scho sit de Urziit,
i dicke Chette hinder Muure liit,
und verstaubt,
imene Gfängnis won er immer weder sälber baut.

Wer hets verdient? Und wer nöd?
Das chönt me jetzt no lang hintersinne,
ich weiss nur, Bade loht sini Gfangene springe...

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