Kantonsspital Baden

«Unterbruch hat positiven Aspekt»

Wird vorläufig nicht erneuert

Kantonsspital Baden

Wird vorläufig nicht erneuert

Der CEO des Kantonsspitals Baden, Dieter Keusch, kann dem Erneuerungsstopp auch Positives abgewinnen. Er hofft, dass jetzt ein Neubau kommt. Das wäre die beste Lösung, sagt Keusch.

Das Kantonsspital Baden (KSB) ist dringend sanierungsbedürftig. Jetzt hat der Regierungsrat das Projekt für die Planung der Erneuerung auf Eis gelegt. Ein Hauptgrund: Die Kosten drohen aus dem Ruder zu laufen. Statt der im Vorprojekt geschätzten 330 Millionen Franken zeichnen sich heute Sanierungskosten in der Höhe von bis zu 500 Millionen Franken ab. Mitte 2011 soll entschieden werden, ob die Gesamtsanierung weiterverfolgt oder gar ein Neubau anvisiert werden soll.

Zückerchen Neubau-Option

Beim KSB nimmt man die vom Regierungsrat beschlossene Zwangspause gut auf: «Wir sind uns Unterbrüche gewohnt. Diesmal hat der Unterbruch aber einen durchaus positiven Aspekt», sagt KSB-CEO Dieter Keusch, und spricht damit die Option Neubau an: «Ich bin überzeugt, dass ein Neubau für Baden die beste Lösung wäre.» Der Verwaltungsrat und die Spitalleitung stünden geschlossen hinter diesem Entscheid.

«Wichtig ist, dass jetzt während der Denkpause zur Vorbereitung der kantonalen Rahmenbedingungen die stark gewachsenen Leistungen des KSB und das Bevölkerungswachstum der Region Baden mitberücksichtigt werden», sagt Keusch. Es sei aber wichtig, dass der Entscheid im nächsten Jahr wirklich falle.

Auch Yvonne Biri, Pflegedirektorin am KSB, ist froh, dass die Variante Neubau in Betracht gezogen wird. Die Umbaupläne hätten im wahrsten Sinne des Wortes für Kopfschmerzen gesorgt: «Bei einer Gesamterneuerung des Spitals wären wir über lange Zeit in hohem Masse Lärm ausgesetzt.» Das wäre nicht nur für die Patienten, sondern auch für das Personal eine untragbare Si-
tuation. Bei Lärmemissionen würde sich ausserdem die sonst schon beschwerliche Personalsuche zusätzlich schwierig gestalten, befürchtet Biri. Doch nicht nur das: «Ich bin sicher, dass wir Leute verlieren würden. Ein Neubau wäre patienten- und personalfreundlicher.»

Jürg H. Beer, Chefarzt Innere Medizin am KSB, stimmt Biri zu. «Man stelle sich vor: Ich versuche mit dem Stethoskop das Herzgeräusch eines Herzinfarktpatienten abzuhören und nebenan rumort der Presslufthammer», sagt Beer. «Ich kann mir nicht vorstellen, bis zu meiner Pensionierung Bohrlärm zu hören.» Für Beer ist ein Neubau das einzig Richtige. Doch nicht nur des Lärmes wegen: Das KSB platze bei wachsender Bevölkerung aus allen Nähten.

«Schlechte strategische Planung»

Nicht nur KSB-intern erhält die Neubau-Option grosses Echo: «Den Spitalbetrieb auf einer Baustelle aufrechtzuerhalten, ist eine ziemliche Belastung», sagt Alfred Zimmermann, Direktor des Spitals Leuggern. Für ihn ist deshalb ein Neubau einer Gesamterneuerung klar vorziehen.

Für den Projektstopp hat Zimmermann in Anbetracht dieser Ausgangslage volles Verständnis: «Man darf kein Spital bauen, welches nach Fertigstellung nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht.» Dass der Regierungsrat deshalb die aktuelle Entwicklung im Gesundheitswesen sowie die heutigen Bedürfnisse als Grundlagen berücksichtigen wolle, hält Zimmermann für weitsichtig und wichtig. Trotzdem hofft Zimmermann, dass die Anpassung an die heutigen Bedürfnisse keinen Zusammenschluss der Kantonsspitäler Baden und Aarau – und damit den Bau eines Riesen-Spitals – bedeute. «Ich bin davon überzeugt: je kleiner ein Spital, desto effizienter.»

Kritisch zum Entscheid des Regierungsrates äussert sich einzig Oskar Matter, Verwaltungsrats-Vizepräsident der RehaClinic in Zurzach: «Man kann doch nicht über Jahre etwas planen, einen Projektkredit sprechen und dann das Ganze auf Eis legen. Das ist eine schlechte strategische Planung.» Gemäss Matter komme man an einer Sanierung nicht vorbei. Doch auch er ist der Meinung: «Noch besser wäre ein Neubau.»Seite 27

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