Traditionsbruch

Unmut vor Wettiger Fäscht: Erstmals Entschädigung für ein OK-Mitglied

Neu erhält die Rathausbühne am «Wettiger Fäscht» 1000 Franken weniger, diese werden für die Entschädigung eines OK-Mitglieds eingesetzt. (Archiv)

Neu erhält die Rathausbühne am «Wettiger Fäscht» 1000 Franken weniger, diese werden für die Entschädigung eines OK-Mitglieds eingesetzt. (Archiv)

Es ist ein Traditionsbruch: Erstmals soll ein neues Mitglied eines Fest-OK des Wettiger Fäschts eine pauschale Entschädigung erhalten. Das sorgt für kritische Stimmen in der Bevölkerung und bei Vereinen.

Seit zwei Wochen ist das neunköpfige Organisationskomitee des «Wettiger Fäscht» wieder komplett. Bruno Schmid ersetzt den langjährigen Unterhaltungschef Jacky Schneider. Dieser musste sich aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig zurückziehen.

Doch Feststimmung will keine aufkommen: Dem Badener Tagblatt liegt eine interne Mitteilung vor, aus der hervorgeht, dass Schmid als einziges OK-Mitglied eine pauschale Entschädigung für seine Tätigkeit erhalten soll. Für das Jahr 2015 beläuft sich diese auf 1000 Franken, für die kommenden zwei Jahre soll sie jedoch auf 2000 Franken verdoppelt werden.

Dies sorgt für Unmut in der Bevölkerung. Auch bei verschiedenen grösseren, beteiligten Vereinen sind kritische Stimmen zu hören. Konkret Stellung beziehen möchte kurz vor dem Fest jedoch niemand.

«Ein saurer Apfel für uns»

Gemäss der internen Mitteilung «widerspricht eine pauschale Entschädigung dem Grundgedanken des Organisationskomitees». Hanspeter Odermatt, OK-Präsident am diesjährigen «Wettiger Fäscht», sagt: «Wir mussten für diesen Entscheid in den sauren Apfel beissen», da Bruno Schmid auf den 1000 Franken beharrt habe.

«Es ist aber ein klarer Bruch mit unseren Traditionen», räumt er weiter ein. Der Entscheid sei mit sechs zu drei Stimmen auch unüblich knapp ausgefallen. Dazu habe sicherlich beigetragen, dass Jacky Schneider, Schmids Vorgänger, jeweils auf die Sitzungsgelder verzichtete.

Kurzfristiger Ersatz

Hanspeter Odermatt rechtfertigt den Entscheid: «Wir mussten kurzfristig einen kompetenten Ersatz finden. Dies ist heutzutage für ein Ehrenamt sehr schwierig.» Schmid habe sich erst nach einiger Überzeugungsarbeit dazu bereit erklärt. Mit ihm habe man jedoch einen kompetenten Animator gefunden.

Die Diskussion über die Höhe der Entschädigung versteht Odermatt nicht: «Alle OK-Mitglieder erhalten einen Betrag für ihre Teilnahme an den Sitzungen.»

Er selbst erhalte etwas weniger als 1000 Franken. Würde auch Bruno Schmid Sitzungsgelder statt einer pauschalen Entschädigung erhalten, würden sich diese auf ungefähr die Hälfte des nun vereinbarten Betrages belaufen. Und doch: Da es sich beim «Wettiger Fäscht»-OK um eine gemeinderätliche Kommission handelt, belasten die Sitzungsgelder das Festbudget nicht.

«Die neue Entschädigung für Schmid hingegen wird direkt vom Unterhaltungsbudget für die Bühne auf dem Rathaus abgezogen», erklärt OK-Mitglied Urs Blickenstorfer. Und dieses sei ohnehin bereits ziemlich ausgereizt.

Wo der Betrag bei einem Unterhaltungsbudget von knapp 30 000 Franken fehlen wird, könne man noch nicht genau sagen. Trotzdem: Einige Vereine sind mit der pauschalen Entschädigung nicht einverstanden, da sie diese durch ihre Umsatzabgaben finanzieren müssen.

Die 1000 Franken für das laufende Jahr sind fix, ein Engagement Schmids für die nächsten ein bis zwei Jahre, wie es in der Mitteilung heisst, sei noch nicht definitiv.

«Wir müssen das nach dem Fest nochmals ausführlich diskutieren», sagt Odermatt. Die Entschädigung würde sich dann auf 2000 Franken und somit etwa ein Vierfaches der eigentlichen Sitzungsgelder belaufen und das Unterhaltungsbudget weiter belasten.

Gemäss Odermatt sei es unüblich, dass sich ein Mitglied nur für zwei bis drei Jahre einspannen lässt, er zeigt jedoch beim 72-jährigen Schmid Verständnis dafür.

Bruno Schmid wollte gegenüber dem Badener Tagblatt keine Stellungnahme abgeben. Er sehe nicht ein, weshalb seine Entschädigung für die Öffentlichkeit interessant sein könnte.

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