Tierschicksale

Und zuletzt wartet dann die Spritze

Bei Marlies Widmer (links) und Conny Scherrer fühlt sich Bomo wohl, doch können sich die beiden nicht die ganze Zeit um sie kümmern.

Pitbull

Bei Marlies Widmer (links) und Conny Scherrer fühlt sich Bomo wohl, doch können sich die beiden nicht die ganze Zeit um sie kümmern.

Das exemplarische Schicksal von Pitbull-Mischlingshündin Bomo - sie braucht einen Platz, weil sie im Tierheim unter Stress leidet. Ein Hintergrund zur Kampfhunde-Debatte.

Im Dezember 2005 hat der «Blick» nach dem tragischen Vorfall in Oberglatt eine Medienhetze auf eine Hunderasse lanciert, unter der heute viele Hunde leiden. So auch Bomo.
Bomo hat noch nicht viel Gutes erlebt. Die elegante Pitbull-Mischlingshündin stammt laut Chip aus Frankreich, ist nach Zürich und dann einjährig wegen des Rasseverbots in falsche Hände gelangt. «Das bestätigt leider das Cliché dieser Hunde», sagt Marlis Widmer, Geschäftsführerin des aargauischen Tierschutzvereins. Bomo war in der Wohnung auf engem Raum angebunden, sodass sie sich kaum wenden konnte. «Aufgrund der langen Krallen lässt sich schliessen, dass sie sehr wenig Auslauf hatte», stellte Conny Scherrer, Tierheimleiterin, fest. Die Polizei hat die Hündin beschlagnahmt, der Veterinärdienst die Verzichtserklärung erwirkt. Nun wird für Bomo dringend ein Pflegeplatz oder ein Zuhause für immer gesucht.

Pitbulls, eine anspruchsvolle Rasse

«Ich will diese anspruchsvolle Rasse zwar nicht verherrlichen», sagt Marlies Widmer. Doch es sei ein Lebewesen mit all seinen Gefühlen. Wenn auch über Bomos Vorgeschichte wenig bekannt ist, so schliesst man, dass die Hündin viel allein war und körperlich wie geistig wenig bis gar nicht gefördert wurde. Dass sie sehr menschenbezogen ist, erfährt der Besucher sofort. Sie ist freundlich, etwas ungestüm, kann aber ihr Temperament rasch wieder zügeln. Sie sei aber auch sehr sensibel, weiss Scherrer. «Bomo braucht eine Bezugsperson, bei der sie den Grossteil der Zeit verbringen und Vertrauen fassen kann.» Gespür für die aktive Hündin wird vorausgesetzt. «Sie hat eine zweite Chance verdient», sagt Widmer. Doch die 3-jährige Bomo wird nur an Leute über 25 mit einwandfreiem Leumund abgegeben. Sie braucht weitere Erziehung.

Stress im Tierheim

«Speziell solche Hunde leiden im Tierheim unter hohem Stress», erklärt Widmer. Bomo wird separat gehalten, wenn im Rudel, dann nur mit Maulkorb, weil man nichts riskieren will. «Doch sie ist sehr lernwillig.» Widmer ist überzeugt, dass sich Bomo in den richtigen Händen zu einer zufriedenen, anpassungsfähigen Hündin entwickeln werde
Es seien Hunde, die sich schlecht an seriöse Orte vermitteln lassen, weiss Widmer: «Und im Tierheim sind sie fast wie lebendig begraben.» Kann man sie nicht vermitteln, so bedeutet letztlich die tödliche Spritze für sie die Erlösung von weiterem Leiden. Tierheimleuten fallen solche Entscheide jeweils schwer, zumal sie nicht nötig wären.
Nebst Zürich haben weitere Kantone eine Liste verbotener Hunde. Das aargauische Hundegesetz sieht lediglich eine Bewilligungspflicht vor. Schliesslich ist es mit solchen Hunden wie bei einem 250PS starken Sportwagen: Für andere Menschen (und Hunde) werden sie nur zur Gefahr, wenn sie in den Besitz der falschen Menschen gelangen.

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