Lucie-Prozess

Und plötzlich wird es im Saal ganz still

Die Journalisten begeben sich ins Gemeindehaus. Drinnen darf nicht fotografiert werden.

Die Journalisten begeben sich ins Gemeindehaus. Drinnen darf nicht fotografiert werden.

Besucher des Prozesses in Untersiggenthal und Freunde der ermordeten Lucie Trezzini schildern der az ihre Eindrücke. Sie beschreiben den Angeklagten Daniel H. als kühl und emotionslos.

Eigentlich hätten die Türen zum Gemeindesaal um 8.10 Uhr schliessen sollen. Eigentlich. Der Andrang - alleine über 50 Journalisten strömen in den Gemeindesaal von Untersiggenthal - ist so gross, dass der Prozess gegen den Mörder von Lucie Trezzini erst mit gut einer halben Stunde Verspätung beginnen kann.

Freunde der Familie Trezzini und rund zwei Dutzend Besucher haben in den hinteren Reihen Platz genommen. Gleich hinter den Journalisten sitzen die Gasteltern, bei denen Lucie vor drei Jahren in Pfäffikon gewohnt hatte. Die Anspannung ist den beiden deutlich anzusehen.

Als Daniel H. den Saal betritt und auf seinem Stuhl Platz nimmt, atmet der Gastvater tief durch und greift nach der Hand seiner Frau, um ihr Kraft zu spenden. Immer wieder blickt der Gastvater zu Daniel H., als wolle er begreifen, wie dieser Mann zu einer solch schrecklichen Tat fähig war.

Weinende Gastmutter verlässt Saal

Als Daniel H. - vom Gerichtspräsidenten befragt - beginnt, Details seiner Tat zu schildern, wird es der Gastmutter zu viel. Erst hält sie sich noch die Ohren zu, dann verlässt sie unter Tränen und Schluchzen den Saal, begleitet von ihrem Mann. Auch andere aus der Westschweiz angereiste Freunde haben Tränen in den Augen, als sie sich die übersetzten Details des Tathergangs anhören müssen.

Dann endlich um 12.30 Uhr verkündet der Gerichtspräsident die zweistündige Mittagspause. Besucher und Freunde der Familie schildern gegenüber der az ihre Eindrücke. Stephanie, Anthony und Frédéric, drei Freunde Lucies aus Fribourg, kämpfen mit der Stimme. «Es war unerträglich, die Details der Tat hören zu müssen», sagt Stephanie. Hass empfinde sie gegenüber Daniel H. nicht, viel eher Mitleid.

Anthony ergänzt: «Den Mörder von Lucie zu sehen, war sehr unheimlich, zumal er so kalt und emotionslos gewirkt hat.» Am meisten macht den drei Freunden zu schaffen, dass Daniel H. der Letzte war, der Lucie lebend gesehen habe und der die Wahrheit über ihren Tod wisse. «Wir haben das Gefühl, dass er nicht die Wahrheit sagt.»

Anderer Meinung ist eine Freundin der Gastfamilie. «Ich habe den Eindruck, dass Daniel H. die Wahrheit sagt. Wobei er sich ganz offensichtlich selbst nicht im Klaren ist, wie und weshalb es zu dieser schrecklichen Tat kommen konnte.»

«Berechnend, kühl, hart»

Aus Erlinsbach (AG) ist Rentner Romano Foi zusammen mit zwei Freunden angereist. Sie sind sich einig: «Daniel H. wirkt extrem berechnend, kühl und auch hart.» Dass der Täter die Wahrheit sagt, glauben die drei nicht; es gebe zu viele Widersprüche.

Es sei schon unheimlich, den Mann zu sehen und zu wissen, dass er die junge Lucie auf dem Gewissen habe, sagt Foi. «Einmal mehr zeigt sich: Man sieht nur an einen Menschen heran, nie aber in ihn hinein. Ich hoffe, er wird lebenslänglich verwahrt.»

Meistgesehen

Artboard 1