Kaffee trinken, Zähne putzen – und ab in den Stau: Wartezeiten auf den Strassen in und um Baden gehören für Pendler zum ganz normalen Alltag. Viele hoffen, dass der Verkehr ab Sommer wieder flüssiger fliesst, wenn die neue Schulhausplatzkreuzung eröffnet wird. Langfristig aber ist eine Zunahme des Verkehrs wahrscheinlich, weil die Bevölkerungszahl steigen wird. Eine der wichtigsten Fragen, auf welche die Politik in den nächsten Jahren Antworten finden muss, lautet darum: Wie kann und soll Baden den Verkehr bewältigen?

Anteil der Autos soll sinken

Die SP Baden reichte dazu diesen Sommer eine Initiative ein. Ihr Vorschlag: Der Bus-, Velo- und Fussverkehr müsse gefördert werden. Der Stadtrat hat auf die Initiative reagiert und ein Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität verfasst. Darin berücksichtigt er die Ideen der SP mehrheitlich. Darüber hinaus will die Stadt Massnahmen ergreifen, um den Anteil des motorisierten Individualverkehrs am Gesamtverkehr auf dem Stadtgebiet bis 2028 um zehn Prozent zu reduzieren. Das Konzept für die Mobilität der Zukunft ist umstritten: Wenn heute Dienstagabend im Einwohnerrat darüber abgestimmt wird, könnte es wie so oft in den vergangenen vier Jahren zu einem Duell zwischen dem Bürgerblock und den links-grünen Ratsmitgliedern kommen.

Die SP kündigt an, sich für eine Annahme des Reglements einzusetzen – obschon nicht alle Ideen der Initiative eingeflossen sind. «Das vorliegende Reglement zeigt auf, wie die Stadt Baden strategisch handeln und welche Massnahmen sie für eine nachhaltige Mobilität ergreifen will.» Team und Grüne haben keine öffentliche Stellungnahme abgegeben, aber alles andere als eine Zustimmung wäre überraschend.

«Ein Schnellschuss»

Die bürgerlichen Parteien hingegen können sich mit dem Reglement nicht anfreunden. Die SVP will es zur Überarbeitung zurückweisen. Baden müsse sich zweifellos Gedanken über die künftige Verkehrssituation machen. «Klar ist auch, dass die Situation für den Fahrrad- und Fussgängerverkehr partiell verbessert werden muss», sagt Fraktionspräsident Daniel Glanzmann. Die SVP befürchtet aber, dass das Konzept negative Folgen für die Stadt haben könnte. «Vor allem Läden und Gastrobetriebe wären von den Auswirkungen der neuen Bestimmungen betroffen.»

Die Citycom, Vereinigung der Detaillisten, kritisiert in einem offenen Brief an den Stadtrat, das Reglement fördere alle anderen Verkehrsteilnehmer zulasten des Autos. Das Gewerbe der Innenstadt sei aber darauf angewiesen, für Kunden mit allen Verkehrsmitteln erreichbar zu bleiben. Einwohnerrat Glanzmann: «Wir waren überrascht, dass es zur Ausarbeitung dieses wegweisenden Reglements keine Vernehmlassung gab. Viele der Ladenchefs und Mitarbeiter wohnen in anderen Gemeinden und konnten ihre Meinung gar nicht einbringen. Darum schlagen wir vor, das Reglement zurückzuweisen, sodass der Stadtrat doch noch eine Vernehmlassung durchführen kann.» Nach Abschluss der Vernehmlassung und allfälligen Anpassungen soll das Verkehrskonzept im Einwohnerrat erneut behandelt werden.