Die letzten Jahre der Badener Politik waren geprägt vom Graben zwischen den links-grünen und den bürgerlichen Parteien. Besonders wahrnehmbar waren die Differenzen bei der Diskussion um die provisorische Velostation beim Bahnhof, für die der Einwohnerrat – in Abwesenheit einiger bürgerlicher Parlamentarier – einen Kredit von 830'000 Franken sprach.

Als «links-grünes» Prestigeprojekt wurden die 177 überdachten Veloparkplätze danach von den Gegnern verschrien, während die Befürworter von einem längst notwendigen Bau sprachen. Zu reden gaben die Kosten, die aus Sicht der Kritiker viel zu hoch ausfielen.

Vor drei Jahren wurde die Velostation in Betrieb genommen, nun liegt die Baukreditabrechnung vor: Sie dürfte bei den Gegnern erneut für Kopfschütteln sorgen. Die Kosten belaufen sich brutto auf 885'930 Franken, der Kredit wurde somit um 55'000 Franken beziehungsweise 6,74 Prozent überschritten. «Die Genauigkeit der Kostenschätzung von plus/minus 20 Prozent wurde somit trotz der Mehrkosten eingehalten», schreibt der Stadtrat.

Netto fallen die Kosten rund 200'000 Franken tiefer aus, weil der Kanton Aargau das Projekt mit einem Beitrag in dieser Höhe subventionierte und auch die SBB noch einen vierstelligen Betrag beisteuerte.

Velo- statt Autoparkplätze

Doppelt schmerzhaft für manch bürgerlichen Gegner der Velostation: Als wäre es nicht schon ärgerlich genug, dass den Veloparkplätzen einige Autoparkplätze zum Opfer fielen, wird die Velostation aus dem Fonds für nicht erstellte Autoparkplätze finanziert.

Der Stadtrat listet in der Abrechnung die Gründe für die Mehrkosten auf. Aus technischen und qualitativen Gründen hätten verschiedene Mehrleistungen erbracht werden müssen. Gebaut werden musste beispielsweise ein zusätzlicher Sickerschacht, als Auflage bei der Baubewilligung nach einem geologischen Gutachten.

Erstellt wurde zudem ein dickerer Deckbelag für den Boden der Velostation sowie eine «umfassendere Signaletik». Überdies wurde zugunsten der Sicherheit die Beleuchtung optimiert, und während der Bauarbeiten waren zusätzliche Sicherheitsmassnahmen für die angrenzende Busrampe nötig.

Was ebenfalls für Irritationen sorgt, sind die hohen Preise der Velostation. Ein Standplatz kostet 150 Franken im Jahr. Damit gehört die Badener Station zu den teuersten der Schweiz. Am Bahnhof Stein-Säckingen etwa gibt es das gleiche Angebot für 30 Franken im Jahr. Die Station in Baden ist oft nur sehr schlecht ausgelastet.

Stadtammann Markus Schneider (CVP) sagt dazu: «Ich finde den Preis nicht überrissen.» Vielmehr sei es eine Einstellungssache, ob man für einen Veloabstellplatz überhaupt Geld ausgeben wolle. In den letzten Monaten gab es die Jahreskarte nämlich zum halben Preis – das habe auch nicht mehr Velofahrer motiviert, die Station zu nutzen.