Der Preiszerfall am internationalen Rohölmarkt macht sich nun auch – wenn auch mit Verzögerung – an den Zapfsäulen bemerkbar. Zahlte man im Oktober für einen Liter Benzin Bleifrei 95 im Durchschnitt noch 1.73 Franken, sind es heute im Schnitt 1.57 Franken.

Doch wer nun glaubt, die sinkenden Preise würden den Konkurrenzkampf unter den einzelnen Tankstellen-Betreibern ankurbeln, sieht sich getäuscht. Die Redaktion hat gestern Nachmittag die Preise von 19 Tankstellen in Baden, Nussbaumen, Wettingen und Neuenhof unter die Lupe genommen. Fazit: Ausgenommen von den deutlich tieferen Preisen in Nussbaumen unterscheiden sich die Preise für einen Liter Bleifrei 95 kaum.

Die Kleinen sind am günstigsten

Zehn Tankstellen gaben den Preis gestern Nachmittag mit 1.57 Franken an. Etwas teurer als die Konkurrenz ist einzig die Tamoil-Tankstelle Ausgang Wettingen (16) mit einem Literpreis von 1.575 Franken. Etwas günstiger hingegen sind die beiden Zapfsäulen von «Oil! Tank&Go» in Dättwil (5) und beim Bahnhof Wettingen (9) mit einem Literpreis von 1.56 Franken. Am günstigsten tankt man rund um Baden bei den drei kleineren Anbietern «Ruedi Rüssel» in Neuenhof (11) und Garage Mario Scacchi (8) in Baden (1.55 Franken) und am billigsten bei der Ruedi Tinner AG im Kappelerhof (1.545 Franken).

Dass die Preise kaum variieren, kommt zwar nicht völlig überraschend. Und doch fragt man sich: Wie ist es möglich, dass so viele Tankstellen fast auf den Rappen die gleichen Preise anbieten. Sind da gar Preisabsprachen im Spiel? Michael Möckli verneint. Der Ostschweizer ist ein Kenner des Markts, betreibt er doch seit 2005 die Internetseite benzin-preis.ch, auf der Privatpersonen ihre bezahlten Preise mit zugehöriger Tankstelle publizieren. «Da sind ganz sicher keine Preisabsprachen im Spiel», hält Möckli fest. Die Sache sei viel einfacher: «Jeder Tankstellenbetreiber hat die Übersicht über das Angebot seiner Konkurrenten und meldet Preisänderungen sofort der Zentrale», so Möckli. Dies geschehe in der Regel einmal, höchstens zweimal pro Tag. «Preisschwankungen innerhalb eines Tages sind eher die Ausnahme.» Möckli glaubt nicht, dass der momentane Durchschnittspreis von 1.57 Franken in absehbarer Zeit unter die Grenze von 1.50 Franken sinken wird. «Das ist für mich eine magische Grenze».

Auch Roland Bilang, Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung, stellt Preisabsprachen klar in Abrede: «Die Preise sind fast identisch, weil alle Anbieter das Benzin vom gleichen Markt beziehen und dieser nur sehr wenig Spielraum zulässt.» Hinzu kämen noch die fixen staatlichen Abgaben von fast 90 Rappen pro Liter. «Mehr als die Hälfte des Benzinpreises ist von Tankstellenbetreibern also nicht beeinflussbar», so Bilang. Das sei auch der Grund, weshalb Benzinpreise weniger stark auf Schwankungen reagieren als etwa das Heizöl.