Günstigen Wohnraum schaffen. So einfach lautet das Ziel von Wohnbaugenossenschaften. Denn diese wollen mit ihren Liegenschaften keinen Profit erwirtschaften. Die Bewohnerinnen und Bewohner profitieren deshalb von tieferen Mietzinsen als im übrigen Wohnungsmarkt. Die Kostenmiete deckt sich mit dem Betrag, den die Genossenschaft für die Wohnung investieren muss. Nur, wie viel darf so eine Genossenschaftswohnung kosten, um noch gemeinnützig zu sein?

Auch «Lägern Wohnen», die grösste Bau- und Siedlungsgenossenschaft im Kanton Aargau, möchte finanziell tragbare Wohnungen auf den Markt stellen. Das Ermöglichen von günstigem Wohnraum für finanziell schwächer Gestellte bezeichnet die Genossenschaft auf ihrer Website als ihren «gemeinnützigen Auftrag». Für die Stadt Baden, in der günstiger Wohnraum per se schon sehr knapp ist, klingt die Idee der Genossenschaft vielversprechend. Doch dann die Überraschung: Viele Wohnungen kosten über 2200 Franken im Monat.

Bei den Wohnungen handelt es sich vor allem um Neubauten. So beispielsweise an der Allmendstrasse und an der Gartenstrasse in Baden oder im Neufeld in Wettingen. Weitere Projekte hat die Genossenschaft ebenfalls bereits in Planung: So sollen etwa die alten Wohnungen im Quartier Klosterbrühl in Wettingen demnächst 222 neuen Wohnungen weichen. Seit einem Jahr steht das Projekt aber still: «Eine Beschwerde von Anwohnern ist noch immer beim Baudepartement hängig», sagt Bürgi. Klappe aber alles wie geplant, soll die erste Bauetappe im Jahr 2021 erfolgen. Voraussichtlicher Kostenpunkt des Megaprojekts: rund 100 Millionen Franken. Beim Projekt «Ifang» im Kappelerhof ist der Gestaltungsplan seit einem Monat rechtskräftig. Auch auf dem Areal Weiermatt in Lupfig ist eine weitere «Lägern»-Siedlung geplant. Müssen zukünftige Bewohner nun auch dort mit höheren Mietpreisen rechnen?

Die meisten der teureren Wohnungen finden sich an der Allmendstrasse in Baden. Die 2013 fertiggestellte Siedlung liegt direkt am Waldrand, alle 35 Wohnungen haben Parkettböden und sind sehr geräumig. Die Wohnungen bieten viel. Dass knapp die Hälfte dieser Wohnungen über 2200 Franken kosten, die restlichen ab 1500 Franken aufwärts, lässt trotzdem stutzen. Ist das die Vorstellung der Genossenschaft von «günstigem Wohnraum»?

Patrick Bürgi, Präsident der Genossenschaft, erklärt: «Es handelt sich um Neubauten. Unsere Ausgaben dafür müssen wir mit den Einnahmen aus den Mieten decken, um den gesunden Fortbestand unserer Genossenschaft zu sichern.» Die alten Gebäude hätten nach 70 Jahren ihre Lebensdauer erreicht. Für den Neubau an der Allmendstrasse habe man sich bewusst entschieden und damit die höheren Mietkosten in Kauf genommen. «Wir wägen immer ab, welche Liegenschaften für weitere 30 Jahre fit gemacht werden und wo ein Ersatzneubau realisiert werden muss», sagt Bürgi. «Würden wir immer nur instandsetzen, hätten wir in 30 Jahren das Problem, dass wir dann eine Vielzahl von Wohnungen auf einen Schlag ersetzen müssten.» Eine Genossenschaft könne schliesslich nicht billiger bauen als andere Firmen. Bürgi relativiert zudem: «Weil wir auf die Mietzinsaufschläge bei Wiedervermietung verzichten, werden die Wohnungen in ein paar Jahren noch günstiger auf dem Markt liegen.» Im Vergleich mit anderen Wohnungen im selben Segment sei das Angebot von «Lägern Wohnen» laut Bürgi immer noch bis zu 15 Prozent günstiger.

Die grösste Wohnung der Genossenschaft, eine Attika-Wohnung in Wettingen mit einer Grösse von 163 Quadratmetern, kostet weit über 2200 Franken. Die Kleinste hingegen, ein 19 Quadratmeter grosses Dachzimmer in Neuenhof, weniger als 700 Franken. Von insgesamt 917 Wohnungen, die der Genossenschaft gehören, kosten 507 Wohnungen unter 1200 Franken, 230 Wohnungen unter 950 Franken. «Ich bin überzeugt, dass wir unsere Aufgabe trotz den wenigen, etwas teureren Wohnungen, wahrnehmen», sagt der Präsident. Man müsse das gesamte Portfolio betrachten und nicht nur einzelne Siedlungen, die zudem auch die neusten seien.