Die Villa Schnebli gibt es nicht mehr. Das grossbürgerliche Haus der Biscuit-Dynastie Schnebli an der Badener Haselstrasse ist in den letzten zwei Wochen abgerissen worden. Zuerst deckten die Arbeiter das Ziegeldach ab, dann wurde das Haus aus dem Jahr 1909 entkernt, und schliesslich fielen auch die dicken Bruchsteinmauern.

Jetzt klafft eine Lücke neben dem Kulturhaus Royal. Es entstehen eine Baustellenzufahrt und später eine Anlieferungszone zur geplanten Shopping-Mall im umgebauten Postareal. Die Bauherrin Zuriba AG spricht dabei von einem neuen «adäquaten Aussenraum» für die Öffentlichkeit.

Eine Petition auf der Onlineplattform petitio.ch, die sich gegen den Abriss wehrte, erreichte innerhalb nur eines Tages die nötigen 200 Unterschriften. Bis am Freitag haben 517 Personen unterschrieben.

Die Petition wurde frühzeitig an den Badener Stadtrat geschickt, der auch prompt antwortete. Für die Villa Schnebli ist es zwar endgültig zu spät, aber die Beteiligten wollen für die Zukunft ihre Lehren daraus ziehen. In seiner Antwort erläutert der Stadtrat noch einmal die Ausgangslage. Gegen den Abbruch wollte demnach der Aargauer Heimatschutz ursprünglich Einsprache erheben. Dem Heimatschutz (der als privater Verein nicht mit der kantonalen Denkmalpflege zu verwechseln ist) seien die Gründe für den Abbruch erläutert worden. Der Verein verzichtete in der Folge auf eine Beschwerde.

Die städtische Abteilung Planung und Bau wiederum hält fest, die Villa Schnebli sei «trotz ihrer interessanten Geschichte kein Schutzobjekt» gewesen. In der Interessenabwägung zum Baugesuch habe man festgestellt, dass die Villa Schnebli dem Royal «sehr nahe steht» und «den prominenten Bau bedrängt». In ihrer Argumentation folgt die Abteilung genau der Wortwahl der Zuriba: «Mit dem Abbruch der Villa und der Neugestaltung einer Freifläche wird das Kino Royal freigespielt und die markante städtebauliche Ecksituation aufgewertet.» Der Abbruch der Villa sei deshalb vertretbar.

Die Villa Schnebli neben dem «Royal»: 2017 und 1925 – mit dem Festumzug zur Aargauischen Gewebeausstellung.

      

Es seien dem Stadtrat nach dem Einreichen der Petition keine neuen Erkenntnisse vorgelegen, deshalb habe man an der Baubewilligung und am Abriss festgehalten. Dem Stadtrat sei aber bewusst, dass der Abbruch historischer Bausubstanz einen Verlust von Identität darstelle. Wenn möglich seien deshalb in Zukunft «Lösungen, die einen langfristigen Erhalt wertvoller baukultureller Struktur sicherstellen, zu bevorzugen». Das Anliegen der Petitionäre sei nachvollziehbar und verständlich.

«Mehr Nachdenklichkeit gewünscht»

Frank-Alexander Thoma, einer der Initianten der Petition, sagt zur Antwort des Stadtrats: «Rechtlich ist die Reaktion der Stadt Baden korrekt. Ich hätte mir aber etwas mehr Nachdenklichkeit gewünscht.» Besonders reibe er sich an der Darstellung, dass mit dem Abbruch der Villa Schnebli der Kultureinrichtung Royal etwas «Gutes» getan wurde: «Es ist und bleibt Fakt, der Abbruch erfolgte aus rein wirtschaftlichen Gründen für die Anlieferung zum neuen Postareal.»

Damian Brunner, der die Petition zusammen mit Thoma lanciert hat, sagt: «Ich bin froh, wurde die Petition vom Stadtrat ernstgenommen.» Auch wenn es der Villa Schnebli nichts mehr genützt hat, hoffe er, dass in Zukunft in solchen Fällen früher reagiert wird. «Es sollte ja nicht sein, dass die Grossinvestoren entscheiden können, was in der Stadt neu gebaut wird», sagt Brunner. «Schliesslich geht es um die Identität von Baden.» Und diese gebaute Identität sei sehr wertvoll. Das höre er immer wieder, etwa wenn er Freunde aus Deutschland zu Besuch hat: «In Deutschland trauert man den alten Gebäuden nach, die im Krieg zerstört wurden. Bei uns werden bis heute wertvolle Altbauten abgerissen, die dann im Stadtbild fehlen.»

Brunner sagt, er möchte sich auch weiterhin einbringen, etwa an der Informationsveranstaltung der Stadt am 6. Juni. Dann werden der Öffentlichkeit die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung zur Weiterentwicklung der Stadt Baden präsentiert. In seinen Erwägungen zur Petition schreibt der Stadtrat, er nehme das Anliegen eines aktiven Dialogs mit der Bevölkerung ernst.

«Das klingt für mich ein wenig nach einem Standardsatz», sagt Brunner. «Ich bin gespannt, wie der Dialog dann konkret aussieht.» Er wünsche sich, dass man die Augen offenhält und in Zukunft in der Stadt Baden lieber zweimal prüft, ob es einen Neubau braucht – oder ob man bestehende Gebäude nicht sanieren und erhalten kann.

Historische Bilder vom Kino Royal und dem Postareal: