Informatik

Trotz Kritik glaubt Baden weiterhin an eine IT-Zukunft mit Aarau

Die gemeinsame Informatikabteilung hat ihren Sitz in Aarau an der Heinerich-Wirri-Strasse.

Die gemeinsame Informatikabteilung hat ihren Sitz in Aarau an der Heinerich-Wirri-Strasse.

Die beiden Städte haben die Informatikabteilung zusammengelegt. Badens Stadtrat äussert sich zur Kritik aus dem Einwohnerrat am Modell.

Im Sommer vor zwei Jahren beschlossen Aarau und Baden, die Informatikabteilungen zusammenzulegen. Im Badener Einwohnerrat kam der Entscheid nur mit knapper Mehrheit zu Stande – und die kritischen Stimmen sind nicht verstummt. Gian von Planta (GLP) hielt im Winter fest: «Der Entscheid, die Abteilungen zusammenzulegen, war falsch.» Der Deal müsse rückgängig gemacht werden, forderte er. Und er wollte in einer offiziellen Anfrage wissen: «Kann sich der Stadtrat aufgrund der gemachten Erfahrungen vorstellen, den umstrittenen Entscheid noch einmal zu hinterfragen?» Mit ein Hauptgrund für seinen Vorstoss: Sowohl der Chef als auch sein Stellvertreter waren schon nach wenigen Monaten nicht mehr an Bord. Von Planta stellt den grundsätzlichen Nutzen der Zusammenarbeit aus Sicht der Stadt infrage.

Nun liegt die Antwort des Badener Stadtrats vor. «Selbstverständlich muss der Zusammenschluss sich noch bewähren», schreibt er. Die Zielerreichung werde laufend überprüft. Der erstmalige Kündigungstermin sei der 31. Dezember 2023. Sollte sich am Ende der Legislatur wider Erwarten herausstellen, dass die Zusammenarbeit sich nicht bewährt, wäre eine Kündigung auf diesen Zeitpunkt theoretisch denkbar.

«Die Ziele können erreicht werden»

«Doch erstens glaubt der Stadtrat unverändert daran, dass die Ziele des Zusammenschlusses, insbesondere kostengünstigere und optimierte IT-Leistungen zu erhalten, erreicht werden können.» Zweitens sei es für eine Erfolgsbeurteilung ein knappes Jahr nach dem tatsächlich erfolgten Zusammenschluss an einem gemeinsamen Standort noch zu früh.

Gian von Planta wollte weiter wissen, ob es aus Badener Sicht nicht attraktiver wäre, wenn diese Stellen in der Region bleiben würden, sei dies in einem öffentlichen-rechtlichen Gebilde oder in Form einer Auslagerung an einen privaten Anbieter. Der Stadtrat schreibt, die Frage der Standortregion sei aus seiner Sicht kein zentrales Argument für die Wahl der besten Lösung für die Informatik. Er sei vor allem an kostengünstigen und optimierten Informatikdienstleistungen interessiert. «Darüber hinaus war es dem Stadtrat wichtig, dass den bestehenden Mitarbeitenden in der neuen Organisation eine Anstellung geboten werden konnte.» Mit dem Einwohnerratsbeschluss habe sich die Stadt Baden für eine Partnerschaft mit Aarau und damit gegen eine Auslagerung an einen privaten Anbieter entschieden.

Die Zusammenlegung soll die Informatikkosten Badens laut Einwohnerratsbeschluss «in der laufenden Legislatur um 15 Prozent senken». Ab wann diese Einsparungen realisiert werden können, lautete eine weitere Frage an die Badener Stadtregierung. Diese schreibt, die Vorgabe bedeute, «dass die Kosten bis zum Ende der Legislatur gesenkt sein sollen». An diesem anspruchsvollen Ziel habe sich auch durch die Interimslösung nichts geändert – vorübergehend übernahm letzten Herbst die Firma BSG aus St.Gallen die Leitung der Informatikabteilung. Die Zusammenführung der beiden Informatikorganisationen werde bis Ende der Legislatur im Vergleich zu den im Jahr 2017 bestehenden Aufgaben zu einer Kostenreduktion führen, zeigt sich der Stadtrat zuversichtlich. «Allerdings verändern die Aufgaben und die Anforderungen an die Informatik sich rasant, und es entstehen immer wieder neue und zusätzliche Anforderungen.»

Neue Aufgaben kommen hinzu

Auch die digitale Transformation führe dazu, dass im Vergleich zu 2017 zusätzliche Leistungen mittels digitaler Unterstützung erbracht werden und die entsprechenden Kosten neu in der Informatik anfallen. Es sei davon auszugehen, dass die Kosten gegenüber dem Jahr 2017 für die damals erbrachten Leistungen tiefer sein werden. «Die zusätzlichen Kosten für den erweiterten Leistungskatalog führen zwar nicht zu einer Senkung der gesamten IT-Kosten, jedoch werden diese dank der Informatikzusammenarbeit mit Aarau weniger stark ansteigen als ohne diese Zusammenarbeit», hält Badens Stadtrat zu den Kosten abschliessend fest.

Und er schreibt weiter, er sei sich den Risiken des Vorhabens bewusst. «Aber mit geeigneter und vollständiger personellen Besetzung sollten aus heutiger Sicht die Zielsetzungen erreicht werden können.» Der neue Leiter ICT, Roman Zimmermann, trat seine Stelle per 1.April an, die Stelle des bisherigen stellvertretenden Leiters wurde als Projektleitungsstelle per Dezember des vergangenen Jahres wiederbesetzt.

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