Pierre Weber hat keine Trainerfunktion - generell gibt es bei dieser jungen Sportart keine Hierarchien. Es gibt jedoch mehr oder weniger erfahrene Bodenakrobatik-Virtuosen. Weber zählt mit sechs Jahren Tricking-Erfahrung zu den Ersteren. Unter den rund zehn Trickern, die während dreier Stunden neue Bewegungselemente üben, befinden sich allerdings auch einige, die erst seit wenigen Monaten dabei sind. Die meisten bringen aber langjährige Erfahrung aus einem verwandten Sportbereich mit: Kampfsport, Capoeira, Breakdance, Parkour oder auch Skating.

Unterstützung statt Konkurrenz

Tricking ist kein Gruppensport, doch trainiert wird in der Gemeinschaft. Jeder lerne von jedem, so Weber. «Man pusht sich gegenseitig und tut Dinge, die man sich alleine nicht trauen würde.» Dadurch mache man mit etwas Mut schnell Fortschritte - der eine oder andere blaue Fleck müsse aber schon in Kauf genommen werden, lacht er.

Neben Pierre Weber kann Oliver Ostermann mit knapp fünf Jahren auf eine lange Tricking-Laufbahn zurückblicken. Beide kennen sich seit mehreren Jahren vom Training in der Kunstturnhalle in Niederlenz - mit in den Wintermonaten bis zu 40 Trickern eine Hochburg in der Region. Ostermann brachte die Sportart nach Wettingen. Der «gewaltige Spassfaktor» habe ihn von Tricking überzeugt.

Seit gut zwei Jahren trifft sich jeweils am Donnerstagabend eine lose Gruppe mit hartem Kern zum freien Training. Vorwiegend sind junge Männer dabei. Die Kantonsschule Wettingen, wo viele der begeisterten Tricker zur Schule gehen, stellt die Halle zur Verfügung.

Von der Turnhalle nach draussen

Am liebsten trainieren die Tricker draussen, beispielsweise auf einer Wiese. Neue Elemente werden jedoch in der Halle zuerst auf einer dicken Matte eingeübt. Mit zunehmender Sicherheit kann auf die aneinander befestigten dünneren Matten gewechselt werden. Die Suche einer Halle sei oft eine Herausforderung, da die Sportart in der breiten Öffentlichkeit noch wenig bekannt sei, erklärt Faisal Faisale, ein weiterer Tricker.
Schweizweit gibt es bereits rund 150 bis 200 Tricking-Künstler. Eine Zahl, die erste «Battles» ermöglicht. Damit seien keine Wettkämpfe gemeint, sondern ein Kräftemessen auf freundschaftlicher Basis, betont Oliver Ostermann.