Baden

Traditionscafé Himmel droht Konkurs – ein Konkurrent stand einst ebenfalls kurz vor dem Aus

«Es ist ein hart umkämpfter Markt»: Auch Moser's Backparadies musste in den letzten Jahren einen Gewinnrückgang verzeichnen. (Archiv)

«Es ist ein hart umkämpfter Markt»: Auch Moser's Backparadies musste in den letzten Jahren einen Gewinnrückgang verzeichnen. (Archiv)

Der drohende Konkurs des «Himmels» lässt auch die Mitbewerber auf Badener Boden betroffen zurück. Janek Arnet vom «Beck Arnet» erzählt, er sei einst selbst fast gescheitert.

«Es ist wirklich traurig, dass es so weit kommen musste», sagt Pierluigi Ghitti, Geschäftsführer der Bäckerei Spitzbueb, der in der Region Baden insgesamt vier Filialen betreibt. Die Nachricht des Konkurses habe ihn getroffen: «Bei uns herrscht kein Konkurrenzdenken, wir halten zusammen.» Verstehen kann er die Schliessung des «Himmels» aber nicht: «Bei uns läuft das Geschäft gut», versichert Ghitti.

Janek Arnet, der gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Beatrix Graf den «Beck Arnet» führt, ist bedrückt: «Das ist nun bereits die dritte Schliessung einer namhaften Bäckerei innerhalb kürzester Zeit.» Er verweist auf «Beck Keller» in Regensdorf ZH, der letztes Jahr ebenfalls Konkurs anmeldete und seine Filialen schliessen musste. Arnet macht diese Entwicklung Sorgen, nicht nur, weil nun die Angestellten ihren Job verlieren, sondern auch, weil es zukünftig in Baden für angehende Bäckerinnen und Bäcker eine Ausbildungsstätte weniger geben wird: «Das ist kein gutes Signal, es verunsichert den Nachwuchs.»

Er glaubt aber nicht, dass es beim «Café Himmel» am Bahnhofplatz an fehlendem Umsatz gemangelt hat: «Der zentrale Standort dort war meiner Meinung nach immer gut frequentiert.» Was letztendlich den Ausschlag zum Konkurs gegeben habe, darüber könne auch er nur spekulieren.

«Wir hatten schon früh eine Ahnung, dass dieser Moment kommen wird»

«Wir hatten schon früh eine Ahnung, dass dieser Moment kommen wird»

Produktionsleiterin der «Himmel»-Backstube, Nadja Vogt, im Interview mit Tele M1.

Arnet spricht offen darüber, selbst einmal kurz vor dem Scheitern gewesen zu sein: «Doch zum Glück haben wir – mit einer Vision vor Augen – das Schiff Schritt für Schritt wieder auf Kurs gebracht.» Man müsse ehrlich mit sich sein und wissen, wo die Fehler passiert sind, um Probleme lösen zu können.

Der letzte Mohikaner

Vor kurzem hat «Beck Arnet» in Würenlos seine fünfte Filiale eröffnet. Das Unternehmen ist damit auf 40 Mitarbeitende angewachsen. Das Geschäft läuft blendend, sagt er. Doch die Gewinnmargen liegen tief: «Unsere Branche ist ein Rappengeschäft.» Und man müsse es beim Namen nennen: «Die Konkurrenz mit günstigeren Produkten aus dem Ausland und mit den Grossverteilern, die für einen Bruchteil unserer Kosten produzieren, wird immer grösser. Man fühlt sich da teilweise wie der letzte Mohikaner.» Ihm ist im Moment aber vor allem eines wichtig: «Ich finde es schade, dass in den Medien mit den Schliessungen ein viel zu düsteres Bild gezeichnet wird. Die Bäcker, die noch da sind, üben aber mit viel Herzblut ihren Beruf aus, und haben auch Erfolg.» Ein Bäckereibetrieb brauche jedoch eine gewisse Grösse; mit einem Laden alleine sei es heutzutage schwierig, auf gesunden Beinen zu stehen.

Mit der Eröffnung der Würenloser Filiale ist für «Beck Arnet» vorläufig die Expansionsgrenze erreicht: «Eine Übernahme der Himmel-Filiale am Bahnhofplatz kommt für uns nicht infrage». Er würde es aber sehr begrüssen, wenn dort, wie auch im «Himmel-Bijou» in Wettingen, zukünftig wieder Konditoreien einziehen würden.

Auch Guido Moser, Inhaber von Moser’s Backparadies mit neun Filialen im Aargau und in Zürich, findet es tragisch: «Falls es wirklich zum Konkurs kommt, dann ist das extrem schade für Baden, wenn das Traditionsunternehmen verschwindet. Der Himmel gehört doch zu Baden wie das Schloss Stein.» Es tue ihm für die Angestellten sehr leid, aber auch für Geschäftsführer Jörg Holstein: «Er hat sicherlich alles Menschenmögliche gemacht, um den Konkurs abzuwenden.» Bei Moser’s Backparadies selbst läuft das Geschäft zufriedenstellend, auch wenn in den letzten Jahren ein Umsatzrückgang zu spüren war: «Es ist ein hart umkämpfter Markt», so Moser. Man müsse immer «à jour» bleiben, mit Innovationen, guter Qualität und freundlichem Personal: «Aber so ist das doch bei jedem Unternehmen und nicht nur in unserer Branche».

«Ich war geschockt»: Das sagen die Kunden im Café Himmel zum drohenden Konkurs

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(31.1.2019)

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