Baden-Dättwil
Traditionsbeiz «Täfern» schliesst nach 137 Jahren: «Nach dem Abriss wird hier Neues entstehen»

Nach 137 Jahren geht die «Täfern» in Baden-Dättwil heute zu – das Wirtepaar Friedli zieht nach Rütihof.

Martin Rupf
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Markus und Rosmarie Friedli empfangen heute zum letzten Mal Gäste in der «Täfern».

Markus und Rosmarie Friedli empfangen heute zum letzten Mal Gäste in der «Täfern».

Alex Spichale

Markus Friedli, im Sommer 2016 entschieden Sie und Ihre Frau Rosmarie, die «Täfern» Ende dieses Jahres zu schliessen. Gab es in den letzten Monaten nie Momente des Zweifelns?

Markus Friedli: Nein, grundsätzlich nicht. Meine Frau und ich sind froh, dass wir gesund, fit und auch auf finanziell sicheren Beinen in Rente gehen können. Es gibt genug Beispiele von anderen Wirten, bei denen das am Schluss nicht mehr möglich war.

Überhaupt keine Wehmut?

Es läuft im Moment so viel; die letzten Monate waren derart intensiv, dass noch gar kein Platz für Wehmut da war. Nein: Die überwiegenden Gefühle sind Dankbarkeit für die letzten 35 Jahre und Vorfreude auf die Zeit, die jetzt kommt.

Die "Täfern" in Baden-Dättwil - eine Gastwirtschaft mit langer Geschichte Urgrossvater Keller, Stationsvorstand von Dättwil, verwirklichte 1880 seinen Traum und baute ein Wohnhaus mit Wirtschaft.
5 Bilder
Seit 1880 war die "Täfern" in Familienbesitz.
Auf Ende 2017 hören die Markus und Rosmarie Friedli nun mit dem Wirten auf. Sie haben die Liegenschaft verkauft.
Markus und Rosmarie Friedli (mit Hund «King») wirten seit über 30 Jahren in der «Täfern». (Bild von 2014)
Die "Täfern" wird abgerissen und wird einem Neubau weichen.

Die "Täfern" in Baden-Dättwil - eine Gastwirtschaft mit langer Geschichte Urgrossvater Keller, Stationsvorstand von Dättwil, verwirklichte 1880 seinen Traum und baute ein Wohnhaus mit Wirtschaft.

Alex Spichale

Das tönt alles sehr gefasst. Sie müssen doch an der «Täfere» hängen?

Natürlich tun wir das. Und natürlich ist es nie einfach, von etwas Abschied zu nehmen, das man gern hat. Es gab im Sommer 2016 eine wirklich harte Phase, als ich den Vertrag mit dem Käufer unterschrieben habe. Da realisierte ich: Jetzt geht ein Kapitel zu Ende. Ich bin in diesen Tagen oft mit dem Pferd im Chrüzliberg reiten gegangen, um diesen Schritt zu verarbeiten. Ja, man kann sagen, damals habe ich von der «Täfern» Abschied genommen.

Sie sagen selber, die letzten Monate waren intensiv. Weil alle Stammgäste noch ein letztes Mal in die «Täfere» wollten?

Ja genau. Es gab viele schöne Begegnungen. Wir durften unglaublich viel Wertschätzung von unseren Stammgästen erfahren.

Schlug Ihnen gar kein Unverständnis entgegen, weil Sie Ihren Stammgästen ihr geliebtes Restaurant wegnehmen?

Natürlich gab es Sprüche wie «de Friedli hät mit em Verchauf ja en Gute gmacht». Doch wir müssen uns nicht schämen. Wir haben in den letzten 35 Jahren viel gearbeitet und auf einiges verzichtet.

Worauf sind Sie am meisten stolz, wenn Sie auf die letzten 35 Jahre zurückblicken?

Dass wir nie auf Sterne oder sonstige Auszeichnungen angewiesen waren, sondern auf eine sehr treue Stammkundschaft zählen konnten. Und dass wir in der Familie immer noch einen so guten Zusammenhalt haben.

Sie wohnen ja oberhalb der «Täfern». Wo zieht es Sie nun hin?

Wir werden eine schöne Wohnung in Rütihof mieten. Wir freuen uns schon jetzt, wenn wir das Fenster nachts offenlassen können und dabei keinen Verkehrslärm hören.

Eine Aufnahme aus den 1950er-Jahren: Der Haupteingang der «Täfern» war damals noch zur Hauptstrasse hin ausgerichtet. 1959 erfolgte ein erster Umbau, 1983 wurde die Wirtschaft letztmals umgebaut.

Eine Aufnahme aus den 1950er-Jahren: Der Haupteingang der «Täfern» war damals noch zur Hauptstrasse hin ausgerichtet. 1959 erfolgte ein erster Umbau, 1983 wurde die Wirtschaft letztmals umgebaut.

Zur Verfügung gestellt

Was passiert mit dem Mobiliar der «Täfern»?

Die Tische bleiben in der Familie. Den Stammtisch nehmen wir mit nach Rütihof in die neue Wohnung. Und was mich besonders freut: Nachdem die «Täfern» abgerissen und der Neubau Täfernhof 3 erstellt worden sein wird, soll das Sitzungszimmer im «Täfere»-Look daherkommen. So sollen die grünen Kacheln des Kachelofens und die Holzbalken in das Sitzungszimmer integriert werden.

Am Tag, an dem der Bagger hier auffahren wird, werden Sie aber wohl kaum hier sein?

Nein, ganz bestimmt nicht. Doch wenn die «Täfern» mal abgerissen ist und hier Neues entsteht, dann werde ich den Baufortschritt sicher interessiert verfolgen.

Worauf freuen Sie sich am meisten ab dem kommenden Jahr?

Einfach einmal Zeit zu haben. Man darf nicht unterschätzen, was es heisst, ein Restaurant zu führen. Jeden Tag dieser Verantwortung gerecht zu werden, das zehrt an den Kräften. Auch konnten Rosmarie und ich nie für längere Zeit verreisen. Darauf freue ich mich. Einfach mal zwei, drei Monate auf Reisen zu gehen. Zudem habe ich einem befreundeten Wirt versprochen, dass ich ihm helfe, seine Lehrlinge an die Lehrabschlussprüfung zu führen.

Keine Angst, dass Ihnen die vielen Gäste und der Austausch mit den Stammgästen fehlen werden?

Das wird mir sicher fehlen. Aber ich tauche ja nicht unter. Man wird mich sicher auch in Rütihof sowie in der Region Baden antreffen. Sei es zu Fuss, auf dem Velo oder auf dem Pferd.

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