Blaues Licht beherrscht die Szene, dunkel ragen die steilen Steinwände in die Höhe. Es ist eine imposante Kulisse, welche die Freilichtbühne umgibt. Choraler Gesang tiefer Männerstimmen ist zu vernehmen, als Mönche langsamen Schrittes aus dem Dunkel treten. Wir befinden uns mitten im Stück «Die Teufelsuhr» der Theatergemeinschaft Würenlos.

Mystischer Schauplatz

Angesiedelt ist die Geschichte im 16. Jahrhundert, als sich Katholiken und Reformierte in den Haaren lagen. Zusätzlich herrscht unter der Würenloser Bevölkerung arges Misstrauen gegen die neu erbaute Kirchenuhr. Als die Zigeunerin Santscha (Kuska Cáceres) und ihr Mann Kanatsch (Domenico Peroraio) ins Dorf kommen, gerät auch noch die Zeit aus den Fugen. Die religiösen Streitigkeiten gehen allerdings schnell vergessen, als sich die Würenloser unter der Führung des aufmüpfigen Hannes (Michael Schraner) vereint gegen den Abt (Albert Freuler) auflehnen.

Hommage an George Gruntz

Auf der grossen Freilichtbühne werden drei Schauplätze dargestellt: die Abtei Wettingen, das Kloster Fahr und der Dorfplatz in Würenlos. Die grosse Kirchenuhr bildet das Zentrum des Geschehens, sowohl visuell als auch in der verworrenen Geschichte. Die aussergewöhnliche Kulisse im Steinbruch verleiht dem Geschehen eine mystische Atmosphäre. Unterstützt wird dies durch teils fast verstörend wirkende Szenen, die Visionen der vermeintlich vom Teufel besessenen Santscha darstellen. In blauem Lichte erscheinen bleiche Gestalten aus längst vergangenen Zeiten – maskierte Tänzerinnen und Tänzer feiern einen Ball und sogar ein Graf von Habsburg hat einen Auftritt.

Das Theater stammt aus der Feder von Silja Walter und wurde ursprünglich 1970 anlässlich der 1100-Jahr-Feier von Würenlos unter dem Namen «Würenloser Chronikspiel» uraufgeführt. Die Musik zum Stück stammt vom kürzlich verstorbenen Jazz-Pianisten George Gruntz. Nun wurde es unter der Leitung des Regisseurs Jean Grädel wieder zum Leben erweckt. Es sind brillantverstörende Szenen, untermalt von Musik und Chorgesang, die sich mit Tanzeinlagen und spitzzüngig geführten Dialogen zwischen den verschiedenen Protagonisten abwechseln. Allen voran Domenico Peroraio schafft es immer wieder, mit herausragender Mimik das Publikum zum Lachen zu bringen. Doch auch Michael Schraner überzeugt mit einer enthusiastischen Darstellung auf ganzer Linie.

Spielplan und Tickets finden sich unter: www.thgw.ch