Die einen oder anderen «Schrankleiche» hat jeder bei sich zu Hause hängen. Wer seinen Kleiderkasten ausmisten wollte, konnte am 7. Walk-in Closet Event in Baden alte Kleidungsstücke loswerden und mit neuen Schätzen wieder nach Hause gehen. «Tauschen anstatt kaufen» ist das Motto der Kleidertauschbörse, die in verschiedenen Schweizer Städten zweimal pro Jahr stattfindet. «Wir wollen eine Alternative bieten zum kommerziellen Kleiderkonsum», sagt Organisatorin Nora Keller. Rund 300 Personen kamen am Sonntag ins Nordportal, allesamt bepackt mit Klamotten, die entweder zu klein geworden waren oder nicht mehr gefielen.

Maximal 10 Sachen kann man jeweils zu Walk-in Closet mitbringen und gleichviel wieder nach Hause mitnehmen. Aber Achtung: «Sauber und gut erhalten müssen die schon Teile sein. Sie sollen ja noch jemand anderem Freude machen», betont Keller. Die Jugendarbeiterin mit Wohnsitz in Baden ist Koordinatorin aller Walk-in Closet Anlässe in der Schweiz, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Fünf Franken kostet der Eintritt. Die mitgebrachten Kleidungsstücke, Schuhe und Accessoires werden sofort von fleissigen Helferinnen und Helfer in Empfang genommen, sortiert und übersichtlich an Ständern und in Regalen präsentiert. «Wir fühlen uns wie in einem riesigen begehbaren Kleiderschrank», meinte eine Besucherin und stürzte sich neugierig ins Secondhand-Eldorado. Zum relaxten Clubsound von DJ Docktor wurde gestöbert, begutachtet und anprobiert. «Ich freue mich über meine Trouvaillen genauso, wie wenn ich etwas Neues gekauft hätte», meinte eine junge Frau mit Blusen und Pullis über dem Arm. Damit ist ein wichtiges Ziel erreicht. «Wir verknüpfen nachhaltigen Kleiderkonsum mit einem lustvollen Erlebnis. Zudem möchten wir Menschen sensibilisieren, sich über die unmenschlichen Bedingungen Gedanken zu machen, unter denen Kleider teilweise produziert werden», meint Keller.

Zusammenarbeit mit Public Eye

Der 2012 gegründete Verein Walk-in Closet arbeitet eng mit der Organisation Public Eye (ehemalige Erklärung von Bern) zusammen, die sich seit 50 Jahren mit ihren Kampagnen und Recherchen für eine gerechtere Welt einsetzt. An ihrem Infostand konnte man erfahren, dass bei in Drittweltländern hergestellten Kleidern oft nur 0.5 bis 3 % des Ladenverkaufspreises als Lohn an die Näherinnen geht. An einem T-Shirt für 10 Franken verdienen sie gerade mal 5 bis höchstens 30 Rappen.

«Am meisten wurden Hosen und Shirts abgeliefert», erzählte Keller im Nordportal. Was in Baden übrig blieb, wurde direkt an die Stiftung Novia in Winterthur geliefert, deren Mitglieder die Teile in jordanische Flüchtlingsgebiete bringen. Dort werden sie dringend gebraucht.