Talk Täglich
Zertifikatspflicht als «Alibi-Übung» oder einziges Mittel: SVP-Nationalrat Burgherr gegen GLP-Nationalrat Flach

Die Zertifikatspflicht sorgt für heftige Diskussionen. SVP-Nationalrat Thomas Burgherr und GLP-Nationalrat Beat Flach kreuzen im Talk Täglich die Klingen.

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Der Talk mit GLP-Nationalrat Beat Flach und SVP-Nationalrat Thomas Burgherr.

Tele M1

Die seit Montag geltende Zertifikatspflicht ist für SVP-Nationalrat Thomas Burgherr ein rotes Tuch. Er prangert im Talk Täglich auf Tele M1 nicht nur eine «Zweiklassengesellschaft» an, die dadurch entstehe, sondern kritisiert auch, dass Betriebe gestraft würden. Geht es nach Burgherr, müssten die Coronamassnahmen nun zurückgefahren und die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger höher gewichtet werden.

«Der Bundesrat hat uns die Normalisierungsphase versprochen, sobald alle Impfwilligen geimpft sind. Jetzt macht er das Gegenteil, dem kann man nicht mehr trauen.»

Anderer Meinung ist GLP-Nationalrat Beat Flach: «Im Gegenteil: Man straft die Betriebe nicht, sondern schafft weitere Möglichkeiten, dass sie offen bleiben können.» Dies sei kein «bundesratshöriger», sondern ein «wissenschaftshöriger» Kurs, betont Flach. Anhand der ausgelasteten Spitäler sei ja offensichtlich, dass Massnahmen weiterhin nötig seien. Der GLP-Nationalrat ist überzeugt: Nur mit einer hohen Impfquote können wir zurück in die Normalität kehren.

Warum die Zertifikatspflicht aber ausgerechnet in Restaurants eingeführt werde, will SVP-Nationalrat Burgherr nicht verstehen. Er habe selbst mit verschiedenen Beizern gesprochen: «Keiner konnte mir bestätigen, dass es Ansteckungen in ihren Betrieben gab. Die Einführung der Zertifikate ist eine Alibiübung auf Kosten der KMU, Beizen und Fitnesscenter.»

Statt Grenzkontrollen den Sommer verschlafen

Stattdessen hätte man nach Ansicht von Burgherr bei den Ferienrückkehrern härter durchgreifen müssen. Mit Grenzkontrollen und Tests. «An der Grenze sind Fehler passiert und jetzt straft man die Beizer. Bei gewissen Leuten schaut man nicht hin, und den Mittelstand kann man plagen bis zum Gehtnichtmehr.»

Dass nur der Mittelstand «geplagt» werde, will Flach nicht gelten lassen. Das ganze Land sei von der Pandemie betroffen, betont er. Da bringe es nichts, die einen gegen die anderen auszuspielen. Zudem gebe es keine verlässlichen Daten zu Ansteckungen in Restaurants, weil die Rückverfolgung nicht funktioniert habe. Flach sagt: «Eine Zweiklassengesellschaft entsteht dann, wenn wir sagen, es sei jedem selber überlassen. Das ist nicht mehr zivilisiert. Zivilisiert ist, wenn wir gemeinsam einen Plan entwickeln, wie wir aus der Pandemie herauskommen.»

Flach stimmt Burgherr zu, dass die Ferienrückkehrer ein Problem seien. Nach den Sommerferien ging rund jede dritte laborbestätigte Ansteckung mit dem Coronavirus auf Ferienrückkehrer zurück. Auch Flach kritisiert die Landesregierung:

«Alle Massnahmen wurden erneut relativ kurzfristig eingeführt. Man hat den ganzen Sommer wieder geschlafen und nur beobachtet, statt Massnahmen anzukünden.»

In einem weiteren Punkt sind sich die beiden Nationalräte einig: Die Impfung hilft. Und sie dürfte einen weiteren Lockdown verhindern. Burgherr ist kein Impfgegner, wie er betont: «Ich bin selber geimpft. Gerade wir Unternehmer müssen jetzt unsere Leute motivieren – aber nicht zwingen.» (sam)

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