Wettingen

«Tägi» ist jetzt schon 3,5 Millionen Franken teurer

Wie das Foto von Dezember zeigt, nimmt das Tribünendach der Eisbahn Form an.

Wie das Foto von Dezember zeigt, nimmt das Tribünendach der Eisbahn Form an.

Der Wettinger Gemeinderat zeigt die hohen Kosten auf, die durch Projektänderungen für die Sanierung des Sport- und Erholungszentrums Tägerhard entstanden sind. Die Endkostenprognose belaufe sich neuerdings auf 48,84 Millionen Franken.

Jetzt ist klar, wie hoch die Mehrkosten durch Projektänderungen für die Sanierung des Sport- und Erholungszentrums Tägerhard in Wettingen ausfallen: insgesamt 3,49 Millionen Franken. Diese Zahl geht aus der Antwort des Gemeinderats auf die Interpellation von GLP-Einwohnerrat Orun Palit hervor. Für die Sanierung des «Tägi» hiess das Volk Ende November 2016 einen Kredit über 46,53 Mio. Franken gut.

Die Interpellation hatte Palit letzten Herbst eingereicht, nachdem es bei den Bauarbeiten wenige Monate nach dem Spatenstich bereits zu Projektänderungen gekommen war. «Dass es bei einem Grossprojekt wie der Sanierung des ‹Tägi› zu Unvorhergesehenem kommen kann, ist klar. Doch ich finde, dass der Gemeinderat in Bezug auf mögliche Mehrkosten Transparenz schaffen muss», sagte Palit damals.

Der Bagger frisst die ersten Tägi-Bissen und Gemeindeammann Kuster hofft auf «eine schwarze Null», wie er sagt.

März 2018: Der Bagger frisst die ersten Tägi-Bissen und Gemeindeammann Kuster hofft auf «eine schwarze Null».

Das hat der Gemeinderat nun getan. Wie er in seiner Antwort schreibt, sei der grösste Teil der Mehrkosten auf die Sanierung der Plattenarbeiten im Hallenbad zurückzuführen. Dafür rechnet er mit Zusatzkosten von 2,45 Mio. Franken, weitere 0,8 Mio. Franken kommen für die Sanierung der Garderoben hinzu. Neu werden die keramischen Platten im Hallenbad nicht wie ursprünglich geplant sanft saniert, sondern allesamt ersetzt. Zu diesem Schritt hat sich der Gemeinderat entschieden, weil er noch während der Planung auf den Fall im Hallenbad Leimbach ZH aufmerksam wurde. Dort lösten sich die Platten beim Wiederauffüllen des Badewassers nach der Sanierung ab – das Becken musste im Nachgang umfassend saniert werden, wobei betriebliche Nachteile und grössere Mehrkosten entstanden.

Eispisten: Kühlung wie gehabt

Neben der Sanierung der Beckenplatten führt der Gemeinderat weitere Projektänderungen auf, die seit Beginn der Bauarbeiten bewilligt worden sind – und Mehrkosten von 1,8 Mio. Franken verursacht haben: darunter der Rückbau des Heizkessels in der Sporthalle, das Provisorium für das Gartenbad, die Deckensanierung des Saalbaus, die Kunst am Bau oder die Sanierung von zusätzlichen Altlasten (Asbestvorkommen). Der Gemeinderat schreibt, dass es sich dabei zum Teil um Projektoptimierungen handle, «welche einem zweckmässigen Betrieb nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten oder einem Sachzwang der Projektentwicklung und Ausführungsplanung geschuldet sind».

Baustellenrundgang im August 2018:

Weiter ist festgehalten, dass für die Flächen im Obergeschoss des Foyers, die für einen externen Fitnesscenterbetreiber vorgesehen waren, alternative Nutzungen geprüft werden. Zudem steht, dass die Eispisten nicht wie ursprünglich geplant mit indirekter Kühlung, sondern – nach eingehender Prüfung in Zusammenarbeit mit den kantonalen Aufsichtsbehörden – weiterhin mit direktverdampfendem Ammoniak gekühlt werden.

Risiken als nachteilig bewertet

Palit ist einerseits froh, dass seine Interpellation beantwortet wurde. Andererseits sei er enttäuscht, dass der bewilligte Kredit für die Sanierung des «Tägi» über 46,53 Mio. Franken voraussichtlich nicht eingehalten werden könne. Dabei stellt er sich die Frage, ob der Gemeinderat beim Einwohnerrat nicht einen Nachtragskredit einfordern muss.

Mit der Frage konfrontiert, verweist Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) auf das Gemeindegesetz des Kantons. Darin steht, dass ein Zusatzkredit einzuholen sei, wenn sich vor oder während der Ausführung eines Vorhabens zeige, dass der gesprochene Verpflichtungskredit nicht ausreicht. «Ist dies ohne bedeutende nachteilige Folgen für die Gemeinde nicht möglich, bewilligt der Gemeinderat den Zusatzkredit und informiert die Finanzkommission darüber», steht geschrieben.

Und Letzteres hat der Gemeinderat getan. Kuster erklärt: «Hätte der Zusatzkredit insbesondere für die Sanierung des Hallenbads und der Garderoben bei Einwohnerrat und Stimmvolk beantragt werden müssen, hätte man mit zeitlichen Verzögerungen rechnen müssen, die nicht zu verantworten gewesen wären.» Eine allfällige Nicht-Zustimmung durch eines der beiden Gremien hätte das Gesamtprojekt gefährdet, was weit höhere Kosten provoziert hätte. «Diese Risiken hat der Gemeinderat als bedeutende nachteilige Folgen gewertet und damit den Zusatzkredit in eigener Kompetenz beschlossen.»

Endkostenprognose: 48,84 Mio.

Der Gemeinderat weist in seiner Antwort eine Endkostenprognose von 48,84 Mio. Franken zum bewilligten Kredit von 46,53 Mio. Franken aus – also Mehrkosten von 2,31 Mio. Franken, wobei noch eine Reserve von 1,32 Mio. Franken zur Bewirtschaftung für die verbleibende Bauzeit übrig bleibt. Der Zusatzkredit für die Projektänderungen Plattensanierung Hallenbad und Garderoben wird bei der Endkostenprognose nicht berücksichtigt: «Das sind ausserordentliche, unvorhergesehene und gebundene Zusatzkosten, die im Baukredit und auch in der Reserve nicht vorgesehen waren und daher gesondert betrachtet werden müssen», sagt Roland Kuster.

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