Lorena Rojas (45) aus Baden wartete am Samstag Abend am Flughafen auf der kanarischen Insel Teneriffa auf den Rückflug in die Schweiz. Begleitet wurde sie von Carole Tobler, einer Freundin aus Baden.

Am Anfang lief alles glatt. Rojas, die an Multipler Sklerose leidet und einen Rollstuhl braucht, wurde von einem Betreuer des Flughafens unterstützt. «Das lief alles tiptop, das hätte ich so nicht erwartet», sagt Rojas gegenüber Tele M1.

Am Gate gibts plötzlich Ärger

Rasch gelangten sie und ihre Begleiterin Carole Tobler ans Gate. Dort sollten sie in eine Maschine von Edelweiss, die den Flug in Namen den Swiss durchführen wollten, steigen. Kurz vor dem Bording nahm das Ganze eine unverhoffte Wende. Für Rojas und Tobler begann ein wahrer Albtraum.

Auf einmal tauchte ein Mitarbeiter von Edelweiss auf und winkte Tobler zu sich. Er erklärte, dass Rojas nicht mitfliegen könne, dass sie aus dem Passagierbereich des Abfluggates raus müsse und dass man ihr Gepäck bereits aus dem Flugzeug entfernt hätte. Die Swiss habe sie vom Flug gestrichen, wurde Rojas beschieden.

Die erfundene Krankheit

Als Grund führt der Edelweiss-Mitarbeiter, dass sie unter epileptischen Anfällen leide und deshalb nicht fliegen könne. Rojas ist baff. «Ich hatte noch nie im Leben epileptische Anfälle», sagt sie heute Sonntag, noch immer sichtlich empört.

Lorena Rojas und Carole Tobler nach der Landung in Zürich Kloten

Lorena Rojas und Carole Tobler nach der Landung in Zürich Kloten

Rojas hat Swiss frühzeitig gemeldet, dass sie Rollstuhlgängerin ist. Sie hat auch den Grund dafür, Multiple Sklerose, genannt. Auf dem Hinflug gab es dann auch keinerlei Probleme.

Rojas Beteuerung, dass sie keine epileptischen Anfälle habe, fruchtet nicht. Es kommt noch schlimmer. Eine Flughafen-Angestellte fragt nach den Bordingkarten der beiden Frauen - und zerreisst diese anschliessend vor deren Augen.

Die beiden Frauen lassen nicht locker

Doch diese lassen nicht locker. Sie entfernen sich nicht vom Gate. Sie versperren vielmehr den Eingang für andere Passagiere. In ihrer Not wenden sie sich telefonisch an den Bruder von Rojas. Dieser sucht dann den Kontakt mit der Swiss.

Nun telefoniert auch der Edelweiss-Mann. Plötzlich wird den beiden Frauen nun beschieden, dass sie nun einsteigen können. «Eine Erklärung dafür haben sie uns keine gegeben», sagt Tobler. So landen die beiden Frauen am Samstag Abend kurz nach 21.30 Uhr doch noch wie geplant in Zürich Kloten.

Ein «Missverständnis»

Swiss erklärt die Turbulenzen damit, dass Lorena Rojas der Airline keine Begleitperson gemeldet habe. Sie hätte das mindestens drei Tage vor dem Abflug tun müssen. Das sei keine Schikane, sondern Vorgabe. Im Klartext heisst das: Behinderte Passagiere müssen im Notfall die Schwimmweste selbst anziehen und sich zum Notausgang begeben können. Wer das nicht kann, braucht eine Begleitperson. «Sollte es zu Missverständnissen gekommen sein, dann tut uns das leid», sagt Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann gegenüber az. Man werde mit Lorena Rojas Kontakt aufnehmen und das mit ihr klären.

Rojas hat für die Erklärung der Swiss wenig Verständnis. Sie fliege häufig und zwar allein. «Ich brauche Hilfe, um in ein Flugzeug zu kommen. Wenn ich mal drin bin, komme ich allein zurecht. Ich brauche keine Begleitperson». Sie ist über das Verhalten der Flughafen- und Edelweiss-Angestellten noch immer empört. «So kann man keinen Mensch behandeln. Ich fühlte mich wie Abschaum», so Rojas. (rsn)