Baden

Stolperfalle Oelrain: Nun plant die Stadt vier Kandelaber – aber nicht alle freuen sich

Nach Wald sieht es hier auch tagsüber nicht unbedingt aus: Die Oelraintreppe unter dem Badener Bahnhofplatz.

Ein Baugesuch für eine Beleuchtung der dunklen Treppe liegt vor – nun muss noch der Kanton zustimmen. Das städtische Gesuch löst aber nicht nur Freude aus.

An der Oelraintreppe in Baden könnte doch bald ein Licht aufgehen. Bei der städtischen Abteilung Planung und Bau im Roten Turm liegt seit letzter Woche ein Baugesuch für vier neue Kandelaber auf.

Die Stufen, die von der Limmatpromenade zum Bahnhofplatz führen, bergen vor allem in der dunklen Jahreszeit so manche Stolperfalle. Auf der Treppe ist es stellenweise stockfinster in der Nacht. Das ist für die öffentliche Sicherheit nicht unerheblich, weil die Treppe als offizielle Umleitung dient, wenn der nahe Promenadenlift ausfällt – sei es wegen der monatlichen Wartung oder wegen einer technischen Störung. Schon lange gibt es deshalb den Wunsch, die Treppe zu beleuchten.

Die jüngste Idee für eine Beleuchtung hatten der Römer-Quartierverein und die Gemeinde Ennetbaden. Kurz vor Weihnachten machten sie mit einer Teelicht-Aktion auf das Anliegen aufmerksam, bei der sie hunderte Kerzen auf der Oelraintreppe aufstellten.

Der Stadtrat zeigte sich zwar offen für das Anliegen, verwies aber stets darauf, dass der Kanton ein Baugesuch vermutlich ablehnen würde. Georg Gindely, Vorstandsmitglied im Römer-Quartierverein und SP-Einwohnerrat, ist nun sehr erfreut über die Bereitschaft der Stadt, eine Beleuchtung einzurichten. Im Dezember hatte er zum BT gesagt: «Wir wünschen uns von der Stadt eine günstige, sanfte Beleuchtung. Wir wollen sicher keine Fluchtlichtanlage.»

Wirklich glücklich ist man beim Römer-Quartierverein mit dem Baugesuch indes nicht: «Wir hatten ja eigentlich eine reduzierte Beleuchtung auf Fusshöhe gefordert, nun werden einfach vier Kandelaber aufgestellt, und vor allem keiner dort, wo es wirklich stockdunkel ist», so Gindely.

 

Warum nicht zusammenspannen?

Was Gindely aber besonders ärgert: Die Stadt hat das Baugesuch öffentlich aufgelegt, ohne vorher jemanden darüber zu informieren. Das irritiert gerade im Hinblick darauf, dass die Stadt Baden seit Anfang Jahr amtliche Publikationen und Baugesuche nicht mehr in der Zeitung publizieren lässt. 

Wer jetzt wissen will, welche Baugesuche öffentlich zur Einsicht aufliegen, muss entweder auf der Website der Stadt danach suchen, regelmässig den Schaukasten in der Zwingelhofgasse anschauen oder einen Newsletter auf Papier bei der Stadtkanzlei bestellen. 

Auf die Befürchtung, dass die Baugesuche in der Öffentlichkeit nun weniger wahrgenommen werden, sagte der Badener Stadtammann Markus Schneider (CVP) vor kurzem zum BT, der Stadtrat überlege sich, das Mitteilungsblatt den Quartiervereinen zukommen zu lassen. Und: «Schon in den letzten drei Jahren haben wir den Quartiervereinen immer alle Baugesuche elektronisch übermittelt.» Die Übermittlung scheint aber noch zu hapern. Denn: Der Römer-Quartierverein wusste bis letzte Woche von nichts. Der Verein hatte ein Schreiben an den Kanton vorbereitet, mit der Bitte, eine Beleuchtung am Oelrain zu prüfen. «Wir hätten doch mit der Stadt zusammenspannen können, wenn wir vom Baugesuch etwas gewusst hätten», sagt Gindely. «Wir verstehen überhaupt nicht, warum die Stadt nicht auf uns zugekommen ist und uns informiert hat.»

Dabei sei es für die Quartiervereine besonders wichtig, rechtzeitig über Baugesuche Bescheid zu wissen, um die Bevölkerung angemessen einzubeziehen. «Gerade in diesem Fall wäre es doch auf der Hand gelegen, dass sich der Stadtrat bei uns meldet», findet Gindely. Aber die Freude überwiegt trotz allem: «Wir vom Quartierverein freuen uns enorm, dass die Stadt einen Versuch wagt.»

Auch Ennetbadens Gemeindeammann Pius Graf (SP) wusste nichts von dem Baugesuch. Er sei sehr überrascht, da Ennetbaden die Sache eigentlich schon ad acta gelegt hatte, nachdem es von der Stadt hiess, eine Beleuchtung sei nicht möglich, sagt Graf auf Anfrage. Das Baugesuch eingereicht hat nun die städtische Abteilung Tiefbau. Grundeigentümerin ist die Einwohnergemeinde Baden, sie wird in dieser Sache vertreten von der Stadtökologie.

Es gibt schon eine Laterne im Wald

Das ist die eigentliche Problematik einer Beleuchtung: Der Oelrain ist im Zonenplan als geschützter Wald eingetragen. Laut dem kantonalen Waldgesetz darf es im Wald keinerlei Bautätigkeit geben. Das wirkt im konkreten Fall allerdings etwas seltsam, wenn man an die riesigen Betonpfeiler und die Parkhauszufahrt denkt, die in den Sechzigerjahren bei der Sanierung des Bahnhofplatzes in den Hang gerammt wurden. Zudem gibt es auf der zweiten Treppe am Oelrain, die ebenfalls in der Waldzone liegt, bereits eine Laterne. Dennoch müssten die kantonale Abteilung für Baubewilligungen und die Abteilung Wald dem Baugesuch zustimmen, damit die Stadt eine Beleuchtung bauen darf.

«Ein erster Schuss»

Stadtrat und Tiefbau-Vorsteher Philippe Ramseier (FDP) versteht, dass es wegen des Baugesuchs einen gewissen Ärger gibt: «Vielleicht hätten wir tatsächlich früher kommunizieren sollen. Aber ich glaube nicht, dass wir in diesem ersten Schritt gemeinsam mehr erreicht hätten.» Falls der Kanton aber das Gesuch ablehne, spanne er gerne mit dem Römer-Quartierverein zusammen, um zu sehen, was es allenfalls für weiterführende Lösungen geben könnte. «Das Gesuch ist jetzt ein erster Schuss, den die Stadt gemacht hat», sagt Ramseier. Eine grosse Chance rechnet er sich nicht aus: «Ich hoffe trotzdem, dass der Kanton die Beleuchtung bewilligt. Aber Gesetz ist Gesetz.» Falls der Kanton negativ entscheidet, müsse der Stadtrat die Situation neu beurteilen.

Dem Baugesuch liegt ein Brief der Abteilung Tiefbau an den Kanton bei. Darin heisst es: «Die spärlich beleuchtete Treppenverbindung wird für die Benutzenden bei unregelmässigen Liftausfällen bei Dunkelheit zum Ärgernis. Nicht alle möchten sich in dieser Situation mit der Taschenlampen-App des Smartphones behelfen.» Eines scheint klar zu sein: Es wird einen Kompromiss brauchen, damit es am dunklen Oelrain eine gute Lösung gibt.

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