Dem Kulturcafé «Unvermeidbar» an der Badener Rathausgasse droht das Aus: Der Vermieter hat der Betreiberin Stella Palino wegen unbeaufsichtigt offengelassenen Fenstern auf Ende Oktober gekündigt. Doch die Theaterfrau will noch nicht aufgeben.

Gemeinsam mit ihrem Team sammelt sie Unterschriften im Kulturcafé und auf der Online-Plattform «OpenPetition». In weniger als einer Woche haben schon über 800 Personen ihre Unterstützung ausgesprochen. Sie alle wollen den Vermieter davon überzeugen, die Kündigung wieder zurückzuziehen.

Dass in so kurzer Zeit so viele Personen unterzeichnet haben, freut Stella Palino. «Es ist ein schönes Gefühl.» Für die Unterzeichner ist klar, dass es sich bei der «Unvermeidbar» um eine wichtige Institution für Nischen- und Alternativkultur handelt.

Ursprünglich war das Lokal das Foyer für das «Teatro Palino» gegenüber, entwickelte sich aber in kurzer Zeit zu einem Kunstcafé mit einer eigenen kleinen Bühne. Eine Wohlenschwilerin schreibt online: «Es geht um einen wichtigen Kulturschatz, der für viele und die Stadt wichtig ist!»

Ein anderer Unterstützer findet, dass die «Unvermeidbar» in ihrer Art einzigartig sei. «Trotz teilweise unkonventioneller und eher unprofessioneller Führung gehört sie zweifelsohne zum Badener Kulturgut und sollte dringend erhalten werden.»

Ob die Unterschriften Wirkung zeigen, ist noch unklar. Gespräche mit dem Vermieter sind bis jetzt ergebnislos verlaufen. «Der Vermieter will einen professionellen Gastrobetrieb drin haben», sagt Stella Palino. «Dabei betreibe ich die ‹Unvermeidbar› schon seit 2010 erfolgreich. Und solange ich die Miete zahle, geht es ihn nichts an, wie wir unser Kulturcafé führen.»

Vermieter Rolf Schmidli hält fest dass zwar eine Entschuldigung stattgefunden hat, "dies jedoch fernab von jeder Einsicht und von jedem Verständnis über die Sache". Und weiter: «Sie konnte mich nicht annähernd davon überzeugen, dass die Fenster in Zukunft nicht mehr während Tagen und Nächten in vollkommener Abwesenheit offenbleiben.»

In einem 500-jährigen Altstadthaus mit Holzriegelkonstruktion führe die Feuchtigkeit zu nicht wieder herstellbaren Schäden an der tragenden Bausubstanz, sagte er bereits letzte Woche. Seit Jahren habe er Stella Palino immer wieder mündlich und schriftlich an verschiedene Sicherheits- und Sorgfaltspflichten erinnern müssen und 2014 bereits die Kündigung angedroht. 

Zur Unterschriftensammlung sagt er: "Ich bin auch ein überaus kultureller Mensch bin und liebe dieses Lokal." Aber man müsse sich auch an gewisse Gesetze halten. Mit all den wiederkehrenden Missachtungen der Sorgfaltspflichten trotz etlicher Mahnungen habe Stella Palino schlussendlich den Mietvertrag verletzt und die Kündigung herbeigeführt. 

Stella Palino und ihr Anwalt Markus Leimbacher hoffen nun darauf, sich heute bei der Schlichtungsbehörde einigen und so die Kündigung abwenden zu können. Dass das Lokal bis Ende Oktober geräumt werde, sei illusorisch, sagt Leimbacher. «Im schlimmsten Fall dauert das sicher bis Ende Jahr.»

«Ich überlege mir, Baden zu verlassen»

Stella Palino hat schlaflose Nächte. (5. Oktober 2017)