Stadtammannwahl Baden

«Stehe für 90 Prozent der Bevölkerung ein»: Aussage von Sandra Kohler sorgt für Kritik

Stadtammann-Kandidatin Sandra Kohler sagt, sie stehe als Parteilose für 90 Prozent der Bevölkerung. Das sorgt in sozialen Medien für Diskussionen.

Der Stadtammann-Wahlkampf verläuft in den sozialen Medien ruhig, mit einer Ausnahme: Auf der Facebook-Seite der parteilosen Kandidatin Sandra Kohler ist eine Diskussion um eine Aussage entbrannt, die sie unter anderem am Wahlkampfpodium des Badener Tagblatts machte. «Es wird mir zum Teil als Schwäche ausgelegt, aber für mich ist es eine Stärke. Ich bin überzeugte parteilose Kandidatin. Damit stehe ich für 90 Prozent der Bevölkerung ein, die ebenfalls parteilos sind.»

Diese 90-Prozent-Aussage Kohlers sorgt für viel Gesprächsstoff. CVP-Einwohnerrat Mathias Schickel beispielsweise lieferte sich mit ihr dazu ein öffentlich einsehbares Wortgefecht auf Facebook. «Die Argumentation, dass Du angeblich für 90 Prozent der Bevölkerung stehst, wird in der Bevölkerung als sehr schräg und auch falsch empfunden», schrieb er ihr. Es gebe sehr viele Wähler, die keiner Partei angehörten und dennoch Kandidaten von Parteien wählten. Beispielsweise hätten bei den Einwohnerratswahlen 46,5 Prozent der Badener Stimmberechtigten, darunter auch Parteilose, ihre Vertreter ausgewählt, so Schickel. Er wähle lieber eine Person, deren politisches Umfeld er kenne, deren Dossierkenntnis er einschätzen könne und von der er wisse, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen könne.

Marianne Binder, CVP-Grossrätin, sagt: «Der Anspruch, 90 Prozent der Bevölkerung zu vertreten, ist schon recht keck. Das wären ja beinahe nordkoreanische Verhältnisse. Aber im Ernst: Nur, weil die meisten Bürgerinnen und Bürger keine eingeschriebenen Parteimitglieder sind, heisst das ja nicht, dass sie weder eine politische Meinung haben noch sich positionieren.» Stadtammann-Kandidat Erich Obrist sei ja ebenfalls parteilos, aber als ehemaliges SP-Mitglied politisch links definiert. Wo Sandra Kohler positioniert sei, erlaube sie sich nicht zu beurteilen, weil sie da zu wenig wisse, sagt Binder. Sicher aber sei: «Man kann Wähler nicht einfach in den gleichen Topf werfen. Parteilos ist nicht gleichbedeutend wie unparteiisch.»

«Ich glaube, ich bin einer der grössten Baden-Fans»

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Drei Fragen an Stadtammann-Kandidatin Sandra Kohler.

Sandra Kohler erklärte auf Facebook: «Ich sage nicht, dass mich 90 Prozent wählen, sondern dass ich wie 90 Prozent der Bevölkerung parteilos bin und deshalb stellvertretend für diese 90 Prozent stehe. Ich verstehe nicht, wieso das einige irritiert.» Auf Anfrage präzisiert sie: «Mir käme es nie in den Sinn zu behaupten, 90 Prozent der parteilosen Wähler hätten keine politische Meinung. Zum Glück ist das nicht so. Aber das ist auch nicht der Kern der Diskussion. Es geht darum, dass ich überzeugt bin, dass parteilose Politik der Weg der Zukunft ist.» Die Gesellschaft habe keine Lust mehr auf das Parteiensystem. «Die Leute wollen von Thema zu Thema entscheiden und sich nicht eine parteipolitische Meinung aufzwängen lassen. Das ist für neun von zehn Menschen der Grund, weshalb sie keiner Partei angehören, so wie auch ich nicht.» Dass ihre Aussage so polarisiere, hänge wohl damit zusammen, dass noch viele Politiker krampfhaft an das Parteiensystem glaubten. «Viele glauben, man müsse einer Partei angehören und schon viel politische Erfahrung mitbringen, um Stadtammann werden zu können. Ich gehe einen anderen Weg.»

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