Interview

Stefanie Heimgartner wird Nationalrätin: «Das Geschlecht ist nicht entscheidend»

Stefanie Heimgartner rutschte am Sonntag in den Nationalrat nach.

Stefanie Heimgartner rutschte am Sonntag in den Nationalrat nach.

Die Badener SVP-Politikerin wurde am Sonntag quasi still und heimlich in den Nationalrat gewählt. Wie sie feiert, wann sie als Grossrätin zurücktritt und ob sie die Männerdominanz in der Aargauer Regierung stört, darauf antwortet sie im Interview.

Gratulation zu Ihrer Wahl, die ja streng genommen bereits am 20. Oktober erfolgt ist. Trifft die Vermutung zu, dass Sie am Sonntag einen entspannten Tag erlebten, standen doch die Wahlen von Hansjörg Knecht und Jean-Pierre Gallati relativ bald fest.

Stefanie Heimgartner: Nein, ganz und gar nicht. Ich habe vor allem am Anfang doch noch ziemlich gezittert. Denn es sah zuerst relativ knapp aus und die beiden grossen Bezirke Baden und Aarau, die tendenziell eher links wählen, waren noch nicht ausgezählt. Erst als das Resultat schwarz auf weiss feststand, konnte ich mich entspannen und war natürlich hoch erfreut.

Wie haben Sie Ihre Wahl gefeiert?

Eigentlich gar nicht gross. Am Nachmittag habe ich mit Freunden den Adventsmarkt auf Schloss Liebegg besucht. Am Abend haben wir dann noch im kleinen Kreis in der «Linde» auf meine Wahl angestossen.

Sie haben gar keine Wahlfeier geplant?

Nicht direkt. Am 30. November war so oder so eine kleine Dankesfeier für alle meine Helfer und Unterstützer geplant. Nun wird diese Feier zusätzlich eine Wahlfeier (lacht).

Es war ja nicht nur für Sie persönlich, sondern auch für Ihre Partei ein Freudentag.

Absolut: Wir haben den Regierungsratssitz wieder zurückerobert und sind nun wieder im Ständerat vertreten. Darum finde ich auch überhaupt nicht, dass die SVP im Aargau als Verlierer bezeichnet werden kann, auch wenn wir im Nationalrat einen Sitz verloren haben.

Wie sehr schmerzt es Sie, dass sich der Ständerat wie auch der Regierungsrat nur aus Männern zusammensetzt?

Überhaupt nicht, zumal es ja in der grossen Kammer aus dem Aargau mehr Frauen als Männer hat. Ich halte die Geschlechterfrage nicht für entscheidend. Entscheidend ist, dass gute, motivierte Personen gewählt werden. Gut möglich, dass bei der nächsten Wahl wieder Frauen für den Aargau in den Ständerat geschickt und in den Regierungsrat gewählt werden.

Bald schon steht die erste Session Anfang Dezember an. Haben Sie schon Ihren Rücktritt als Grossrätin eingereicht?

Ich bin jetzt grad am Verfassen des Rücktrittsschreibens, das ich am Dienstag einreiche.

Wird es Ihnen auf den ersten Tag in Bern reichen?

Ja, wenn alles rund läuft, sollte ich laut Auskunft der Parlamentsdienste am 2. Dezember meine erste Session in Angriff nehmen können.

Werden Sie als Transportunternehmerin mit dem LKW nach Bern fahren.

Nein (lacht), ich werde mit dem Zug reisen.

Worauf freuen Sie sich am meisten? Wo würden Sie sich am liebsten einbringen?

Aufgrund meines beruflichen Backgrounds liegen mir die Themen Verkehr und Sicherheit natürlich am nächsten. Aber mir ist auch klar: Es ist kein Wunschkonzert, als Neue nehme ich Einsitz in den Kommissionen, die man mir zuteilen wird.

Werden Sie das Vakuum von Ueli Giezendanner als Transport-Politiker füllen?

Das werden wir sehen. Aber klar, ich will dem Transportgewerbe eine starke Stimme geben. 

Sind Sie nervös?

Nicht wirklich, auch wenn ich jetzt halt die Einführungstage verpasst habe. Ich nehme es einfach, wie es kommt. Ich stehe zudem unter anderem in engem Kontakt mit meiner ebenfalls neu gewählten Parteikollegin Martina Bircher, die mir schon viele nützliche Infos geben konnte.

Sie arbeiten rund 80 Prozent in der Familienfirma. Wie wird sich das Nationalratsmandat auf den Beruf auswirken?

Das müssen wir jetzt schauen. Aber ich werde mein Pensum sicher anpassen müssen.

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