Baden
Stadtbaum gefällt: Jetzt ist das erste «Mammutbaum-Baby» geboren

Der gefällte Schulhausplatz-Mammutbaum hat Nachwuchs bekommen. Das Experiment gestaltet sich schwieriger als man denken würde. Denn dazu musste das Team «Stadtbaum» den Winter vortäuschen.

Sabina Galbiati
Drucken
Teilen
Das Mammutbaum-Baby ist geboren - So «fällt» der Mammutbaum am Badener Schulhausplatz
14 Bilder
Pius Graf vom Stadtforstamt klettert Meter für Meter den Baum hoch und schneidet dabei die Äste.
Das Geäst türmt sich dabei rund um den Baumstamm am Boden.
Stefan Benninger, Initiant des Projekts Stadtbaum, rettet einige Tannzapfen, die er im Wald pflanzen will.
Vor der Znünipause wird noch die Säge geschärft.
Der Mammut-Garten gehört nun definitiv zur Vergangenheit.
Und dann war nur noch die Spitze übrig.
Bis Pius Moser in gut 20 Metern Höhe die Spitze durchsägte.
Mit dem Kranen werden die Äste weggeräumt.
Stück für Stück arbeitet sich Pius Moser wieder nach unten.
Rund um den Boden wird der Stamm freigelegt, um ihn knapp über dem Boden ein letztes Mal durchzusägen.
Bis die Spitze fällt: Der Badener Mammutbaum verliert am 29. Juli 2015 Stück für Stück sein Leben.

Das Mammutbaum-Baby ist geboren - So «fällt» der Mammutbaum am Badener Schulhausplatz

zvg

3 Zentimeter gross, 5 Gramm schwer und wohlauf: Nachdem Ende Juni der Mammutbaum am Schulhausplatz gefällt wurde, hat nun sein erster Nachkomme das Licht der Welt erblickt. Stefan Benninger und Stephan Müller haben als Teil des Projekts «Stadtbaum» rund 30 Samen des Mammutbaums gepflanzt.

Weil er über die Jahre vielen Badenern ans Herz gewachsen ist, werden Benninger und Müller aus dem Holz des Baumes Erinnerungsstücke schreinern lassen. Allerdings wird es noch über ein Jahr dauern, bis das Holz bearbeitet werden kann.

Bis es so weit ist, wollen die beiden aus den Samen des berühmten «Sequoia gigantea» neue Mammutbäume heranziehen. Sie sollen auf der Stadtbaum-Website, die im November online geht, verkauft werden.

Ob das Experiment «Mammut-Babies» gelingen wird, ist alles andere als sicher: Schon die Samen aus den Zapfen zu gewinnen, war eine Herausforderung. Denn zum Zeitpunkt der Fällung waren die Zapfen noch grün.

«Wir haben einige Äste auf den Balkon gelegt, damit die Zapfen reifen konnten», sagt Benninger. Als danach die Samen aus den Zapfen geholt waren, musste Benninger ihnen erst mal den Winter vortäuschen. «Ich habe sie für zwei Wochen im Kühlschrank gelagert, weil die Samen in der Natur eigentlich erst im Frühling keimen würden», sagt er.

Nachdem Mutter Natur ausgetrickst war, kamen die Samen in die Erde. «Dann passierte zwei Wochen lang gar nichts», erzählt Benninger. «Wir hatten die Hoffnung fast schon aufgegeben, als ich eines Tages an den Blumentöpfen vorbeiging und zufällig das erste Bäumchen entdeckte.» Doch bisher tue sich bei den Geschwistern noch nichts. Das «Stadtbaum»-Team versucht es aber fleissig weiter und hat noch mehr Samen gesät.

Für das erste Kind suchen die beiden nun einen Namen. Erste Vorschläge gibt es bereits auf der Facebook-Seite «Stadtbaum», wo die beiden regelmässig über den Stand des Projekts informieren.

Damit das Bäumchen – seinem Ursprung nach ein Kalifornier – optimal gedeihen kann, will sich Benninger ein kleines Treibhaus für die Wohnung kaufen. «Dort drin kann das Bäumchen in einem feucht-warmen Klima weiterwachsen.»

Badener Geist machts möglich

Für all jene, die selber ein Mammutbäumchen grossziehen wollen, stellt das «Stadtbaum»-Team ein Starter Kit mit Samen und einer Anleitung zusammen. «Auch mit den Zapfen wollen wir etwas machen.» Was es sein wird, sei momentan aber noch nicht spruchreif.

Die Einnahmen aus den Verkäufen sollen in erster Linie die Selbstkosten tragen. «Für uns ist es eine Herzensangelegenheit und ein Hobby», sagt Benninger. Einen Teil des Erlöses aus den Holz-Souvenirs wollen sie der Stadt für Neuanpflanzungen von Bäumen geben.

Die Souvenirs sollen pünktlich zur Badenfahrt 2017 verkaufsbereit sein. «Die Schreinerarbeiten werden wir von verschiedenen Betrieben in der Region machen lassen. Dabei möchten wir auch Sozial- und Lehrlingsbetriebe berücksichtigen», sagt Benninger.

Jedes Erinnerungsstück wird die Koordinaten des ehemaligen Baumstandortes eingraviert bekommen: «47.47134 ̊N – 8.30600 ̊E». Im Sinne dieser Koordinaten-Philosophie soll das Pilotprojekt ausgeweitet werden.

Aus Objekten, die städtebaulichen Massnahmen weichen müssen – alte Gebäude oder eben prägende Stadtbäume – sollen Design-Objekte gestaltet werden. «So bleibt das Alte immer in guter Erinnerung».

Dass bereits das «Stadtbaum»-Projekt auf so viel Resonanz stösst, sei nur dank des «Badener Geist» möglich. «Die Leute identifizieren sich stärker mit der Stadt, als es in einer Grossstadt der Fall wäre», vermutet Benninger.

Aktuelle Nachrichten