Am 23. Januar wird das neue Hallensportzentrum in Station Siggenthal eingeweiht: Die GoEasy Sport- und Freizeitarena. Innert einer Bauzeit von sieben Monaten ist anstelle der Gokart-Halle ein Hallensportzentrum mit zwei Dreifachhallen, davon eine Wettkampfhalle mit Platz für 2000 Zuschauer, Fitnesscenter, Physiotherapie und Sporthotel erstellt worden. Die Finanzierung des rund 13 Millionen Franken teuren Projekts sei gesichert, konnten die Initianten im Juni 2015 bei Baubeginn verkünden.

Jetzt will der Stadtrat Baden der GoEasy Freizeit & Event AG noch unter die Arme greifen. An seiner nächsten Sitzung soll der Einwohnerrat ein Darlehen von einer Million Franken gewähren.

Der Zinssatz ist auf vier Prozent vereinbart bei einer Laufzeit von zehn Jahren. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Verzinsung des Fremdkapitals der Stadt Baden lag im 2014 bei 0,97 Prozent. Das Badener Darlehen ermöglicht der GoEasy, bei der Valiant Bank als Hypothekar-Gläubigerin günstigere Konditionen zu erreichen. Der Gewinn für die Stadt Baden – nebst der Rendite – besteht darin, dass sie im GoEasy kostenlos an einem fixen Trainingsabend wöchentlich eine Dreifachhalle und zusätzlich an vier Wochenendtagen pro Jahr die gesamte Arena nutzen kann.

Für weitere Nutzungen hätte die Stadt Vorzugskonditionen. Nach dem Nein zur Dreifachhalle in der Burghalde kann die Stadt Baden damit auswärts den Bedarf einer wettkampftauglichen Halle abdecken.

Nebst dem hohen Zinssatz von vier Prozent und einem Darlehen für eine Sporthalle einer privaten Gesellschaft dürfte jedoch ein anderer Aspekt zu reden geben: Der neue Verwaltungsleiter der Stadt Baden, Christian Villiger, war zuvor Geschäftsführer der GoEasy Freizeit & Event AG, hat zwar dieses Mandat abgelegt, ist aber immer noch Verwaltungsratsmitglied. Als Interessenskonflikt kann auch seine Tätigkeit als Geschäftsleiter der TV Endingen Handball GmbH gewertet werden, denn die Endinger werden künftig ihre Heimspiele im GoEasy austragen.

Stadtammann Geri Müller klärt auf

«Die Go Easy Freizeit & Event AG hat nebst Baden weitere Gemeinden angefragt, ob sie ihre Hallenkapazitäten erweitern wollen», erklärt Stadtammann Geri Müller. «Die Abteilung Sport hat dies klar bejaht, erinnern wir uns an die Debatte über die Dreifachturnhalle an der Burghalde, die wesentlich teurer gekommen wäre.» Die Abteilung Finanzen habe die Darlehensfrage ebenso positiv bejaht. «Dass Verwaltungsleiter Christian Villiger im Verwaltungsrat der GoEasy AG sitzt, war dem Stadtrat bewusst.» Er habe nach dem üblichen Prinzip gehandelt, das in einer Kleinstadt wie Baden immer wieder angewendet werde: «Der Einsitz in einer Privatfirma soll dem Betroffenen weder einen Vorteil verschaffen noch zum Nachteil gereichen.» Die Stadt profitiert laut Müller von diesem Geschäft maximal, und deshalb betrachte der Stadtrat dieses Geschäft als opportun.

Villiger sei nicht in die Verhandlungen involviert gewesen. Der Stadtammann habe direkt mit dem Verwaltungsratspräsidenten Beat Anliker verhandelt.» «Ich kann diesen Vorgang nur bestätigen», erklärt Christian Villiger.

«Die Anfrage der GoEasy bei der Stadt Baden erfolgte im August 2015 durch mich», sagt Beat Anliker. Er bestätigt, dass Villiger nie bei Verhandlungen dabeigewesen sei. Anliker ist überzeugt, dass dieses Darlehen für die Stadt, die Badener Unihockeyaner, für die Sportler, welche die GoEasy-Hallen benutzen werden, wie auch für die GoEasy Freizeit & Event AG selber einen Gewinn bringe.

Sportlich ein Befreiungsschlag

Dass sich die Stadt Baden beim GoEasy finanziell engagieren will, bezeichnet Andres Greter, Sportkoordinator der Stadt Baden, nach dem Nein zur Dreifachhalle im Oberstufenzentrum Burghalde als einen «sportlichen Befreiungsschlag». Greter: «Wir lösen damit in erster Linie das grosse Problem der Unihockeyaner, die in Baden nirgendwo eine Möglichkeit haben, regelkonform Meisterschaftsspiele auszutragen.»

Aus dieser Sicht gesehen, sei die Gewährung eines Darlehens und die Möglichkeit, einen Abend kostenlos eine grosse Halle benutzen zu können, für die GoEasy Event AG und die Stadt eine Win-win-Situation. Greter ist jedoch überzeugt, dass Zukunftspläne für neue Sporthallenlösungen in der Aue oder im Tägerhard nicht tangiert oder etwa begraben würden. Die personelle Konstellation mit Christian Villiger als Verwaltungsleiter und zugleich Verwaltungsrat der GoEasy Event AG will Greter nicht überbewerten. «Sie mag grenzwertig erscheinen, für mich stehen hier jedoch die sportpolitischen Argumente im Vordergrund», sagt der Sportkoordinator.

Das Darlehen sei als eine Geldanlage zu betrachten, erklärt Thomas Bumbacher, Leiter Finanzen der Stadt, der das Geschäft geprüft hat. «Eine Rendite von vier Prozent darf im heutigen Zeitpunkt als hoch bezeichnet werden», sagt Bumbacher. Die Konditionen seien marktüblich, das Risiko im Falle eines Konkurses der Firma bei Grundpfandrechten im Umfang von 15,1 Mio. Franken gering, zumal auch vorgesehen sei, die Hypotheken rasch zu amortisieren. Angesichts der guten Hallenauslastung geht man davon aus, dass dies auch gelingen werde.

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