Als Spreitenbacherin hab ich’s ja eigentlich schon immer gewusst: Spreiti ist krass. Dietikon ist auch krass, aber Spreitenbach hat noch dieses krasse, gewisse Etwas. Oder könnte es sein, dass Dietikon doch ein kleines bisschen krasser ist?

Nein, Spass bei Seite, wir wissen ja, wie das sonst enden wird. Nun, ich muss schon sagen, ich war geschockt, als ich die Medienberichte gelesen und mir die Videos angesehen habe. Denn was für alle so neu zu sein scheint, ist ehrlich gesagt schon fast so alt wie ich. Die Rede ist vom Clinch zwischen Spreitenbach und Dietikon. Wie Sie oben bereits gelesen haben, können wir uns einfach nicht drauf einigen, welche Gemeinde die dickeren Eier in der Hose hat.

Ich würde an dieser Stelle gerne sagen «früher war alles besser.» Doch für diese Aussage bin ich noch etwas zu jung und sie entspricht in dieser Hinsicht nicht ganz der Wahrheit. Stattdessen sage ich, vor zehn Jahren, als meine Freunde und ich noch in unserer «Spreitigangster-Selbstfindungsphase» waren, war alles anders.

Zum Beispiel ging damals einer auf einen los, und nicht vier auf einen. Und während vor zehn Jahren noch die meisten Anwesenden dazwischengingen, zücken die Leute heute ihr Handy. Jemanden mit einem Messer verletzen? Unvorstellbar! Einen Bericht in der Zeitung? Niemals, wer will denn bitteschön von den Eltern mehr versohlt werden als von der rivalisierenden Gemeinde?! Das sind nur wenige Punkte, sie sind schrecklich und nicht schönzureden, aber eben anders. Die Schlagzeilen, die für alle ausserhalb von Spreitenbach neu sind, schockieren verständlicherweise trotzdem, denn die Gewalt nimmt zu und wird nicht nur öffentlich geteilt, sondern auch von vielen Menschen gelikt.

Es ist ein schwieriges Thema und wird wohl noch für einige Zeit Sozialarbeiter, Eltern, Polizei etc. auf Trab halten. Fakt ist, man wird älter, klüger (das hoffe ich jedenfalls) und beginnt, sich nach solchen Vorfällen für seinen Wohnort zu schämen und sich völlig zu Recht die Frage zu stellen: Wie lange soll das noch so weitergehen? Die Antwort darauf kenne ich leider nicht, aber eines sollte klar sein: es interessiert, bis auf 30 Jugendliche, wirklich niemanden, wer krasser ist!

*Daniela Jeanneret ist 25 Jahre alt und arbeitet in einer Werbeagentur. Sie ist in Spreitenbach
aufgewachsen und lebt in Neuenhof.