Baden

Sprayaktion auf Bahnhofplatz: Warum die Juso-Politiker um eine Anzeige herumkommen

Die Juso hinterlassen einen «Klima-Friedhof» mitten in Baden.

Die Juso hinterlassen einen «Klima-Friedhof» mitten in Baden.

Die Juso Aargau wollen mit Sprayaktion auf Klima- und Migrationskrise aufmerksam machen – auch in Baden.

«Die ungebremste Klimakrise wird Milliarden Menschen töten und in die Flucht treiben!» Dieser Satz war am frühen Donnerstagmorgen in weisser Schrift auf dem unteren Bahnhofplatz in Baden zu lesen. Auf dem Platz verteilt waren auch mehrere Grabstein-Sprayereien mit christlicher, jüdischer und muslimischer Symbolik: ein multikultureller «Klima-Friedhof» mitten in Baden.

Die Sprayaktion war in der Nacht zuvor von der Juso Aargau ausgegangen. In einer Medienmitteilung schreiben sie, dass sie mit dem «Klima-Friedhof» zum «schnellen und drastischen Handeln» sowohl in der Klima- als auch Migrationskrise mahnen wollen.

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Wetterextreme und Naturkatastrophen würden nämlich schon heute Menschen zum Flüchten zwingen. Experten schätzen, dass in den kommenden 50 Jahren bis zu einer Milliarde Menschen deshalb ihre Heimat verlassen müssten. Konkret fordern die Juso daher die Aufnahme von 500 Geflüchteten aus den Lagern in Griechenland im Aargau, den konsequenten Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien und eine «Just Transition» –dass also die Kosten des Wandels nicht auf die Arbeiter abgewälzt werden.

Werkhof entfernte Sprayereien am nächsten Morgen wieder

«Uns ist klar, dass eine solche Aktion nicht allen gefällt. Aber wir sehen unsere Aufgabe darin, den politischen Diskurs zu verschieben und die Aufmerksamkeit auf Themen und Menschen zu lenken, die sonst keine Plattform haben», erklärt Cybel Dickson, Juso-Vize-Präsidentin und Regierungsratskandidatin aus Bad Zurzach. Ein Zusammenhang mit der Forderung mehrerer Einwohnerräte aus Baden, 14 Geflüchtete von der griechischen Insel Lesbos aufzunehmen, bestehe allerdings nicht. «Bei einer solchen humanitären Katastrophe begrüssen wir jegliches Engagement.» Jede Person, die dort zurückgelassen werde, sei eine zu viel.

Von langer Dauer war der «Klima-Friedhof» allerdings nicht. Der Werkhof entfernte die Sprayereien am Donnerstagmorgen direkt mit dem Schwemmfahrzeug wieder. Bei aufwendigeren Entfernungsaktionen werden die Sprayer zum Entfernen aufgefordert oder Arbeit des Werkhofs in Rechnung gestellt. «Das hätten wir auch in Kauf genommen», so Dickson.

Die Juso Aargau hätten aber bewusst mit einfach zu entfernendem Kreide-Spray gearbeitet – eine Anzeige wegen Vandalismus hätte wohl den finanziellen Rahmen gesprengt. Werkhofsleiter Thomas Stirnemann erklärt auf Anfrage, dass man von einer Inrechnungstellung absehe: Der Aufwand sei schlicht zu klein gewesen, dass sich weitere Schritte lohnen würden. Er merkt dennoch an, dass die Juso statt einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine städtische Bewilligung hätten einholen müssen. Der Vorfall sei dokumentiert worden.

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