Baden

«Sportler des Herzens» duellieren sich verbal im Kornhaus

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Am Freitag und Samstag überboten sich Vivianne Mösli und Michael Wolf gegenseitig und liessen keine Gelegenheit aus, das Publikum zu verblüffen. Als «Sportler des Herzens» massen und balgten sie sich auf der Bühne, die zu ihrer Welt geworden ist. Getrieben von der Sucht nach Erfolg und Applaus. Hauptsache, sie sind im Rampenlicht.

Trotz Samichlaus und Wochen–end-Programm füllt sich das Kellertheater im Thik mit einem bunt gemischten Publikum, das vergeblich wartet, bis sich der Vorhang öffnet. Denn die Bühne ist frei für die «Sportler des Herzens» und bereits mit Requisiten und Kostümen dekoriert. Das Bühnenlicht leuchtet hell.

Vivianne Mösli murmelt die ersten Worte aus einem Eisbärenfell zu ihrem Partner Michael Wolf, der sich aus einem Papiersack schält und zu ihr gesellt. Bald jagen sich Dialoge und Zitate aus bekannten Stücken aus Film und Theater. In Mundart, Hochdeutsch, Französisch, Englisch und Italienisch. Ob als enttäuschte Frau mit berndeutschen Flüchen, als Maria Stuart und Geliebte oder als Pizzaiolo, Metzgermeister und edler Ritter – die beiden können auf ein Stichwort alles spielen. Die Bühne ist ihr Leben.

«Man muss sich den Raum nehmen, wenn er da ist, und als Schauspieler verwandle ich Scheisse in Gold», blufft Michael. «Die Pause ist kein Loch, sie baut die Spannung auf», ergänzt Vivianne.
Doch dann vermissen beide die Echtheit.

«Ich möchte mal einen echten Mond, nicht immer nur so tun als ob», beklagt er sich. «Du musst es Dir einfach vorstellen können», entgegnet sie. Wenn etwas nicht klappt, ist immer der andere schuld. Ihre Hassliebe lässt sie zwar unentwegt streiten, aber nicht voneinander scheiden. Als Schicksalsgemeinschaft toben, rezitieren und lieben, träumen und hoffen sie. Sie tun alles für die Gunst des Publikums, kennen weder Grenzen noch scheuen sie Mühen. Hauptsache, sie sind im Rampenlicht.

Hin- und hergerissen zwischen Zweifel, Zwietracht und Gier nach Erfolg und Ruhm jonglieren sie mit Witz und Skurrilitäten – aber auch mit Tiefgang und vor allem mit Herz – von der Faszination des Anfangs bis zur brutalen Frage: Was bleibt wohl am Ende, wenn alles aus ist? So wird das Publikum immer mehr in ein Suchspiel nach dem Sinn des Spielens und des Daseins verwickelt.

Wie und wann soll man Abschied nehmen und warum eigentlich? Ob Künstler, Politiker, Prominenz oder einfacher Mensch: Wann ist es Zeit, um loszulassen, was doch wichtigster Teil des Lebens war – Beachtung, Anerkennung, Lob und Ehre? Oder war es gar Liebe?

Das Lachen bleibt teilweise im Hals stecken

Zwar bringen uns die beiden immer wieder zum Lachen, aber oft bleibt es im Hals stecken und trifft den einen oder die andere mitten ins Herz. Alles hat seine Zeit, und auf einmal ist sie um. Dabei hat sich das Ende womöglich schon längst angekündigt. Viele Gäste bleiben nach Spielschluss noch sitzen. Vielleicht, weil kein Vorhang fällt. Doch ein Nebel hat die beiden auf der Bühne umhüllt. Sanft, verständnisvoll und versöhnlich.

An der Bar hat Nadine Tobler, die Leiterin des Theaters, mit ihrer Kollegin viel zu tun und empfiehlt mir ein Glas fruchtigen Rotwein aus Italien oder gar einen kräftiger Spanier. Und schon beginnt die eine oder der andere zu erzählen. Das Spiel klingt nach, die Szenen tauchen wieder auf. Auch auf dem Heimweg.

Loslassen möchte man die Fragen und Zweifel. Mögen sie hinauf bis zu den Weihnachtslichtern in den Gassen fliegen. Sollen sie dort schweben, vereint mit den Träumen und Wünschen zum Jahresende.

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