Jährlich fliessen 1,1 Prozent des gesamten Spitalabwassers in die Limmat statt in die Kläranlage. Denn bei starkem Regen ist die Kanalisation überlasten und kann nicht mehr das gesamte Abwasser aufnehmen. Das Kantonsspital Baden (KSB) baut deshalb im Zuge des Neubau-Projekts auch ein Rückstaubecken mit Pumpwerk und Kanalisation. So wird das Spitalabwasser künftig in das separate Rückstaubecken gepumpt, ehe es in die Kläranlage Baden weitergeleitet wird. So wird verhindert, dass Abwasser bei starkem Regen in die Limmat fliesst. Über zwei Millionen Franken investiert das KSB in die Anlage mit Pumpwerk.

«Wir haben uns für diese Bestvariante entschieden, weil es sich um eine zukunftsorientierte und nachhaltige Lösung handelt», sagt KSB-CEO Adrian Schmitter. «Aus ökologischer Sicht setzt das KSB damit neue Massstäbe», wie es in einer Medienmitteilung des Spitals heisst. «Es wird gewährleistet, dass Spitalabwasser bei starkem Regenwetter nicht direkt in die Limmat gelangt.» Dank dem geplanten Rückstaubecken mit einem Volumen von 300 Kubikmetern kann bei jeder Witterung mindestens 99,7 Prozent des Abwassers in die kommunale Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Baden geleitet werden.

Röntgenkontrastmittel im Wasser

Bereits zwischen 2007 und 2010 hatte das KSB sich an einer Studie des Wasserforschungsinstitutes Eawag beteiligt. Dabei wurde die Emission von Mikroverunreinigungen aus Spitälern untersucht. So weiss man inzwischen, dass Spitalabwässer Medikamentenrückstände, Röntgenkontrastmittel und Antibiotikaresistenzen enthalten. Mit dem Urin beispielsweise scheidet der menschliche Körper bis zu 70 Prozent der eingenommenen Medikamente aus.

Ob und wie sich solche Abfallstoffe auf Ökosysteme auswirken, ist noch nicht im Detail erforscht. Der Bundesrat hat daher beschlossen, das Wissen über Stoffeinträge aus Gesundheitsbetrieben zu erweitern und allfällige Massnahmen zu prüfen. «Bei der Planung des Neubaus hat das KSB eng mit Wissenschaftlern, Ingenieuren und Verfahrenstechnikern sowie der kantonalen Abteilung für Umwelt zusammengearbeitet», heisst es weiter.

Die Experten kamen zum Schluss, dass eine Behandlung der KSB-Abwässer vor Ort sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll ist. Grund: In der lokalen Kläranlage stammen bloss vierzig Prozent der Medikamentenrückstände aus dem Abwasser des KSB; die restliche Menge kommt aus der Siedlungsentwässerung. Massnahmen in der ARA in Baden, so das Fazit, sind daher sinnvoller und effizienter. (AZ)