Später als ursprünglich geplant, aber dafür schöner als anfänglich gedacht, wird am kommenden Samstag in Spreitenbach das vierte und grösste Recycling-Paradies von Karin Bertschi und ihren Geschwistern Olivia, Sabine und Daniel eröffnet. Gerade rechtzeitig für ein epochales Ereignis: Als letzte Gemeinde im Aargau, ja sogar in der Deutschschweiz, wird Spreitenbach am 1. Oktober die Sackgebühr einführen.

Statt zwei Hallen ist auf Verlangen der Gemeinde eine grosse, eine fünfeckige, gebaut worden – damit sie optisch von allen Seiten gut ins Landschaftsbild passt. «Der Standort ist sensationell», schwärmt Karin Bertschi. Die Bertschis haben an der Industriestrasse Ost (Tivoli, Ikea) ein 55 Aren grosses Grundstück gekauft. Angesprochen wird eine private und gewerbliche Kundschaft. Es können über 30 Arten von Recyclinggütern abgegeben werden – fast alles kostenlos. Von der Kaffeekapsel (Aluminium) bis hin zur Kaffeemaschine. Und all das mit einer doppelten Premiere: Erstmals ist ein Recycling-Paradies durchgehend von 8 bis 18 Uhr offen (Montag bis Samstag). Und am Freitag gibt es so etwas wie einen Abendverkauf: Das Recycling-Paradies ist bis 20 Uhr geöffnet.

Die Halle ist «stöckelschuhtauglich», wie Karin Bertschi betont. Die Wände sind auf der Innenseite mit Akustikplatten versehen – so wird es nicht zu laut. Und damit sich Kunden nicht in die Quere kommen, hat es erstmals in einem Recycling-Paradies Parkplatz-Markierungen auf dem Boden.

Die Recycling-Sammelstelle "Recycling Paradies" eröffnet am 10. Augus die vierte und ihre grösste Filiale im Aargau. Im Industriegebiet Spreitenbach kann man künftig diverse Abfälle entsorgen und recylen lassen. Im Bild: vlnr Die Geschwister Olivia Bertschi (Finanzen), Karin Bertschi (Geschäftsführerin), Daniel Bertschi (Leiter Technik) und Sabine Frei (Leiterin Personal)

Die Recycling-Sammelstelle "Recycling Paradies" eröffnet am 10. August die vierte und ihre grösste Filiale im Aargau.

Die Recycling-Sammelstelle "Recycling Paradies" eröffnet am 10. Augus die vierte und ihre grösste Filiale im Aargau. Im Industriegebiet Spreitenbach kann man künftig diverse Abfälle entsorgen und recylen lassen. Im Bild: vlnr Die Geschwister Olivia Bertschi (Finanzen), Karin Bertschi (Geschäftsführerin), Daniel Bertschi (Leiter Technik) und Sabine Frei (Leiterin Personal)

Die Ecke mit dem Kinder-Paradies gehört zur Standardausrüstung. Einzigartig ist der grosse Schulungsraum. Die Bertschis schleusen bis 2500 Kinder pro Jahr durch ihre Anlagen – ohne dafür etwas zu verlangen.

Wie viel die vier Geschwister für die Halle in Spreitenbach ausgegeben haben, verraten sie nicht. Es ist von einem hohen einstelligen Millionenbetrag auszugehen. In Spreitenbach wurden sieben Arbeitsplätze geschaffen. Die Firma Recycling-Paradies AG beschäftigt heute insgesamt 25 Personen. Viele Teilzeitangestellte mit hohen Pensen – und zwei Drittel der Neuangestellten sind Frauen.

Das Unternehmen gehört zu gleichen Teilen (je ein Viertel) den Geschwistern Olivia Bertschi (Leiterin Finanzen), Sabine Frei-Bertschi (Leiterin Personal), Daniel Bertschi (Leiter Technik) und Karin Bertschi (Gesamtleiterin sowie Standortleiterin in Hunzenschwil und Spreitenbach). Das erste Recycling-Paradies wurde 2010 in Reinach eröffnet.

Karin Bertschi ist nicht mehr SVP-Grossrätin. «In unserem Unternehmen kann ich zurzeit wahrscheinlich mehr bewegen als in der Politik», sagt sie und fügt augenzwinkernd an: «In der Politik ist ja gerade Sommerpause. Die Wynentalerin hat gezügelt und wohnt nun im Eigenheim in Wettingen.

Die Recycling-Paradies AG ist weiter am Expandieren. Ein fünfter Standort sei in Planung, Details könne sie aber noch nicht verraten, sagt Karin Bertschi. Wie wichtig eine sorgfältige Planung ist, zeigte sich in Spreitenbach. Weil die Planer die Höhenquote falsch festgelegt hatten, gabs einen Baustopp. Die Anpassungen mussten nur auf dem Papier gemacht werden – an der Dimensionierung der Halle änderte sich nichts.