Obersiggenthal

SP-Gemeinderätin tritt überraschend zurück: «Ich habe kein schlechtes Gewissen»

Die Obersiggenthaler SP-Gemeinderätin Aline Schaich stellt ihr Amt zur Verfügung.

Die Obersiggenthaler SP-Gemeinderätin Aline Schaich stellt ihr Amt zur Verfügung.

Die Obersiggenthaler SP-Gemeinderätin gibt ihr Amt nach wenigen Monaten wieder ab. Das sorgt für Kritik – und bringt überdies ihre Partei unter Zugzwang.

Die SP Obersiggenthal eilte bei Wahlen zuletzt von Sieg zu Sieg, verdrängte gar die SVP aus dem Gemeinderat. Zwei von fünf Sitzen besetzen die Sozialdemokraten derzeit. Diese Woche aber hat Aline Schaich, seit Anfang 2018 im Amt, ihren Rücktritt bekannt gegeben. Leider sei es ihr nicht möglich, ihre Arbeitsstelle und ihr Amt unter einen Hut zu bringen, lautete ihre Begründung.

Ihr Rücktritt nach nur einem Jahr sorgt für Kritik. Das sei aus Sicht der Gemeinde sehr unglücklich, sagt SVP-Einwohnerrat Marcel Müller. «Unabhängig von Parteipolitik wäre es für Obersiggenthal wichtig, dass im Gemeinderat Kontinuität herrscht.» Für die Volkspartei bietet sich nun aber die Möglichkeit, im Mai den Sitz zurückzuerobern, der im Herbst verloren ging. «Das muss ganz klar unser Ziel sein», sagt Müller. «Aber wir wollen nur jemanden aufstellen, der das Amt auch wirklich ausüben will, genügend Zeit hat und die Fähigkeiten mitbringt.»

Aline Schaich sagt, sie habe das Amt keinesfalls auf die leichte Schulter genommen, im Gegenteil: «Ich reduzierte mein Arbeitspensum vor dem Amtsantritt um 20 Prozent, ohne zu wissen, welches Ressort ich im Falle einer Wahl erhalten würde. Dass die Ressorts Hochbau und Bildung derart zeitintensiv sind, hätte ich nicht erwartet, diesen Vorwurf muss ich mir gefallen lassen.» Am Willen habe es aber sicher nicht gefehlt. «Ganz oder gar nicht», laute ihr Motto. «Ich möchte Platz machen für jemanden, der sich der Bedürfnisse der Gemeinde im nötigen Ausmass annehmen kann.» Auf die Frage, ob sie kein schlechtes Gewissen gegenüber ihrer Partei habe, die nun unerwartet einen Sitz im Gemeinderat verteidigen muss, sagt sie: «Nein, ich habe kein schlechtes Gewissen.» Natürlich würde sie sich freuen, wenn die SP jemanden finden würde, um ihren Sitz zu verteidigen. «Wichtig ist mir aber in erster Linie, dass die Person wirklich für das Amt geeignet ist.»

War es für die SP im Nachhinein ein Fehler, auf Aline Schaich gesetzt zu haben? Hätte die Partei bei der Auswahl sorgfältiger vorgehen müssen? Fraktionspräsident Christoph Alder: «Auf keinen Fall. Sie schaffte es in einer schwierigen Zeit, in der es Kandidatinnen und Kandidaten nicht gibt wie Sand am Meer, unseren Sitz im Gemeinderat zu verteidigen. Dafür sind wir sehr dankbar, und sie verdient Respekt.» Für die Partei sei der Rücktritt aber sehr schade, sagt Alder. Wen die SP bei der Ersatzwahl ins Rennen schicken wird, sei noch unklar. Ebenso ungewiss ist, ob sie einen Kandidaten oder eine Kandidatin bei der Gemeindeammann-Ersatzwahl ins Rennen schicken wird, die ebenfalls am 19. Mai stattfinden wird. Schaich wird ihr Amt abgeben, sobald die Nachfolge geregelt ist, Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) tritt Ende Jahr ab.

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