Öffentlicher Verkehr

So sieht die Limmattalbahn aus – Verständnis im Aargau für Zürcher Vorbehalte

Ende 2022 wird die Stadtbahn zwischen Killwangen-Spreitenbach und Zürich-Altstetten erstmals fahren. Jetzt ist klar, wie die Fahrzeuge aussehen: Grau-Weiss-Blau, und mit einem prominenten Logo, das in Zürich zum Politikum wird.

Ende 2022 wird die erste Limmattalbahn zwischen Zürich-Altstetten und Killwangen-Spreitenbach unterwegs sein. Nun steht fest, wie die Stadtbahn aussehen wird: Blau, Weiss und Grau. Entlang des 44 Meter langen Gefährts prangt viermal der Schriftzug «Limmattal Bahn». Auffällig: Das Logo der Betreiberin, der Aargau Verkehr AG (AVA), wird auf beiden Führerkabinen des Zweirichtungsfahrzeugs sowohl auf der Front als auch seitlich angebracht. Das prominent platzierte Aargauer Logo wird in Zürich nun zum Politikum.

«Ich bin entsetzt, sagt Ernst Joss (Alternative Liste), Gemeinderat in Dietikon. Er will einen Vorstoss einreichen und den Dietiker Stadtrat auffordern, sich für eine Umgestaltung einzusetzen. «Die Fahrzeuge müssen klar als Limmattalbahn erkennbar sein», fordert er. Immerhin sei das Logo etwas kleiner geworden, als es die Betreiber ursprünglich gewünscht hätten.

Auch der Stadtpräsident von Dietikon, Roger Bachmann, stört das «nach wie vor sehr prominenten Logo der AVA». Gerade in den Anrainergemeinden sei der Widerstand gegen den Bau der Stadtbahn gross gewesen. «Umso wichtiger ist es, dass man alles daran setzt, eine Gestaltung zu finden, die bei der Bevölkerung grossmehrheitlich ankommt und so auch Identifikation schafft.»

«Verwirrung, ob Bahn nun bis nach Zürich fährt oder nicht»

Und Josef Wiederkehr, dem Präsidenten des Industrie- und Handelsvereins Dietikon, gefällt zwar der schlichte, moderne und recht zeitlose Look der Stadtbahn – doch auch bei ihm stösst das Logo auf wenig Gegenliebe: «Wünschenswert wäre ein kantonsübergreifender Auftritt der Betreibergesellschaften», sagt er. Andernfalls könnte bei wartenden Fahrgästen eine gewisse Verwirrung entstehen, ob die Bahn nun in Zürich hält oder nicht.»

Mathias Grünenfelder, stellvertretender CEO und Leiter Grossprojekte von Aargau Verkehr, entgegnet: «Die Fahrzeuge werden sich klar von anderen unterscheiden. «Das breite, blaue Fensterband spielt auf die Limmat an.» Dieses Blau verleihe den Fahrzeugen Eigenständigkeit und Identität. Zum Logo sagt er: « Aus unternehmerischer Sicht hätte ich natürlich gern gesehen, wenn unser Logo auf den Fahrzeugen grösser wäre. In ersten Entwürfen gab es auch entsprechende Varianten. Wir mussten aber eine für die ganze Region mehrheitsfähige Lösung suchen. Diese liegt nun vor, und ich bin mit ihr sehr zufrieden.» Zum Design der Bahn sagt er: «Es ist ein zeitloses Design. Es ist geradlinig, technisch, präzise. Und es verweist damit auch auf den öffentlichen Verkehr, dessen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.» Das finale Design habe der Zürcher Verkehrsverbund, Mehrheitsaktionär bei der Limmattalbahn AG, kürzlich bewilligt. «Ich bin überzeugt, dass das finale Design die Fahrzeuge überleben wird.»

Verständnis im Aargau für Zürcher Vorbehalte

Zwar gibt es aus den Zürcher Gemeinden, in denen die Limmattalbahn halten wird, auch viele positive Stimmen. Die Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) hebt den Blauanteil hervor, «der für unsere vom Wasser geprägte und dynamische Region steht». Und Schlierens Stadtpräsident Markus Bärtschinger (SP) spricht von einem «gediegenen, nicht marktschreierischen Auftritt ohne übergrosse Logos».

Doch selbst im Aargauer Limmattal gibt es Verständnis für die Kritik am prominent platzierten Aargauer Logo. Werner Scherer (SVP), Gemeindeammann von Killwangen, kann die Kritik nachvollziehen. «Bei der Limmattalbahn handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Kantone. Das sollte auf der Bahn sichtbar sein, beispielsweise mit den beiden Kantonswappen.» Insgesamt ist er aber zufrieden mit dem Erscheinungsbild der Bahn: «Ich bin positiv überrascht, das Design ist zeitlos schön. Mir gefällt, dass die Limmattalbahn mehrheitlich blau und weiss ist, das erinnert an die Limmat, die uns verbindet, und passt zu den Wappen der beiden Kantone Aargau und Zürich.»

Von Zürich-Altstetten nach Baden – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

Von Zürich-Altstetten nach Baden – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

Lob aus Spreitenbach für das Design der Bahn

Anderer Meinung betreffend des Logos ist Markus Mötteli (CVP), Vizeammann von Spreitenbach (er führt die Gemeinde seit dem Rücktritt von Marcel Lang nach nur 22 Tagen Amtszeit): «Dass das Logo von Aargau Verkehr zu sehen ist, finde ich absolut in Ordnung. Es ist doch normal, dass das Logo des Betreiberunternehmens auf den Fahrzeugen zu erkennen ist.» Auf den ersten Blick gefalle ihm das Design. «Es ist neutral, und man erkennt am Schriftzug sofort, dass es sich um die Limmattalbahn handelt.»

Ein mutigeres Statement hätte sich Jasmina Ritz gewünscht. Sie ist Geschäftsführerin der Limmatstadt AG, die kantonsübergreifend Standortförderung betreibt. Ein Tram sei doch ein Imageträger, präge das Stadtbild und stifte Identität; Bern rot, Basel grün, Zürich blau. «Ich hätte mir für unsere Region ein mutigeres Statement gewünscht», sagt sie. Sie meint damit kein schrilles, aber ein selbstbewusstes und unverwechselbares. «Nun haben wir ein blasses Neutrum, das keinem wehtut, aber auch nichts ausstrahlt.»

Und zum Schluss noch dies: Über die Gestaltung hat letztlich nicht Aargau Verkehr entschieden. Das finale Design habe der Zürcher Verkehrsverbund, Mehrheitsaktionär bei der Limmattalbahn AG, unter Einbezug des Verkehrsrates des Kantons Zürich und der Gemeindepräsidenten des Limmattals kürzlich bewilligt, erklärt Mathias Grünenfelder.

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