Die Zeiten sind nicht rosig für den heimischen Detailhandel. Wie überall in der Schweiz schliessen in Baden Läden, von denen man das Gefühl hat, dass es sie eigentlich schon immer gab. Der drohende Konkurs des Café Himmel hat im Februar für grosse Aufregung gesorgt, viele Badenerinnen und Badener können sich ihre Stadt ohne «Himmel» nicht vorstellen. Auch Dutzende andere Geschäfte sind aus Baden nicht wegzudenken – und verschwinden doch irgendwann. Das Café Disler, die Drogerie Kaufmann im Bernerhaus, die Möbelgeschäfte «Form + Wohnen» und «in! Baden» sind nur einige Beispiele, deren Verlust bis heute in schmerzlicher Erinnerung ist.

Der Strukturwandel trifft mittlerweile aber nicht nur kleine Einzelbetriebe, sondern auch Ketten wie Charles Vögele, Switcher und Ex Libris. Der Einkaufstourismus und insbesondere der Onlinehandel – von A wie Amazon über D wie Digitec bis Z wie Zalando – beschleunigen das Ladensterben. Ein weiteres Problem sind die hohen Mietzinsen, die manche Hausbesitzer verlangen. Im Vaudoise-Haus an der Weiten Gasse steht seit bald zwei Jahren der ehemalige Chicorée-Laden leer. Trotz der attraktiven Lage fand die Waadtländer Versicherung bisher keinen Nachmieter. Für eine Stadt geht es dabei nicht nur um das Kommerzielle. Geschäfte prägen das Stadtbild, sie prägen das Lebensgefühl der Einwohnerinnen und Einwohner. Wer will schon vor leeren Schaufenstern bummeln gehen?

Die jahrelangen Baustellen in der Weiten Gasse und am Schulhausplatz haben die Situation für die Badener Geschäfte verschärft. Wenn in den nächsten Wochen die neue Bushaltestelle am Schlossbergplatz bereit ist und die Busse fortan durch den Tunnel Richtung Schulhausplatz fahren, wird die Weite Gasse ziemlich genau 47 Jahre nach der Badstrasse endlich zu einer zweiten Flaniermeile – auch wenn manche Ladenbesitzer weniger Laufkundschaft fürchten. Trotz aller Schwierigkeiten: Die Stadt Baden steht im Vergleich mit anderen Aargauer Städten gut da, nicht zuletzt wegen der intensiven Vermittlung des städtischen Standortmarketings. Die Einkaufsstadt Baden ist immer noch ein starker Magnet, auch dank vieler kreativer und innovativer Einzelhändler. Manche Traditionsgeschäfte schaffen es dank grossem Einsatz und starker Familienbande über die Runde. Andere sind trotz allem Herzblut und trotz allem Engagement von einer Schliessung bedroht.

So kämpfen Badener Familienbetriebe gegen das Ladensterben – vier Beispiele aus der Innenstadt:

«Wursträdli gibt es immer noch»: Metzgerei Müller ist seit 110 Jahren in Familienhand

Hat die Metzgerei 1997 von seinen Eltern übernommen: Thomas Müller. SKN

Hat die Metzgerei 1997 von seinen Eltern übernommen: Thomas Müller. SKN

Die Apotheke Zander, vormals Kronmeyer, um 1924.

Die Apotheke Zander, vormals Kronmeyer, um 1924.

Michèle Clemen (links) und Denise Werder, beide Nichtraucherinnen, übernahmen das Tabakhaus von ihren Eltern.

Michèle Clemen (links) und Denise Werder, beide Nichtraucherinnen, übernahmen das Tabakhaus von ihren Eltern.

Annelies (l.) und Tochter Sibylle von Büren führen Modelin seit sechs Jahren am Cordulaplatz 8.

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