Grüntee

Skateboard-Weltmeister und zwei Gebenstorfer kreieren neues Getränk «nÿcha» – und Lägerebräu stellt es her

Der kanadische Downhill-Skateboard-Weltmeister Patrick Switzer prägt «nÿcha».

Der kanadische Downhill-Skateboard-Weltmeister Patrick Switzer prägt «nÿcha».

Wie die Lägerebräu-Brauerei in Wettingen die drei Entwickler des Grüntees «nÿcha» vereinte.

Kombucha ist nicht einfach ein Getränk, sondern ein Lebensgefühl. Diese Erkenntnis erhält, wer mit den Erfindern von «nÿcha» spricht, einem solch fermentierten Grüntee, an dem jahrelang bei der Lägerebräu-Brauerei in Wettingen experimentiert wurde. Denn Kombucha braucht Geduld und eine grosse Frustrationstoleranz.

«Unsere Geschichte ist auf jeden Fall keine des grossen und schnellen Erfolgs», formuliert es Michael Scheidiger, einer der drei Köpfe, die hinter dem Getränk stehen. Dessen Entwicklung begann vor rund zehn Jahren, brachte die drei Männer, alle 32 Jahre alt, aber erst 2016 zusammen.

Zwei davon sind Brüder, aufgewachsen in Gebenstorf: Michael und Christoph Scheidiger. Sie wirken lieber beratend im Hintergrund und lassen das «nÿcha»-Bild von Patrick Switzer, einem in der Schweiz lebenden Downhill-Skateboard-­Weltmeister aus Kanada, prägen.

Christoph lebt und arbeitet in den USA, weshalb er beim Gespräch im Café Kajüte in Baden an der Limmat nicht anwesend sein konnte. Hier ist einer der wenigen Gastrobetriebe im Bezirk, in denen man «nÿcha» erhält, aber nur in einer Geschmacksrichtung: Ingwer.

Vor kurzem hat auch Detailhändler Coop das Getränk in sein Sortiment aufgenommen, schweizweit wird es in rund 400 Filialen verkauft. «Und das ganz ohne Vitamin B oder Listinggebühren, sondern vor allem wegen des Geschmacks und der Swissness», so Scheidiger. Und dort in den drei weiteren Geschmacksrichtungen: Quitte/Birne, Bergkräuter und Pure.

Gesunde Alternative zu alkoholischen Getränken

Kombucha existiert bereits seit über 2000 Jahren, in Europa wurde das Getränk aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt. Der Teeaufguss mit Zucker beinhaltet probiotische Bakterien sowie gesunde Hefen. «Von der Herstellung her ist es im Grunde eine Mischung zwischen Bier und Wein», erklärt Michael Scheidiger. Erst bauen die Kombucha-Hefen durch alkoholische Gärung den Zucker zu Kohlenstoffdioxid und Ethanol ab. Anschliessend wird der Alkohol durch die Kombucha- Bakterien in gesunde Säuren umgewandelt. Dadurch entstehen während der Gärung variierende fruchtige Geschmäcker.

Bis sie aber mit dem Ergebnis zufrieden waren, benötigte es mehrere Jahre. Der Weg war gepflastert mit vielen Auf und Abs und immer wieder der Frage: «Macht das alles überhaupt Sinn?» Schliesslich ist der Getränkemarkt ein hart umkämpfter Markt. Doch weil ihr «nÿcha» für sie mehr als einfach ein weiteres Getränk ist, war Aufgeben keine Lösung.

Die Geschichte von «nÿcha» ist aber zweigeteilt. Bei Scheidigers hat es mit Christoph begonnen. Er war während eines ersten Aufenthalts in den USA auf das Getränk gestossen und begann 2010 in Kopenhagen, wo er studierte, mit dem Experimentieren. Schon bald war die Küche völlig überstellt mit über mehrere Wochen wachsenden Kombuchapilzen in zahlreichen Glasgefässen.

Nycha Kambucha gibt es in vier Geschmacksrichtungen. Das Bild wurde vor dem Cafe Kajüte in Baden aufgenommen. (6. Juli 2020)

Nycha Kambucha gibt es in vier Geschmacksrichtungen. Das Bild wurde vor dem Cafe Kajüte in Baden aufgenommen. (6. Juli 2020)

Als er erste schmackhafte Resultate erzielte, erstellte sein Bruder und damaliger Wirtschaftsstudent Michael einen Businessplan und kontaktierte 2014 die Lägerbräu-Brauerei in Wettingen. Weil die ersten Schritte in Dänemark gemacht wurden, erhielt das Getränk einen dänischen Namen, «nÿcha», was nicht mehr als «Neuer Tee» bedeutet und «nücha» ausgesprochen wird.

Etwa zur gleichen Zeit wie Christoph Scheidiger liess Switzer in seinem Renntour-Wohnwagen Kombucha-Pilze wachsen. Er war schon länger als Profi-Skateboarder in der Welt unterwegs und lernte dabei auch seine heutige Frau, eine Schweizerin, kennen. Sein Antrieb: «Ich fand es immer sehr frustrierend, dass es so wenige spannende alkoholfreie Getränke auf dem Markt gibt.» Das wollte er ändern.

Deshalb suchte er 2016 eine Brauerei in der Schweiz, um den fermentierten Tee zu produzieren, und gelangte an die Lägerebräu. Das Schicksal war besiegelt: «Sein Mail wurde an uns weitergeleitet», so Scheidiger, man traf sich und fand heraus, dass man genau das Gleiche wollte und sich ideal ergänzt. Für den Vertrieb ist hauptsächlich Switzer zuständig. Dafür sind die beiden anderen dankbar: «Wir arbeiten beide 100 Prozent und Patrick kann sich voll darauf konzentrieren und die Verantwortung übernehmen.» Und er repräsentiere exakt das, was «nÿcha» sei: «Lebensfreude pur.»

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