Baden

Signor Aldo gefangen in seiner kleinen Welt

Schauspieler Jan Pezzali spielt als Signor Aldo im Stück «Komisch» einen verschrobenen Einzelgänger mit Herz, der seine Wohnung nicht verlässt. Ein Stück, welches nicht nur lustig, sondern auch berührend ist. Die Premiere war im Badener Teatro Palino.

Im winzigen Teatro Palino in Baden, das in einem Gewölbekeller beheimatet ist, darf man keine Berührungsängste haben: Knie an Knie sitzen die Zuschauenden jeden Alters, auch die kalte Steintreppe ist mit Sitzkissen belegt, auf denen neugierige Besucherinnen und Besucher sitzen. Das Teatro ist mit 40 Plätzen schon länger ausverkauft, man ist gespannt auf Jan Pezzalis neues Stück «Komisch». Der Schauspieler wohnt seit einigen Monaten in Ennetbaden. Regisseur Luigi Prezioso, unter anderem bekannt von Karls kühne Gassenschau, bittet das Publikum um Nachsicht: «Bitte seid gnädig, Jan ist wahnsinnig heiser.» Das merkt man jedoch höchstens beim Singen etwas, beim Sprechen jedoch überhaupt nicht.


Kommunikation ja – aber bitte nur mit sich selbst


Unzählige Blicke alleine ist das aufwendige Bühnenbild wert. Viele Bücherstapel stehen herum, zuerst ohne Sinn, bis die Stapel sich im Laufe des Stückes als wahre Möbelkünstler zeigen.
Ein Kleiderständer mit ein paar Jacken, Hemden und einem grossen Necessaire inklusive Elmex-Zahnspülung zeigt, dass Signor Aldo eigentlich alles hat, was er braucht. Aber eben nur eigentlich: Denn er verlässt seine Wohnung seit Jahren nicht und hat sich somit selbst ausgegrenzt.
Sein Leben besteht aus dem Werkeln an einem Arbeitstisch, auf dem er einen kleinen Koffer-Plattenspieler platziert hat, womit er alte Singles hört. Mit starkem italienischem Akzent singt er den englischen Text nach und wirkt vergnügt – und im nächsten Moment zutiefst melancholisch. In der Arbeitspause, für die er jeweils extra einen Wecker stellt, schaut er zum Fenster hinaus und stellt sich die Kommunikation mit den Leuten auf der Strasse vor.
Ein tägliches Rätseln ist, ob der regelmässige Gast im Café nun Nature-Chips oder Paprika-Chips bestellt – liegt Signor Aldo richtig, so freut er sich wie ein Kind. Die Blumenfrau, welche einen kleinen Laden hat, beschäftigt ihn noch mehr, als plötzlich deren Tochter auftaucht. Wie gerne möchte Signor Aldo diese kennen lernen!
Er wirft sich in Schale, zaubert aus seinen Büchern, die teils ausgehöhlt sind und somit als Behältnis dienen, Champagnerflaschen und Gläser. Baut aus Büchern eine Lampe samt Steckdose, die ihm in seinen einsamen Nächten Trost spendet – und verlässt auch trotz hübscher Blumenfrau-Tochter seine Wohnung nicht.
Als er all seinen Mut zusammennimmt, muss er zuerst viele Streifen Panzerklebenband von Tür und Türrahmen entfernen, findet den Wohnungsschlüssel erst nach langem Suchen – und dann? Das wird hier nicht verraten.
Das Publikum applaudierte kräftig und herzlich, die deutsch-/italienischsprachige Figur Signor Aldo und sein verschrobener Charakter ist ihm rasch ans Herz gewachsen.


Nächste Vorstellungen Signor Aldo
Freitag, 14. Februar, und Samstag, 15. Februar, jeweils um 20.30 Uhr. Teatro Palino, Baden. Informationen: www.janpezzali.com, www.teatropalino.com

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