Baden
Sie wirten seit 20 Jahren auf dem Badener Bahnhofplatz

Alois Winiger wirtet seit 20 Jahren auf dem Badener Bahnhofplatz, derzeit im «Arcade». Winiger kämpft Tag für Tag, dass seine gutbürgerliche Küche nicht verschwindet. Obwohl der Alltag hart sei, will er hier nicht mehr weg.

Pirmin Kramer
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Wirte-Ehepaar im «Arcade»: Alois Winiger und seine Frau Zejnepe. PKR

Wirte-Ehepaar im «Arcade»: Alois Winiger und seine Frau Zejnepe. PKR

Es sei leider zu einer Badener Tradition geworden, dass Jahr für Jahr Restaurants aus der Innenstadt verschwinden, sagt Alois Winiger (55).

Seit zwanzig Jahren wirtet er auf dem Bahnhofplatz, erst im «Badenerhof», den es nicht mehr gibt, und nun im «Arcade», für dessen Überleben er und seine Frau jeden Tag kämpfen, wie er sagt.

«Wirte jammern viel, das stimmt; aber es ist eine Tatsache, dass gutbürgerliche Küche nur noch bei der älteren Kundschaft gut ankommt.

Ich habe aber keine Lust, deswegen nur noch Hotdogs, Kebabs und Brezel aufzutischen. Ich probiere es weiter mit meiner Rösti und gutem Bier.»

Zehn Jahre ohne Ferien

Winiger wuchs im Kanton Luzern als Sohn eines Wirte-Ehepaares auf, er liess sich zum Koch ausbilden.

Er übernahm das elterliche Restaurant, das bestens lief, bis es Komplikationen gab, wie er sagt.

In Baden wagte er einen Neustart, es sei eine harte Zeit gewesen, er habe hohe Alimente zahlen müssen und darum zehn Jahre lang gearbeitet ohne Ferien zu machen – nur an Samstagen im Winter habe er sich eine Auszeit gegönnt.

Seit zehn Jahren ist Winiger mit Zejnepe verheiratet, zusammen führen sie das «Arcade», ab und zu liegen gemeinsame Ferien drin.

Trotz schwieriger Momente sei es ihm in den zwanzig Jahren nie in den Sinn gekommen, weg vom Bahnhofplatz zu gehen.

«So unterschiedliche Kunden wie hier gibt es nirgendwo sonst in der Stadt, und auf dem Land sowieso nicht», erzählt er. «Im ‹Arcade› drücken sich Clochards und Direktoren die Klinke in die Hand.»

Mit den sogenannten Gassenleuten umzugehen, wie man sie jetzt offiziell nennen müsse, sei nicht immer einfach.

«Jeder darf ins Restaurant kommen, von mir aus auch nur kurz die Hände waschen, wenn es denn sein muss, aber man soll sich bitte schön benehmen und freundlich sein.»

Ein paar dieser Gassenleute habe er aber Hausverbot erteilen müssen.

Anderseits freut er sich über langjährige Stammgäste, einige davon nennt er wahrhaftige Unikate, wie etwa Heinz Blaser, der im Frühjahr mit dem Wahlkampfspruch «Rambazamba» Stadtammann Badens werden wollte. «Solche Gäste machen den Alltag hier im ‹Arcade› spannend.»

Zehn Jahre müsse er noch arbeiten bis zur Pensionierung, sagt Winiger, und er habe vor, bis dann im «Arcade» weiter zu wirten.

«Perfekt ist der Bahnhofplatz als Standort für ein Restaurant zwar nicht, denn im Sommer beispielsweise erhalten wir erst abends ein wenig Sonne. Aber dass unser Restaurant nicht in allen Details perfekt ist, macht es genau einzigartig.»

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