Bezirksgericht Baden

«Sie hat mich immer wieder belogen und betrogen»: Auf die Ferien folgt eine Ohrfeige – und das Ende der Liaison

Die Liebe des Pärchens hielt nicht lange. (Symbolbild)

Die Liebe des Pärchens hielt nicht lange. (Symbolbild)

Eine amouröse Beziehung eines Tennis-Pärchens endete vor dem Einzelrichter in Baden. «Sei ruhig oder ich töte dich», soll er ihr gesagt haben, als er Schluss machte.

Der 52-jährige Kaspar (alle Namen geändert) ist als Aussendienst-Mitarbeiter seit zehn Jahren bei derselben Firma tätig. Als fixes Grundeinkommen verdient er 3500 Franken – im Portemonnaie allerdings schlagen sich vor allem die Provisionen nieder. Da Kaspar in seinem Beruf sehr erfolgreich ist, kommen da erkleckliche Summen zusammen – jedenfalls theoretisch. Praktisch allerdings muss Kaspar mit dem Existenzminimum von 3740 Franken monatlich auskommen; der Rest wird gepfändet, sitzt er doch auf einem enormen Schuldenberg. Und das seit 30 Jahren: «Ich hatte damals das in Konkurs gegangene Geschäft von meinem Vater übernommen und bekomme die Schulden seither nicht mehr los.»

Solches erklärte Kaspar dem Einzelrichter Daniel Peyer. Dort sass er beschuldigt der versuchten Nötigung, der Drohung, Beschimpfung und Tätlichkeiten. Es ging um eine höchst persönliche Angelegenheit – genau betrachtet um Liebe, Misstrauen und Eifersucht.

Kaspar, Vater von drei Kindern, lebt seit Frühling 2018 getrennt von seiner Frau. Es ist anzunehmen, dass Natalia, mit der Kaspar Anfang 2018 ein Verhältnis begonnen hatte, der Grund der Trennung war. Ein halbes Jahr später kam das Aus für die Liaison. Dies im wahrsten Sinne Knall auf Fall, stand am Anfang vom Ende doch eine Ohrfeige.

Die Reue kam zu spät

Verbunden hatten die Beiden nicht nur Gefühle, sondern ebenso heftig das Tennisspiel. Von Montag bis Donnerstag, so der Beschuldigte, sei Natalia zu ihm gekommen und sie hätten drei Stunden trainiert. «An den Wochenenden, wenn wir Turniere spielten, habe ich sie dann in Zürich abgeholt.» Wie dem Internet zu entnehmen ist, waren die beiden ganz schön erfolgreich. Doch Kaspars Misstrauen und – will man ihm glauben – Natalias Benehmen machten dem gemeinsamen Aufstieg in die «Top Ten» des Club-Tennis einen Strich durch die Rechnung. «Es hatte schon länger gekriselt zwischen uns. Sie hat mich immer wieder belogen und betrogen, was ich auf ihrem WhatsApp entdeckte.»

Dann kam jener Montag im August. Tags zuvor waren die Beiden aus den Ferien – «einen Monat in Montenegro» – zurückgekehrt. Als mit dem Alltag das tägliche Training wieder aufgenommen werden sollte und Natalia an seiner Wohnungstür stand, hatte Kaspar die Nase voll. «Ich sagte, sie soll ihre Sachen packen und verschwinden. Gleichzeitig ist etwas in mir explodiert und ich habe ihr eine Ohrfeige verpasst.» Es habe ihm also «den Nuggi use g'haue», präzisierte Richter Peyer, um einem allfälligen Missverständnis vorzubeugen. Jawohl, so Kaspar, aber im selben Moment habe er es total bereut.

Natalia aber hatte die Polizei gerufen und angegeben, Kaspar habe sie im Verlauf der Auseinandersetzung nicht nur mit «Schlampe» und «Edelnutte» tituliert, sondern auch «sei ruhig oder ich töte dich» zu ihr gesagt, was Kaspar vehement bestreitet. Die Polizeibeamten ihrerseits hatten die Situation nicht als gefährlich eingestuft. Nachdem Natalia die Wohnung verliess, hatte Kaspar sie telefonisch zu erreichen versucht. Als das nicht gelang, schrieb er ihr ein Dutzend SMS, dass sie doch abnehmen solle, ansonsten werde er Nacktbilder von ihr verschicken. Vor dem Richter beteuerte der 52-Jährige, er habe ihr doch nur sagen wollen, wie sehr leid ihm das mit der Ohrfeige tue, und dass er sich vielmals dafür entschuldige.

Unbedingt, weil vorbestraft

Die Staatsanwältin hatte eine unbedingte Geldstrafe von 6000 Franken und 300 Franken Busse gefordert. Der Richter sprach Kaspar nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» von der Drohung «ich töte dich» frei. Angesichts der finanziellen Verhältnisse reduzierte Daniel Peyer die Busse auf 200 Franken und Geldstrafe auf 1400 Franken unbedingt, weil Kaspar vorbestraft ist.

Wegen Betrugs war er 2016 in einem anderen Kanton zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, bedingt auf vier Jahre verurteilt worden. Peyer verzichtete darauf, den bedingten Vollzug zu widerrufen, verlängerte jedoch die Probezeit um ein weiteres Jahr.

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