Detailhandel
Shoppi-Tivoli-Chef: «Online und Offline werden zusammenwachsen»

Die Aargauer Shoppingcenter wie das Shoppi-Tivoli in Spreitenbach sind mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden. Und der Online-Händler Brack.ch mit einem «Offline-Experiment».

Peter Brühwiler
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Des einen Freud, des anderen Leid: Während in den Wintersportorten der Schnee herbeigesehnt wird, freut sich Patrick Stäuble über zusätzliche Kundschaft. «Statt Skifahren zu gehen, verbringen die Leute ihre Freizeit bei uns», sagt der Chef des Shoppi Tivoli in Spreitenbach.

Er hat auch noch etwas aufzuholen, denn kurz vor Jahresende liegt das Shoppi umsatzmässig trotz der Millioneninvestitionen in den letzten Jahren rund ein Prozent hinter dem Vorjahreswert. Im Vergleich mit der Konkurrenz lassen sich diese Zahlen allerdings durchaus sehen. Gemäss dem Marktforschungsinstitut GfK lag der Schweizer Detailhandel in den ersten neun Monaten 2015 gegenüber dem Vorjahr mit 1,8 Prozent im Minus.

Das Offline-Experiment von «Brack» im Shoppi Tivoli.

Das Offline-Experiment von «Brack» im Shoppi Tivoli.

Carolin Frei

Umso mehr setzte der Handel seine Hoffnungen in das Weihnachtsgeschäft. Dieses sei im Wynecenter in Buchs «insgesamt gut» verlaufen, sagt Andrea Bauer von der Migros Aare. «Wir sind mit den Umsätzen trotz des wirtschaftlich herausfordernden Umfeldes zufrieden.» Vor allem die Tage kurz vor Weihnachten seien im Lebensmittelbereich ausserordentlich gut gelaufen. Das A1-Center in Oftringen spürte derweil einen Anstieg bei den Haushalts-Grossgeräten und den Beautyprodukten. Generell seien während der Weihnachtstage Marktneuheiten im Bereich der Unterhaltungselektronik und Spielzeuge gefragt, so die Pressestelle.

Auch das Geschäft mit den Geschenkgutscheinen brummte: Der Trend sei seit einiger Zeit zu beobachten, sagt Stäuble vom Shoppi Tivoli. Im Vergleich mit dem Weihnachtsgeschäft 2014 steigerte das Einkaufscenter den Verkauf von Gutscheinen nochmals um 12 Prozent. Gestiegen ist gegenüber dem Vorjahr laut Stäuble auch die Besucherzahl, nicht aber der Umsatz — wegen des starken Frankens und den daraus resultierenden Preissenkungen «von 10 bis 20 Prozent auf das gesamte Sortiment».

Online-Konkurrenz für Handel

Eine weitere Herausforderung für den stationären Handel ist die wachsende Online-Konkurrenz. Laut einer Umfrage der Fachhochschule Nordwestschweiz erwarten für das kommende Jahr gut 60 Prozent der Befragten, dass der Marktanteil des E-Commerce in ihrer jeweiligen Branche weiter steigen wird. Brack.ch aus Mägenwil mischt in diesem Geschäft kräftig mit. «Trotz widriger Umstände sind wir 2015 wieder gewachsen», sagt Pressesprecher Daniel Rei auf Anfrage.

Zahlen gibt das Unternehmen erst im Januar bekannt. Nur wenig Einfluss auf diese wird ein am 24. Dezember beendetes Experiment haben: Im Shoppi Tivoli betrieb der fünftgrösste Schweizer Online-Händler zeitlich befristet einen Pop-up-Store mit einer Abholstation und ein paar wenigen Verkaufsartikeln. Der Laden war laut Daniel Rei «kein Absatzförderungsinstrument, sondern eine Kommunikationsmassnahme». Das Ziel: Näher an die Kunden heranzukommen. Aufgrund des positiven Echos sei ein zweiter temporärer Pop-up Store in der Region Bern vorgesehen, so Rei. Nicht geplant sei zum jetzigen Zeitpunkt hingegen die Eröffnung eines Filialnetzes — der Online-Händler bleibt also Online-Händler.

Für den temporären Store in Spreitenbach hat Brack.ch natürlich Miete bezahlt. Trotzdem kann man sich fragen, ob es aus Sicht des Shoppi-Betreibers sinnvoll ist, dem Online-Kanal ein prominentes Schaufenster zu bieten. Er habe dies sehr gerne getan, meint Stäuble dazu: «Wir dürfen einander nicht als Konkurrenten sehen. Die Unterscheidung zwischen Online und Offline verliert sowieso laufend an Bedeutung.»

So kann sich der Shoppi-CEO vorstellen, in Spreitenbach künftig eine Abholstation für Online-Bestellungen einzurichten. Dass die Mieter dank der Verschiebung des Sortiments in die digitale Welt mit weniger Verkaufsfläche auskommen könnten, sieht er nicht als Problem. «Dies eröffnet uns Möglichkeiten für neue Angebote wie eine Zahnarzt-Praxis oder einen Wellness-Bereich.» Und wie etwa das Beispiel Dubai zeigt, lassen sich Einkaufszentren ja sogar als Skihallen nutzen.

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