Eigentlich hat der Standort des Wasserkraftwerks Aue eine tragische Geschichte. Genau hier betrieb der Industrielle Albert Spoerry ab 1886 eine Spinnerei mit eigenem Turbinenwerk. 1904 brannte die Spinnerei bis auf die Grundmauern nieder. 200 Angestellte verloren über Nacht ihre Stelle. Einzig das Turbinenwerk überstand den Grossbrand und wurde 1906 an die «Elektrizitätsgesellschaft Baden» verkauft, welche das Turbinengetriebe bis 1909 zu einem Elektrizitätskraftwerk ausbaute.

26 Millionen für die «Aue»

Doch an diese düstere Vorgeschichte mochte keiner der mehreren Hundert Gäste denken, die im Verlaufe des Samstags beim Kraftwerk Aue vorbeischauten. Grund für den Grossaufmarsch: Die offizielle Einweihung der neu ausgebauten Kraftwerke Aue und Schiffmühle am «Tag der Kraftwerke + Mobilität». Nach langen Jahren der Planung und dreijähriger Bauzeit freute sich Markus Binder, Verwaltungsratspräsident der Limmatkraftwerke AG (LKW), welche die Kraftwerke betreibt, über das abgeschlossene Bauprojekt. «Zugegeben, Kraftwerke sind nie besonders schön, aber dieser Bau mit seiner tollen Einpassung in die Landschaft ist extrem gelungen.»

Der Ausbau des Kraftwerks Schiffmühle für rund 10 Millionen Franken wurde bereits 2013 abgeschlossen. Weitere 26 Millionen wurden in den Ausbau des Kraftwerks Aue investiert. In aufwendigen, teils von Tauchern unter Wasser ausgeführten Arbeiten wurde die seit 1925 laufende Turbine der Maschinengruppe 3 – von den Mitarbeitenden seit Jahren liebevoll «s’Grosi» genannt – ersetzt. Zusammen mit den beiden anderen Maschinengruppen aus dem Jahr 1966 produziert die neue Turbine jährlich gut 30 Gigawattstunden Strom. Das entspricht ziemlich genau dem jährlichen Strombedarf der Gemeinde Neuenhof.

Bald 50 Prozent Wasserenergie

Zusätzlich zur neuen Hauptturbine baute die LKW im Stauwehr der Aue ein neues Dotierkraftwerk, um die Energie des abfliessenden Restwassers nutzen zu können. Gemeinsam mit der Genossenschaft Creato betrieb die LKW viel Aufwand, um die Kraftwerksumgebung natürlich zu gestalten. Eine neue Fischtreppe wurde gebaut, exotische Pflanzen von den Ufern entfernt, Trockenmauern errichtet und der Unterwasserkanal aufgehoben. Dank diesen Massnahmen erfüllt die Limmatkraftwerk AG die im neuen Gewässerschutzgesetz definierten Bedingungen und erhielt vom Kanton eine neue, 60 Jahre gültige Konzession für den Betrieb.

Stadtrat Roger Huber hofft nun darauf, dass die Badener die lokal produzierte Wasserkraft auch nutzen. «Mit dem geplanten Ausbau des Kraftwerks Turgi in den kommenden Jahren werden wir rund 50 Prozent des gesamten Energiebedarfs für Baden und Ennetbaden mit Wasserkraft abdecken können», sagte Huber erfreut. Bereits heute beziehen mehr als 900 Haushalte in der Region «aquae Strom», also reine Wasserkraft-Energie. Der aquae Strom ist gegenüber dem herkömmlichen Strommix zwei Rappen teurer pro Kilowattstunde. «Für einen Durchschnittshaushalt bedeutet das jährliche Mehrkosten von gerade mal 90 Franken. Dafür gibts hundertprozentig nachhaltigen Strom», erklärte Huber. Eine Investition, die sich allemal lohnt.