Baden

Sensationsfunde im Bäderquartier: Schweizer Heimatschutz fordert sofortigen Baustopp

Die Leitungsarbeiten beim Freibad haben vor kurzem begonnen.

Die Leitungsarbeiten beim Freibad haben vor kurzem begonnen.

Die neusten archäologische Entdeckungen im Badener Bäderquartier dürfen nicht beeinträchtigt werden, fordert der Schweizer Heimatschutz.

Bedeutende Funde aus der Römerzeit sind in den letzten Wochen und Monaten am Badener Kurplatz zum Vorschein gekommen. Der Schweizer Heimatschutz schreibt in einer Mitteilung vom Montag sogar von «sensationellen historischen Funden».

Die Stadt lässt am Kurplatz Thermalwasserleitungen erneuern, teilweise mit neuer Linienführung. Dabei ist es unumgänglich, dass historisches Kulturgut zerstört wird. Die Kantonsarchäologie lässt die Arbeiten begleiten und die Funde dokumentieren, damit sie für die Nachwelt nachvollziehbar bleiben. Nicht zu verwechseln sind die Bauarbeiten mit jenen für das neue Thermalbad, der Wellness-Therme Fortyseven. 

Superprovisorisch Abbruch der Bauarbeiten gefordert

Der Schweizer Heimatschutz forderte am Montag bei den zuständigen Bundesbehörden superprovisorisch den Abbruch der Bauarbeiten – per sofort. Jede Beeinträchtigung der «archäologischen Entdeckungen von europäischem Rang zu verbieten» seien zu verbieten.

Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege müsse mit einem Gutachten über die Bedeutung der in Baden neu entdeckten archäologischen Funde beauftragt werden. Es sei zudem in Abstimmung mit den Behörden der Stadt Baden und des Kantons Aargau sowie der Bauherrschaft zu prüfen, ob und wie die gesamte Anlage oder einzelne Teile davon erhalten und für die Öffentlichkeit allenfalls sichtbar gemacht werden können.

Historisches Freitbad teilweise freigelegt: Die aktuelle Situation auf dem Badener Kurplatz

Historisches Freitbad teilweise freigelegt: Die aktuelle Situation auf dem Badener Kurplatz

Ein Augenschein vor Ort im Badener Bäderquartier am 5.11.2020

Erst vor kurzem wurde das Becken des historischen Freibads entdeckt. Dabei kam auch ein Altar zum Vorschein. Diese Funde seien ähnlich gut erhalten wie die Überreste des im Mai entdeckten Verenabades. Beides sind Thermalbäder, welche die Römer auf dem Kurplatz bauten und die rund 2000 Jahre lang, bis ins 19. Jahrhundert in Betrieb waren.

Es waren öffentliche Bäder, anders als die privaten Bäder in den Gasthäusern und Hotels im Bäderquartier und auf der anderen Seite der Limmat in Ennetbaden. Freigelegt wurden zuletzt auch bisher unbekannte und noch nicht genauer datierbare Konstruktionen in Verbindung mit dem «Heissen Stein», der Hauptquelle Badens. Auch diese befindet sich auf dem Kurplatz. 

«Leitungen werden das Bad mehrfach durchschneiden»

Der Heimatschutz hält sich nicht zurück mit Kritik an die Aargauer Kantonsarchäologie und die Stadt Baden, auch wenn er diese Adressaten nicht explizit nennt: «Es ist offenbar nicht vorgesehen, diesen neuen Schatz aus der Römerzeit zu sichern. Im Gegenteil droht eine massive Beeinträchtigung des Fundes durch vorgesehene Leitungsbauten, die das Bad gleich mehrfach durchschneiden werden.»

Auch die Freilegung und vollständige Erforschung seien nicht gesichert, so wie sie in Avenches (Aventicum), Kaiseraugst (Augusta raurica), Windisch (Vindonissa) oder vergleichbaren römischen Stätten selbstverständlich wäre, kritisiert der Heimatschutz weiter.

Der Badener Kurplatz bildet das Herz der Bäder. Hier befand sich eine römische Kultstätte, zu der das Verenabad und das Freibad gehörten. Das ist eine der Erkenntnisse, die durch die Funde der letzten Monate gewonnen wurde. 

Der Kurplatz mit Verenabad (links) und Freibad: So sah der Maler Hans Ulrich Kern die öffentlichen Bäder unter freiem Himmel um 1800. Links der Staadhof, in der Mitte das Badgasthaus Raben, rechts die «Blume».Bild: Schweizerische Nationalbibliothek

Der Kurplatz mit Verenabad (links) und Freibad: So sah der Maler Hans Ulrich Kern die öffentlichen Bäder unter freiem Himmel um 1800. Links der Staadhof, in der Mitte das Badgasthaus Raben, rechts die «Blume».Bild: Schweizerische Nationalbibliothek

Badener Historiker haben schon vor Monaten befürchtet, dass es zu unnötigen Zerstörungen kommt und Kritik am Vorgehen geäussert. 

«Ich frage mich ernsthaft, wie man im Jahr 2020 Leitungen ohne die Zerstörung der römischen und mittelalterlichen Mauern, die notabene nicht wissenschaftlich dokumentiert sind, einbauen will», sagte die Badener Historikerin Ruth Wiederkehr Mitte September.

Der Badener Historiker und Verleger Bruno Meier. befürchtete zum selben Zeitpunkt, dass mit dem Kulturerbe von überregionaler Bedeutung fahrlässig umgegangen wird. Meier: «Man hätte die nötigen Abklärungen vorher treffen müssen», kritisierte er. «Solche Funde hätte man erwarten können, auch wenn man nicht wusste, wie viel von früher schon zerstört ist von früheren Bauarbeiten.»

Meistgesehen

Artboard 1