Glaubt man der alten Bauernregel, ist das Wetter am heutigen «Siebenschläfertag» entscheidend für die Wetterlage der kommenden Wochen. «Regnet es am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag», prophezeit der Spruch. Ist das Aberglaube, oder steckt in solchen Weisheiten mehr Wahrheit, als manch einer denkt?

Für Landwirt Michael Köhnken ist der Fall klar. Er glaubt, dass in manch alter Bauernweisheit Wissen steckt, das heute noch Gültigkeit hat. Köhnken steht im üppig blühenden Garten des Geisshofs hoch oben über Gebenstorf und wischt das Regenwasser von den roten Stühlen. Er streicht sich eine Fliege vom Unterarm und zählt auf: Neun Hektaren Land, ein bisschen Wald, knapp 40 Aren Gemüseacker, sieben Rhätische Grauvieh-Mutterkühe, sieben Hühner, zwei Geissen, dreizehn Bienenvölker: Das ist der Geisshof, den er seit fünf Jahren gemeinsam mit seiner Frau bewirtschaftet, streng nach bio-dynamischen Prinzipien.

Die Grundlage für die biodynamische Landwirtschaft bildet eine Vortragsreihe des Anthroposophen Rudolf Steiner aus dem Jahre 1924. Die Landwirte sollen überlieferte Weisheiten, Mondrhythmen und den Stand der Sterne in ihre Planung miteinbeziehen, empfiehlt Steiner.

Diesem Ruf ist Köhnken gefolgt. In der Region Baden ist er der einzige Landwirt, der nach bio-dynamischen Prinzipien produziert. Schweizweit gibt es rund 200 Betriebe. «Wer jetzt aber glaubt, ich würde um Mitternacht bei Vollmond auf dem Acker umherrennen, der irrt sich», sagt er. Dennoch glaubt Köhnken fest daran, dass die Mondrhythmen einen Einfluss auf die Qualität seiner Produkte haben.

Mond und Rüebli

Ein Beispiel: Gepflanzt und gesät wird, wenn es das Wetter zulässt, nur bei absteigendem Mond – also dann, wenn der Mond tiefstehend über den Himmel wandert. Auch die Sternzeichen, in denen der Mond jeweils steht, hätten eine Bedeutung, sagt Köhnken. «Es gibt beispielsweise ganz bestimmte ‹Wurzeltage›, die wir aus dem Mondkalender ablesen können.» An diesen Tagen wird gehackt oder werden die Rüebli aus dem Acker gezogen. «Das ist kein Hokuspokus. Ich behaupte, dass jeder den Unterschied zwischen einem bio-dynamischen und einem normalen Rüebli sofort schmecken kann.»

Unbeirrt von den Vorurteilen, welche die bio-dynamischen Prinzipien als anthroposophischen Aberglauben abtun, arbeitet er tagtäglich daran, seinen Pflanzen und Tieren einen gesunden, nachhaltigen Rahmen für ihre Entwicklung zu bieten. «Die bio-dynamische Landwirtschaft ist für mich kein Beruf, es ist eine Berufung», sagt der Landwirt.

Rinderdarm und Kamillenblüten

Fast alles, was er zum Betrieb des Geisshofs braucht, produziert Köhnken selber. Die wenigen Dinge, die er extern zukaufen muss, stammen ausschliesslich von bio-dynamischen oder mit dem «Knospe»-Label zertifizierten Höfen. Statt seine Pflanzen zu düngen, setzt er auf eine mit Präparaten angereicherte Kompostwirtschaft. Die Präparate sind hausgemacht und immer das Produkt eines tierischen und eines pflanzlichen Elements.

Dazu hat Köhnken etwa einen Rinderdarm mit Kamillenblüten gefüllt und ihn für einige Zeit in der Erde vergraben. «Das Produkt wird dem Kompost beigemischt und lenkt den Rotteprozess in die richtige Richtung», erklärt Köhnken. Doch nicht nur für die Pflanzen, auch für seine Tiere hat Köhnken bio-dynamische Tricks auf Lager.

«Meine Kühe erhalten im Winter einmal die Woche eine Portion Knoblauch zur Krankheitsprophylaxe. Knoblauch ist eine sehr starke Pflanze, nicht nur wenn es darum geht, sich unliebsame Menschen vom Hals zu halten», erzählt Köhnken und lacht. Von der grünen Welle, die in den vergangenen Jahren über die hiesige Gesellschaft geschwappt ist und einen regelrechten Bio-Boom ausgelöst hat, konnte die bio-dynamische Bewegung nicht profitieren. Die Anzahl Betriebe stagniert.

«Wir wollen unsere Form der Landwirtschaft niemandem aufzwingen», erklärt Köhnken. Dennoch begrüsst er es, dass immer mehr Menschen wissen wollen, woher das Gemüse oder das Fleisch, das sie konsumieren, genau kommt.

Einsatz fürs Bauern-Image

Michael Köhnken arbeitet seit letztem Herbst mit der Genossenschaft «biocó» zusammen. Rund 80 Mitglieder aus der Region helfen regelmässig auf dem Hof mit und erhalten dafür frisches Gemüse. Für Köhnken ist die Situation mit der dem Hof angegliederten Genossenschaft ideal, nicht nur, weil sie ihm bereits zweimal bei durch Unwetter und Erdraupen verursachten finanziellen Krisen aushelfen konnte.

«Wir Bauern dürfen nicht alleine dastehen, sondern sollten so viel es geht mit unseren Konsumenten zusammenarbeiten. So können wir zeigen, dass wir nicht die stinkenden, lärmmachenden Büezer sind, als die wir manchmal wahrgenommen werden.» Das Genossenschafts-Konzept, glaubt Köhnken, habe Zukunft.

«Klar muss man ein bisschen verrückt sein, um sich neben allen anderen Verpflichtungen auch noch ums eigene Gemüse zu kümmern.» Aber Köhnken weiss: «So trendy wie heute waren eigene Rüebli noch nie.» Und so gut wie bio-dynamische Rüebli, das verspricht er, schmecken keine.

Die Genossenschaft «biocó» stellt sich am Donnerstag, 3. Juli um 19.30 Uhr im Gemeinderaum der Kirche Windisch vor.