Baden

Seilbahn vom Bahnhof zum Bäderquartier: Idee wird weiter verfolgt

Endstation Bahnhof: Die Fotomontage zeigt, wie die Badener Gondelbahn dereinst aussehen könnte.

Endstation Bahnhof: Die Fotomontage zeigt, wie die Badener Gondelbahn dereinst aussehen könnte.

Vor vier Jahren sorgte der Plan, das Bäderquartier und den Bahnhof mit einer Gondelbahn zu verbinden, schweizweit für Schlagzeilen. Um die Idee ist es ruhig geworden – er verfolge sie aber nach wie vor, sagt Kalt.

Stefan Kalt, Direktor der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW), präsentierte vor vier Jahren eine Idee, die für Erstaunen sorgte: Eine Gondelbahn soll das Bäderquartier künftig mit dem Bahnhof verbinden. Die Fahrt in Achtergondeln würde am Casino vorbeiführen und rund vier Minuten dauern. Wegen des neuen Thermalbads rechne man mit deutlich mehr Gästen im Quartier an der Limmat. Der Ansturm könnte mit der Seilbahn bewältigt werden, die 500 bis 1000 Besucher pro Stunde ins Bäderquartier bringen würde, rechnete Kalt vor.

Die RVBW erarbeiteten zusammen mit dem Seilbahnhersteller Garaventa aus Goldau ein Vorprojekt, das zeigte: Aus technischer Sicht stünde einer Realisierung der Seilbahn nichts im Weg. Kalt ging vor vier Jahren von Kosten von rund 20 Millionen Franken aus, wobei die Frage der Finanzierung offen war. Kalt schwebte ein Mix von Geldgebern aus der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft vor. Er präsentierte das Projekt der Stadt und dem Kanton, die sich gemäss Medienberichten interessiert zeigten.

«Lebt die Idee noch?», lautet eine der neusten Fragen in der Facebook-Gruppe «Pro Seilbahn Baden». Eine öffentliche Antwort gibt Stefan Kalt nun gegenüber der «Schweiz am Sonntag»: «Selbstverständlich lebt die Idee noch. Derzeit macht es aber keinen Sinn, die Seilbahn voranzutreiben. Erst hoffen wir, dass die Baubewilligung für das Thermalbad erteilt wird, wir möchten diesen Prozess nicht bremsen, indem wir auch noch gleichzeitig das Seilbahnprojekt forcieren.» Sobald Gewissheit herrscht, dass das Botta-Thermalbad gebaut werden dürfe, werde er das Thema aber wieder auf das politische Tapet bringen, so Kalt. «Ich bin nach wie vor überzeugt, dass eine Seilbahn Sinn machen würde.»

So überraschend eine Gondelbahn mitten durch die Stadt auch erscheint – solche Pläne gibt es nicht nur in Baden. Zwischen Kriens und Luzern, wo sich Autos oft stauen und Busse nicht gut vorwärtskommen, könnte eine Seilbahn die Verkehrsprobleme lösen, forderte das Krienser Hochbahnkomitee, mit der Begründung: «Alle anderen Ideen, wie etwa ein Tunnel, sind nicht umsetzbar oder zu teuer.»

Luftseilbahnen als Teil des öffentlichen städtischen Verkehrs sind in anderen Ländern bereits Realität. Zum Beispiel in den USA: In New York verbindet seit 1976 eine Luftseilbahn Roosevelt Island mit Manhattan. Stadtseilbahnen gibt es auch in Medellin in Kolumbien, seit den Olympischen Spielen 2012 in London und seit April dieses Jahres in La Paz in Bolivien. «Ob man Luftseilbahnen im Stadtraum akzeptiert, ist eine persönliche Ermessensfrage», sagte ETH-Professor Ulrich Weismann, der die Möglichkeiten seilgetriebener Verkehrssysteme im urbanen Raum untersuchte, gegenüber der Zeitschrift «Hochparterre». «Bei uns ist die Sensibilität hoch, wenn es um Eingriffe in den öffentlichen Raum geht.» Jedenfalls sei die Luftseilbahn als öffentliches Verkehrsmittel der Zukunft ernst zu nehmen.

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