Nussbaumen

Schweizer Döner-Pionier drohte der Rauswurf – jetzt zahlt er die doppelte Miete

Arsen Cam: «Ich bin so dankbar, hier weiter Kebab verkaufen zu dürfen. Danke all meine Kunden, die sich für mich eingesetzt haben.» PKR

Arsen Cam: «Ich bin so dankbar, hier weiter Kebab verkaufen zu dürfen. Danke all meine Kunden, die sich für mich eingesetzt haben.» PKR

Weil der Kebab-Geruch störe, wollte die Markthof-Vereinigung Arsen Cam nach 26 Jahren aus dem Einkaufszentrum verbannen. Doch dann lancierten Kunden des Ex-Weltrekordhalter eine Petition für ihn.

Arsen Cam (63) zählt zu den Kebab-Pionieren in der Schweiz. Bereits in den frühen 80er-Jahren, als hierzulande noch kaum jemand wusste, was ein Kebab überhaupt ist, hatte er eine Döner-Bude in Spreitenbach. Von sich aus hätte es der zurückhaltende, herzliche Mann nie erwähnt, aber auf Nachfrage sagt er: «Ja, ich glaube, ich war der erste Kebab-Verkäufer der Schweiz.» 1993 schaffte er es sogar ins Guinness-Buch der Weltrekorde: Beim Einweihungsfest der renovierten Badener Hochbrücke zwei Jahre zuvor hatte er den schwersten Kebab der Welt hergestellt: 211,4 Kilo wog der Drehspiess aus tranchierter Kalbsbrust.

Seit 26 Jahren betreibt Cam seinen Kebab-Stand im Einkaufszentrum Markthof in Obersiggenthal, jeweils am Freitag und Samstag. Beinahe hätte er nun vom Areal verschwinden müssen. Im Frühling waren Vertreter der «Vereinigung Einkaufszentrum Markthof» beim Kebab-Stand aufgetaucht, um Cam mitzuteilen, dass die Mietpreise angepasst würden, pro Tag müsse er künftig doppelt so viel für seinen Platz bezahlen. «Ich sagte ihnen, ich könne mir diese Miete nicht leisten», erzählt Cam. Der gelernte Feinmechaniker war vor 36 Jahren aus der Türkei in die Schweiz gekommen, kann seinen Beruf aber aufgrund eines Rückenschadens nicht mehr ausüben, ist nur noch zu 50 Prozent arbeitsfähig.

Im Video-Interview: Arsen Cam schildert den Schock, die unerwartete Wendung und seine Philosophie.

Im Video-Interview: Arsen Cam schildert den Schock, die unerwartete Wendung und seine Philosophie.

Kurze Zeit nach dem Gespräch, Mitte Mai, erhielt Cam von der Markthof-Vereinigung einen eingeschriebenen Brief. Ihm wurde der Vertrag für die Platzmiete gekündigt. Wörtlich hiess es: «Auf der einen Seite hat der Kunde im Markthof mehrere Möglichkeiten, sich in kurzer Zeit zu verpflegen; auf der anderen Seite haben wir teilweise Kundenreaktionen wegen negativen Geruchs.» Damit er genügend Zeit für die Suche nach einem möglichen neuen Standort habe, gelte die Kündigung per 31. Dezember.»

Arsen Cam erzählt leise: «Ich war geschockt, es fühlte sich an wie eine Ohrfeige. Seit 26 Jahren verkaufe ich hier meine Kebabs, und noch nie hatte sich jemand beim mir persönlich wegen des Geruchs beschwert. Und nun sollte ich plötzlich von hier verschwinden?» Er erzählte seinen Kunden von der drohenden Verbannung aus dem Einkaufszentrum, und diese setzten sich für ihn ein: Mit einer Petition, die 400 Menschen unterzeichneten. «Die Schliessung seines Imbissstandes wäre ein Verlust weit über die legendären Kebabs und gefüllten Kartoffeln hinaus. Ohne Herr Cam wäre der Markthof ein kaltes, steriles Einkaufszentrum wie jedes andere», hiess es darin unter anderem.

Vor dem Friedensrichter in Baden kam es schliesslich zu einer Einigung. Arsen Cam darf bis zu seiner Pensionierung 2017 Kebab im Markthof verkaufen – allerdings zu den neuen Mietbedingungen. Kurt Renold, Markthof-Präsident: «Wir sind nicht unmenschlich. Es ging uns in erster Linie darum, die grossen Unterschiede bei den Mietpreisen zu bereinigen, die es zuvor bei den Markthof-Standbetreibern gab. Nachdem uns Herrn Cam mitgeteilt hatte, er könne sich die neue Miete nicht leisten, schickten wir den Brief mit der Kündigung.» Über den Geruch, der vom Kebab-Stand ausgeht, könne man nun mal geteilter Meinung sein. «Wir sind froh, dass es zu einer Lösung kam, mit der beide Seiten gut leben können.»

Ende gut, alles gut? Zumindest fast. «Ich bin sehr dankbar, weiter hier im Markthof Kebab verkaufen zu dürfen», sagt Cam. «Aber ich hätte gerne auch nach meiner Pensionierung weitergearbeitet. Weil ich es liebe, Kebab zu machen.»

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