Jetzt reicht es Bettina Sültmann: «Meine beiden Söhne im Alter von 7 und 9 Jahren besitzen beide ein Jahresabo und kommen jeweils zum Zmittag nach Hause. Dabei sind sie auf den Bus angewiesen, wohnen wir doch ziemlich weit hinten im Eichtal.» Doch kürzlich sei dem Jüngeren wieder einmal der Zutritt in den Bus verwehrt worden, da dieser übervoll gewesen sei. Die Rede ist von der RVBW-Linie 5, die kurz nach 12 Uhr bei der Bushaltestelle Weite Gasse hält, wo viele Schüler zusteigen, um auf die Allmend zu gelangen.

«Natürlich hätte mein Bub eine Viertelstunde später den nächsten Bus nehmen können. Doch das hat er nicht, weil er ja schnellst möglich nach Hause wollte», so Sültmann. Stattdessen sei er – und dies bereits zum fünften Mal seit Schulstart im Sommer – zu Fuss nach Hause gegangen. «Wir sprechen hier von einem Fussmarsch von gut 40 Minuten, was an sich nicht dramatisch ist. Viele Allmend-Kinder gehen morgens ja auch zu Fuss in die Schule. Doch weil die Kinder schon wieder um 13.15 Uhr zur Schule aufbrechen, ist das jeweils mehr als stressig über den Mittag.»

«Rütihof-Express» als Vorbild?

Deshalb ist sie mit einem Schreiben an den Stadtrat und die RVBW gelangt. Darin schreibt sie unter anderem: «Ich weiss, dass der übervolle und oft vollgestopfte Bus Richtung Baldegg schon lange ein bekanntes Problem darstellt und frage mich deshalb, warum man immer noch nichts gegen dieses Problem unternommen hat.»

Eine Antwort hat Sültmann bis heute nicht erhalten, weshalb sie sich nun für den Gang an die Medien entschieden hat. Unterstützung erfährt Sültmann dabei von Elvira Rumo, die ebenfalls Mutter zweier Kinder ist und auf der Allmend wohnt. Beiden betonen: «Natürlich ist es kein Weltuntergang, wenn ein Kind mal von der Schule nach Hause laufen muss. Und auch ein Halbstunden-Takt ist ja immerhin schon etwas; das öV-Angebot ist nicht grundsätzlich schlecht.» Und doch bestehe aus ihrer Sicht Handlungsbedarf bei der Linie 5. «Obwohl die Bevölkerung auf der Allmend und in Münzlishausen in letzter Zeit beträchtlich gewachsen ist – nicht zuletzt auch dank vieler Familien – hat sich am Angebot des öffentlichen Verkehrs nichts geändert.»

Auch Rumo ortet das grösste Problem bei den vielen Schülern – und zwar um 12 Uhr wie auch um 15.30 Uhr, wenn für viele Schüler der Unterricht am Nachmittag endet. «Mit dem Provisorium der Oberstufe beim Ländli und der ab nächsten Jahr wegfallenden Bushaltestelle in der Weite Gasse wird sich das Problem noch verschärfen», ist Rumo überzeugt. Dabei sei bereits im kommunalen Gesamtplan Verkehr von 2012 der Handlungsbedarf für die Buslinie 5 erkannt worden. So sei unter anderem festgehalten: «Auf gewissen Abschnitten wie Allmend oder Zürcherstrasse sind Verdichtungen vorzunehmen.» Der Quartierverein Allmend-Münzlishausen sei mehrmals bei den zuständigen Behörden vorstellig geworden. Doch die Stadt habe letztmals in einer Antwort vor drei Jahren darauf verwiesen, Fahrgastzählungen hätten gezeigt, dass die Busse bei weitem nicht vollbesetzt seien. «Die Realität sieht aber definitiv anders aus», so Sültmann.

Man frage sich, weshalb nicht analog zum «Rütihof-Express» zu den Schulschlusszeiten jeweils ein Sonderkurs hinauf in die Allmend geführt werden könne. Und die beiden Mütter präsentieren noch eine weitere überraschende Idee: «Man könnte sich doch überlegen, Gelenkbusse einzusetzen.» Das sei zwar laut Auskunft der RVBW keine Alternative, da insbesondere die engen Kurven bei der Schlossruine Stein den Einsatz dieses Fahrzeugtyps verunmöglichen würden. «Hinter diese Aussage setze ich aber ein Fragezeichen», sagt Rumo augenzwinkernd. Denn: «Bei einem Ausflug der Primarschule Tannegg kamen zum Abholen der Kinder auf der Baldegg ebensolche Busse problemlos zum Einsatz.»

Mehr Busse samstags gewünscht

Doch nicht nur stehengelassene Schüler sind den beiden Müttern ein Dorn im Auge. Sie stören sich auch daran, dass der 5er einerseits am Samstagvormittag nur im Halbstundentakt verkehre, obwohl eigentlich der Bedarf nach einen Viertelstundentakt gegeben wäre. «Andererseits verkehrt der Bus am Sonntag zwischen 12 und 17 Uhr im Viertelstundentakt, obwohl das gar nicht nötig wäre – wir beobachten, wie der in diesem Zeitraum grösstenteils mit keinen oder wenigen Passagieren verkehrt», so Rumo. Auf der einen Seite habe man also eher zu wenige Busse im Einsatz, dann aber wieder zu viele.

Doch reicht denn ein Halbstunden-Takt am Samstag nicht? «Es heisst immer, man wolle den öV in Baden fördern und auch wieder mehr Kunden in die Stadt locken. Doch wenn man mit vollen Einkaufstaschen vor einem eben gerade abgefahrenen Bus steht und eine halbe Stunde warten muss, überlegt man sich beim nächsten Mal zweimal, ob man nicht doch lieber wieder das Auto nehmen soll.» Sültmann sprich aus eigener Erfahrung, betreibt sie doch auf der Allmend einen Coiffeur-Salon. «Ich habe viele Kunden, die gerne mit dem Bus kommen würden am Samstag, dies aber wegen des Halbstundentakts nicht tun.»