Als die Schüler den Unterrichtsraum betreten, tauchen nach und nach etliche Laptops und Tablets auf. Die Jugendlichen besuchen das neue Akzentfach «Die digitale Gesellschaft und ihre Medien». Dabei verzichten sie weitgehend auf Papier und herkömmliche Unterrichtsmaterialien. Stattdessen nutzt die Klasse eine gemeinsame Website und teilt ihre Dokumente online. Einige Schüler bevorzugen dafür ihr Smartphone. Sie tippen auf dem kleinen Display umher und suchen Inhalte auf einer Website, das wirkt zuweilen doch etwas umständlich.

Die Erstklässler der Kanti widmen sich im Unterricht besonders der aktuellen Diskussion über digitale Medien: «Die Schüler lernen wirtschaftliche Hintergründe und den Umgang mit dem grossen Informationsfluss», erklärt ihr Lehrer Philippe Wampfler. Der Kantonsschullehrer für Deutsch und Philosophie lehrt auch an der Universität Zürich und ist Experte für das Lernen mit Neuen Medien. «Sie sollen sich ein eigenes Urteil über Informationen bilden können und mit ihren persönlichen Daten umsichtig umgehen.» Dafür erstellen alle Schüler ihr persönliches, digitales Portfolio. «So können sie Erfahrungen sammeln und diese miteinander diskutieren», erklärt Wampfler.

«Die Schüler wissen oft nicht, was mit ihren Daten geschieht»: Lehrer Philippe Wampfler sagt, was die Schüler im neuen Fach konkret lernen und weshalb das wichtig ist.

Die 19 Schüler rufen ein Newsportal auf und analysieren einen Artikel über digitalen Journalismus. Ein Facebook-Kommentar hatte dort vor einiger Zeit für grosses Aufsehen gesorgt. «Was braucht es, damit ein einfacher Kommentar ‹viral› geht?», lautet die zentrale Frage. «Viral» ist ein modernes Schlagwort für die rasende Verbreitung von Informationen, Meinungen und besonders Videos über soziale Medien.

Gehört zur Grundausbildung

«Der richtige Umgang mit Informationen fehlt heute noch in der Grundausbildung», so Wampfler, obwohl es sehr wichtig für das Berufsleben sei. Deshalb sollte das Fach eigentlich in einer früheren Stufe stattfinden. Trotzdem sieht Philippe Wampfler Fortschritte: Besonders die Lehrer hätten in jüngster Zeit viel über soziale Medien und die digitale Welt gelernt. Doch: «Das muss in ihr Rollenverständnis einfliessen, damit sie von den etablierten Methoden wegkommen und neues wagen.» In dieser Lektion ist dies bereits geschehen, der Hellraumprojektor in der Ecke wirkt wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten.

Der Einsatz von digitalen Medien ist für die Schüler deutlich einfacher: «Digitale Kommunikation sind bei den Jugendlichen bereits eine Selbstverständlichkeit, um Kontakte zu pflegen.» Viele Lehrer hätten hingegen wenig Kenntnis von solchen Anwendungen. Beiden sei jedoch gemein, dass ihnen die Benutzung der Programme einfacher fällt als das genaue Verständnis für die tatsächlichen Abläufe und Datenschutz. So greift die Social-Media-Klasse der Schulleitung der Kanti Wettingen unter die Arme: Sie eröffnen bald einen offiziellen Youtubekanal der Schule und werden diesen betreiben und Inhalte dafür erstellen.