Eine Schulklasse sitzt konzentriert in der Stanzerei Baden an Basteltischen. In Gruppen wird fleissig geschnitten, geklebt, verschoben. Was nach bildnerischem Gestalten aussieht, ist ein Workshop, der anlässlich des 16. Fantoche, dem internationalen Festival für Animationsfilm stattfindet. Teilgenommen hat am Mittwoch die 6. Klasse der Primarschule Oberlunkhofen. Im Kurs «Mix it» kann man mit einer App einen eigenen animierten Kurzfilm erstellen.

Die Ausrüstung ist simpel: Es gibt sechs Stationen. Auf jedem Tisch steht eine Halterung. Daran befestigt ist ein Tablet, die Kamera zeigt nach unten auf die Tischplatte. Auf dem Tablet läuft die App «Stop Motion». Die App nimmt Fotos auf und fügt sie zu einem Video zusammen. Zwölf Fotos ergeben eine Sekunde Videomaterial. So weit, so einfach.

Die sieben Jungs und zwölf Mädchen erhalten zuerst eine kurze Einführung von Workshop-Leiterin Irmgard Walthert, die in Luzern Animation studiert hat. Die Klasse lauscht gespannt ihrer Einführung. Es werden drei kurze Filme gezeigt, damit die Kinder in etwa eine Vorstellung haben, was sie machen könnten. Schon nach kurzer Zeit dürfen sie selber ans Werk. Es liegen buntes Papier, Flyer und FantochePlakate bereit. Die Schüler dürfen Figuren ausschneiden oder selber etwas zeichnen. Bevor es losgeht, müssen sich die 19 Schülerinnen und Schüler durchnummerieren. Die daraus resultierenden Gruppen passen nicht allen. Es ist das einzige Mal während des Workshops, dass der Lärmpegel steigt. Doch der Missmut über die aufgezwungenen Gruppen hält nur kurz an. Sobald die 6.-Klässler anfangen, ihre Filme zu drehen, fegt eine Welle der Motivation durch den Raum.

Meerjungfrauen und Monster

Auf den Bildschirmen der Tablets sieht man schon bald Meerjungfrauen, Haifische, Gassi gehende Hunde und bunte Monster. Ein Achterbahn-Wägeli wird von einem Blitzschlag, ausgelöst durch das gelbe Pokémon Pikachu, in das Weltall katapultiert. Ein blaues Monster ohne Arme frisst eine Fliege. Langsam bewegt sich die Zunge auf die Fliege zu. Foto. Die Zunge wird fünf Millimeter nach rechts verschoben. Foto. Nochmals fünf Millimeter. Foto. Geduldig schieben die Kinder ihre Figuren in die richtige Richtung. Mit jeder Verschiebung wird aus einzelnen Bildern ein bewegter Animationsfilm. Die mühselige Arbeit zeigt überraschendschnell einen Effekt. Innerhalb der nächsten 90 Minuten entstehen in der Stanzerei die unterschiedlichsten Welten. Die Meerjungfrau berührt eine magische Qualle und verwandelt sich deswegen in einen Menschen. Sie sieht sich in einem Spiegel und weint, weil sie nun einen menschlichen Körper hat. Derweil stösst ein Hund beim Gassi-Gehen auf ein mysteriöses Loch im Boden.

Der Spass und die Schwierigkeit

Im bildnerischen Gestalten in der Schule hat die Klasse gerade das Thema Comic, erzählt die Lehrerin Aisha Reisner: «Darum passt der Workshop vom Fantoche gerade gut ins Programm.» Die Begeisterung der Kinder spricht für sich. Die Gruppen arbeiten alle sehr engagiert an ihren Kurzfilmen. Ob es denn Spass mache? «Ja, es ist super, dass man selber etwas produzieren kann», sagt eine Schülerin. Einige sagen, es sei schon noch schwierig, trotzdem hätten sie sehr viel Spass daran. Für die Kinder scheint die Zeit wie im Flug vorbeizugehen.

Die animierten Geschichten kommen langsam zu einem Ende. Der Gassi gehende Hund im Schwarz-Weiss-Comic findet im mysteriösen Loch einen bunten Baum, an dessen Ästen Augen hängen. Die Meerjungfrau ist währenddessen wieder glücklich: Sie durfte zurück ins Meer und ist nun wieder halb Fisch.