Würenlos

Schüler erwischten ihn: Lehrer muss wegen Sex-Datingseite gehen

K. N. unterrichtete im Schulhaus Ländli 2.

K. N. unterrichtete im Schulhaus Ländli 2.

Er war auf einer Sex-Dating-Plattform aktiv – während der Schulzeit. Die Schüler meldeten ihren Lehrer bei der Schulleitung. Diese reagiert noch am selben Tag und stellt den Lehrer, der schon vorher negativ auffiel, frei.

Die Schülerinnen und Schüler einer sechsten Primarklasse in Würenlos dürften nicht schlecht gestaunt haben, als sie im Klassenzimmer auf den Computer ihres Lehrers K. N. (Name von der Redaktion geändert) blickten und dabei eine Sex-Dating-Plattform sahen.

Genauer: Auf dem Bildschirm war das Foto einer nackten Frau in eindeutiger Pose zu sehen, berichtet ein Vater, dessen Sohn in dieser Klasse unterrichtet wird.

Im Internet wirbt die Plattform damit, dass «reife Frauen» Profile erstellen würden und auf der Suche nach einem Partner sind.

Die Schüler fotografierten den Bildschirm und schickten die Bilder im Klassen-Chat herum. Und: Sie meldeten den Vorfall der Schulleitung.

Immerhin wäre denkbar gewesen, dass die Schüler ihrem Lehrer einen Streich spielen wollten, doch Abklärungen der Schulleitung haben gezeigt, dass es sich nicht um einen Schülerstreich handelt.

Noch am selben Tag, am Donnerstag vor Ostern, suchten Schulleitung und Schulpflege das Gespräch mit der Lehrperson.

Anlässlich des Gesprächs habe man sich «im gegenseitigen Einvernehmen für eine sofortige Trennung entschieden und Herr N. wurde freigestellt», heisst es in einem Brief, der am Mittwoch bei den Eltern der betroffenen Kinder im Briefkasten lag.

Der aktuelle Vorfall betreffe zwar nicht die Kinder, «stört aber das Vertrauen der Schulpflege und der Schulleitung zu Herrn N. nachhaltig», heisst es weiter.

Schon zuvor Probleme
Dem Schreiben, das dem «Badener Tagblatt» vorliegt, ist weiter zu entnehmen, dass Schulsozialarbeiterin Kyra Braga und Schulleiter Lukas Müller seit Januar die Klasse mehrfach besucht haben.

«Anlass waren vor allem die Schulführung und Themen, welche den Schülerinnen und Schülern Sorge bereiteten und die sie mit Herrn N. nicht selber klären wollten.»

Um welche Themen es sich dabei handelt, darüber will Martin Brogle, Mitglied und Kommunikationsbeauftragter der Schulpflege keine Auskunft geben.

«Es waren aber Themen, bei denen die Schulleitung und -pflege die Ampeln nicht auf orange oder rot schalten musste», sagt er, «sonst hätten wir natürlich sofort reagiert». Zudem habe sich die Situation in den letzten Wochen gebessert.

Der Lehrer war erst in den vergangenen Sommerferien eingestellt worden. «Die betreffende Lehrperson erhält für die kurze Beschäftigungsdauer an der Schule Würenlos lediglich eine Arbeitsbestätigung, das heisst kein Arbeitszeugnis», sagt Brogle. Auf Ende dieses Schuljahres erreicht die Lehrperson ohnehin das Pensionsalter.

Der betroffene Vater, der anonym bleiben möchte, kennt die Lehrerszene im Kanton gut.

Der az gegenüber sagt er, jener Lehrer gehöre zu den sogenannten Lehrernomaden.

So sei er in verschiedenen Aargauer Gemeinden tätig gewesen aber nie über längere Zeit. Und immer wieder sei es zu Problemen gekommen.

Brogle bestätigt, dass es Gerüchte gab bezüglich der Schulführung und des Unterrichtsstils. «Wir haben uns deshalb bei den Vorgängerschulen erkundigt.  Aus den Abklärungen ergaben sich keine Gründe, den Lehrer nicht anzustellen.»

Und letztlich habe jede Lehrperson das Recht aufgrund ihrer Leistungen beurteilt zu werden und nicht aufgrund von Gerüchten, sagt Brogle. «Insofern verliessen wir uns auf seine Arbeitszeugnisse und die waren sehr gut.»

N. war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Seit vergangenem Mittwoch werden die Kinder von einer Stellvertreterin unterrichtet, die bereits zuvor als Lehrerin in Würenlos tätig war.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1