Turgi

Schüler der Gymi-Klasse zeigen: Das Leben macht eben doch Sinn

Mit Begeisterung dabei: Die Jugendlichen haben das Stück selbst ausgesucht.

Mit Begeisterung dabei: Die Jugendlichen haben das Stück selbst ausgesucht.

Mit dem Stück «Ist nichts alles?» zog das Kinder- und Jugendtheater Turgi am Samstag viele Besucher an. Die Gruppe weiss mit zauberhaften Lichteffekten zu begeistern

Nach den Schulferien treffen sich die Schüler der Gymi-Klasse 2B wieder. Auf einmal sagt der, den alle bewundern: «Nichts bedeutet irgendetwas.» Die anderen Jugendlichen beschliessen, ihm zu beweisen, dass das nicht stimmt.

So beginnt die Suche, die bald eine zerstörerische Gruppendynamik auslöst. Geht es anfangs um materielle Güter, setzt eine Spirale psychischer Gewalt ein. Je schmerzhafter das eigene Opfer empfunden wird, desto mehr wird beim nächsten Opfer verlangt. Wobei es keine Grenzen mehr zu geben scheint.

Doch im Gegensatz zur Vorlage des Stücks, dem Jugendroman der dänischen Schriftstellerin Janne Teller, hat sich das Kinder- und Jugendtheater Turgi (KJT) mit seiner Inszenierung für ein versöhnliches Ende entschieden. Die Gruppe wacht auf, bezieht das Publikum mit ein, weiss mit zauberhaften Lichteffekten zu begeistern und beansprucht sogar Udo Jürgens.

Das Leben und die kleinen Dinge geniessen

«Die Jugendlichen haben dieses Stück selbst ausgesucht, da sie das Thema für sehr relevant hielten», sagt Katrin Janser, die Regie geführt hat. «Lieber das Leben und die kleinen Dinge darin geniessen, besser nicht so viel darüber nachdenken, das ist für mich die Botschaft des Stücks», ergänzt Gabriel Renggli, einer der Mitwirkenden.

Renggli ist der Sohn von Theaterleiterin Rebekka Renggli und soll den Fortbestand des vor 30 Jahren gegründeten Ensembles sichern helfen. 1989 legte die inzwischen verstorbene Doris Janser, Gabriel Rengglis Grossmutter, den Grundstein für eine Truppe, die nach Professionalität strebt, aber dennoch alles unentgeltlich managt. «Wobei die Geschichte noch viel weiter zurückreicht.

«Angefangen hat alles mit einem Krippenspiel bei uns zu Hause. Wir waren sechs Kinder und so hatte jeder eine Rolle», erinnert sich Rebekka Renggli. Als Doris Janser dann bald merkte, dass nicht nur die eigenen Kinder heiss aufs Spielen waren, sondern noch viele andere in Turgi, war das KJT geboren. Und bis heute steht das Krippenspiel auf dem Spielplan.

Geld soll kein Hindernis sein, auf der Bühne zu stehen

Und nach wie vor gilt das Vermächtnis der Gründerin: Geld soll für niemand ein Hindernis sein, auf der Bühne zu stehen. In den 300 Franken Jahresgebühr ist das Mittagessen inklusive, das Rebekka Renggli meist selbst kocht. Denn jeden Samstag von 10 bis 13.30 Uhr wird in der Mehrzweckhalle Gut in Turgi Schauspiel und Gesang geprobt und das mitunter sogar in den Schulferien.

Das betrifft die Gruppen 1 (Kinder ab 6 Jahren) und die Gruppe 2, welche die Zwölf- bis 16-Jährigen umfasst. Gruppe 3, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25, probt jeweils am Mittwoch von 19.30 bis 22 Uhr in der alten Müsliburg in Turgi.

Rund 70 Kinder und Jugendliche hat das Frauentriumvirat, auch Jansers dritte Tochter Jenny Zurkinden ist mit im Boot, aktuell in seiner Obhut. «Und die Warteliste ist ellenlang», so Rebekka Renggli. Und das trotz des strengen Probenplans? «Meine Erfahrung ist, dass die Kinder das überhaupt nicht abschreckt, im Gegenteil. Sie fühlen, dass wir sie erstnehmen und sie sich entfalten lassen.» Dabei zeigte sich schon oft: Selbst das schüchternste und introvertierteste Kind weiss irgendwann, einmal aus sich herauszugehen.

Internationales Theater-Fest im Sommer

Bis nach dem Internationalen Kindertheater-Fest besteht aber für die Gruppe 1 ein Aufnahmestopp. Zu sehr nimmt das Grossereignis vom Juli/August 2020 die Truppe in Beschlag. Alle fünf bis sechs Jahre wird der Grossanlass gestemmt, der im kommenden Jahr ein Budget von 140'000 Franken haben wird.

Auch «Ist nichts alles?» wird dann wieder im Programm sein. Für die Märchenaufführung, immer ein Garant für ein volles Haus und klingelnde Kassen, reichen die Ressourcen dann nicht mehr. Die Fans müssen sich bis 2021 gedulden. Das Stück aber hat sich Rebekka Renggli schon ausgesucht.

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